Kommentar zum geplanten Römerkanal-Infozentrum

Glas-Kubus mit Strahlkraft

Der Entwurf des Architekten zeigt: Für das Informationszentrum wird ein Kubus errichtet, der dem Backstein-Gebäudeteil des Himmeroder Hofs vorgelagert ist.

Der Entwurf des Architekten zeigt: Für das Informationszentrum wird ein Kubus errichtet, der dem Backstein-Gebäudeteil des Himmeroder Hofs vorgelagert ist.

Rheinbach. Für das Römerkanal-Infozentrum ist im Juli Spatenstich. Das eine Million Euro teure Projekt soll im Herbst 2019 fertig sein - ein Kommentar von GA-Redakteur Mario Quadt.

Es ist wahrlich kein Protz-Projekt, welches da unweit der alten Rheinbacher Stadtmauern entsteht. Die rund eine Million Euro, finanziert durch Stiftungen, Fondsausschüttungen und Sponsoren, sind gut angelegtes Geld, um in einer Schulstadt wie Rheinbach auch den jüngeren Generationen Projekte wie eine Wasserleitung zur Zeit der Römer nahezubringen - eine 2000 Jahre alte Ingenieursleistung, erbracht ganz ohne Satellitentechnik, ohne Lastwagen, Internet und anderen, heute selbstverständlichen Errungenschaften unserer Zeit.

Keinen leichten Weg haben die Frauen und Männer des Freundeskreises Römerkanal beschritten, als sie vor zehn Jahren die Idee hatten, dem Römerkanal und seinen örtlich noch mannigfaltigen Originalzeugnissen ein Museum in Rheinbach zu widmen. Ein Jahrzehnt später lässt sich sagen: Der Weg hat sich gelohnt. Die römische Wasserleitung aus der Eifel nach Köln, mit 95,4 Kilometern Länge einer der längsten Aquädukte, der je von den Römern gebaut wurde, hat es verdient, in einem Museum ausgestellt zu werden. Als Glücksfall kann angesehen werden, dass mit Professor Grewe der weltweit wohl profundeste Experte dieses antiken Bauwerks im Verein mitwirkt und außerdem seine erfolgreiche Ausstellung „Wasser für Roms Städte“ mit nach Rheinbach bringen kann.

Mit dem Glas-Kubus am Himmeroder Wall entsteht in Rheinbach ein Ort, dessen Strahlkraft weit über die Grenzen der Glasstadt hinausreichen wird. Viele Stücke des Römerkanals befinden sich gut 2000 Jahre später noch in einem erstaunlich guten Zustand. Und dies obwohl viele Baumeister in den Jahrhunderten später das antike Baumaterial des Römerkanals ein zweites Mal verwendet haben. Da der Himmeroder Hof exakt am Römerkanalwanderweg entlanggeht, sind die Voraussetzung für ein ausreichend frequentiertes Museum gegeben.

Der Freundeskreis Römerkanal kann außerdem als Erfolg verbuchen, dass es gelungen ist, die Finanzierung des Projekts ohne Beteiligung der zwölf Städte und Gemeinden zu stemmen, die sich als Anrainerkommunen des Römerkanals zusammengeschlossen haben. In Zeiten klammer Kassen wäre es für das Projekt fatal gewesen, darauf zu hoffen, dass ein Kämmerer seiner Affinität zur Römerzeit wegen seinen Säckel öffnet.