"Rheinbach liest"

Hobbyautoren stellen ihre Werke vor

RHEINBACH. Noch immer verfolgen Berenike die grässlichen Geräusche des Unfalls. Und die 17-Jährige ist entschlossen, ihrem Vater und ihrer Schwester in den Tod zu folgen, wie ihr abgeklemmtes linkes Bein es schon getan hat. Als Heidi Möhker aus ihrem beeindruckenden Jugendbuchmanuskript las, herrschte gebannte Stille unter den mehr als 50 Gästen in der Buchhandlung Kayser. Die Autorin las als eins von insgesamt elf Talenten im Rahmen der "TextProbe" auf "Lothar Tolksdorfs talentierter Literaturbühne".

Zum fünften Mal hatte der Verein "Rheinbach liest" in Kooperation mit der Öffentlichen Bücherei Sankt Martin und der Buchhandlung Kayser ambitionierte Hobbyautoren aus Rheinbach und Umgebung zu der Plattform geladen. Und die zogen ihr Publikum mit ganz unterschiedlichen Genres von der Alltagssatire über die Krimi-Kurzgeschichte bis zum Fantasy-Roman in ihren Bann.

Humoriges Lokalkolorit brachte der Oberdreeser Günter Detro mit einer Kostprobe aus seiner langjährigen Erfahrung als Lehrer am Städtischen Gymnasium ein. Er verdichtete authentische Anekdoten zu einer liebevollen Persiflage auf seine Englisch-Stunden. Große Sympathie weckte auch Hannah Reinartz mit ihrer Kurzgeschichte: Die 18-jährige Schülerin der Glasfachschule und Mitarbeiterin im Kinder-Leseclub der Bücherei erzählte, inspiriert von ihrer kleinen Schwester, locker vom Weihnachtszauber und wie man ihn sich bewahrt.

Mit und in Kinderaugen blickten auch Marita Bagdahn und Christiane Bröckelmann in ihren Texten. Schülerin Laura Klein ließ in ihrem Fantasy-Roman einsame Seelen per Körpertausch zueinander finden. Aber auch Schwarzhumoriges hielt die "TextProbe" bereit, und zwar im Kurzkrimi der Profi-Autorin Michaela "Gigi" Louisoder um ein im Hass vereintes Ehepaar.

Christina Köhler nahm derweil den "Kevinismus" im Supermarkt aufs Korn, Irena Rostalski die Stilblüten des modernen Esoterik-Wahns. Johannes Engel erheiterte sein Publikum mit gereimtem Unsinn und allerlei Wortspielen - denen Moderator Tolksdorf um nichts nachstand, spickte der Bornheimer Literaturkabarettist seine Anmoderationen doch mit viel hintergründigem Klamauk und Nähkästchen-Plaudereien.