Anklage vor dem Bonner Landgericht

Großvater aus Rheinbach soll Enkel missbraucht haben

Symbolbild

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Bonn/Rheinbach. Ein 64-jähriger Rentner ist in sechs Fällen vor dem Bonner Landgericht angeklagt. Er soll seinen Enkel sexuell missbraucht haben. Die Mutter glaubte dem Sechsjährigen, da sie selbst Missbrauchsopfer des Angeklagten war.

Ein Jahr lang soll ein Großvater seinen kleinen Enkel sexuell missbraucht haben. Der Rentner nutzte die Besuche des sechsjährigen Jungen bei sich aus, aber auch, wenn er seine Tochter – Mutter des Sechsjährigen – und ihre Kinder besuchte: Ob Kinderzimmer, Gartenhäuschen oder Scheune, wenn sich eine Gelegenheit ergab, wurde der 64-jährige Großvater übergriffig und forderte den Enkel zu sexuellen Handlungen auf.

Davon jedenfalls geht die Bonner Staatsanwaltschaft aus, die den Rentner wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs nicht nur irgendeines Kindes, sondern seines Schutzbefohlenen in insgesamt sechs Fällen angeklagt hat, wie Gerichtssprecher Tobias Gülich am Montag bestätigte.

Die Geschichte soll die kleine Schwester der Mutter „verraten“ haben, die offenbar ein Gefühl hatte, dass da was nicht in Ordnung ist. Im November vergangenen Jahres wollte die Mutter mit ihr und einem weiteren Geschwisterkind zum Arzt, nur der Sechsjährige sollte zu Opa und Oma.

Mutter war alarmiert

Da intervenierte das Mädchen: „Aber der Opa fasst den immer an“, erzählte sie ihrer Mutter. Daraufhin fragte sie den kleinen Sohn: Erst soll er „wütend“ gewesen sein, weil die Schwester sein Geheimnis „verpetzt“ habe, aber dann hat er den Missbrauch bestätigt. Die 42-jährige Mutter war alarmiert. Denn, wie Sprecher Gülich mitteilte, soll sie – laut Anklage – in ihrer Kindheit selbst „Missbrauchserfahrungen mit ihren Vater“ gemacht haben, die aber nie ans Licht gekommen waren. Entsprechend glaubte sie ihren Kindern.

Ihren Vater, der zunächst alles abstreiten wollte, soll die 42-Jährige unter Druck gesetzt und aufgefordert haben, sich selbst anzuzeigen. Zunächst meldete sich der Rentner per Telefon anonym bei einer Beratungsstelle für sexuelle Gewalt und erklärte, dass er seinen Enkel „sexuell bedrängt“ habe und legte auf. Eine Mitarbeiterin war alarmiert, zeigte den Fall – mitsamt der Festnetznummer des Anrufers – bei der Polizei an, wo er schnell identifiziert werden konnte. Als die Polizei den 64-jährigen Großvater kontaktierte, soll er bereits seinen Rechtsanwalt beauftragt haben, eine Selbstanzeige zu formulieren.

Durch das Geständnis des Großvaters musste der sechsjährige Enkel nicht mehr angehört werden. Laut Anklage wäre jede zusätzliche Befragung des Sechsjährigen eine „weitere unausweichliche Belastung des Kindes gewesen“, die unbedingt vermieden werden sollte. Vor allen Dingen, weil dieser Kindesmissbrauch im „ganz engen familiären Rahmen“ stattgefunden habe. Der Prozess findet demnächst vor einer Jugendschutzkammer des Bonner Landgerichts statt.