Bundeswehr in Rheinbach

General beendet Arbeit in Tomburg-Kaserne

Seinen letzten Dienstag hat Brigadegeneral Wolfgang Renner am Donnerstag in der Tomburg-Kaserne.

Seinen letzten Dienstag hat Brigadegeneral Wolfgang Renner am Donnerstag in der Tomburg-Kaserne.

Rheinbach. Brigadegeneral Wolfgang Renner gibt das Kommando über Tomburg-Kaserne ab und geht zur Nato nach Belgien. Mit 1000 Mitarbeitern sind die Streitkräfte der größte Arbeitgeber in Rheinbach.

Die Frage, welches Fahrzeug ein Angehöriger der Bundeswehr während seiner Dienstzeit am häufigsten zu Gesicht bekommt, ist nicht schwer zu beantworten. Es ist kein Panzer oder Truppentransporter – sondern der Umzugswagen. Zumindest wenn man sich wie Wolfgang Renner, Brigadegeneral der Luftwaffe und Kommandeur der Tomburgkaserne in Rheinbach, als Berufssoldat verpflichtet hat.

Schon bald muss der 59-Jährige erneut die Dienste eines Umzugswagens in Anspruch nehmen: Nach fünf Jahren als Rheinbacher Standortältester und Kommandeur des Betriebszentrums IT-System der Bundeswehr übergibt der gebürtige Oberfranke am Donnerstag das Kommando über die Tomburgkaserne mit ihren mehr als 1000 Mitarbeitern.

Nach Mons in Belgien steuert der Umzugsdienstleister dann sein Vehikel. Die rund 70 Kilometer von Brüssel entfernte Stadt in der Wallonie beheimatet seit 1967 das Militärische Hauptquartier der Nato. Renners Stelle dort ist mit der Maßgabe verbunden, dass ein Generalmajor sie bekleidet. Die Folge: Nach seinem Ausscheiden in Rheinbach bekommt er seinen zweiten Generalsstern verliehen. In bislang 41 Dienstjahren hat Renner viele Ortswechsel absolviert: Roth, Fürstenfeldbruck, München, Lauda bei Würzburg, Meßstetten auf der Schwäbischen Alb, Eckernförde, Geilenkirchen, Hamburg, Aurich, Bonn, Brunssum in den Niederlanden, Mainz, Köln-Wahn, Berlin, wieder Bonn und Rheinbach.

Was ihm für seine Tätigkeit als Standortältester in Rheinbach geholfen hat, war die Station in Mainz: „Das war meine erste Erfahrung mit dem Karneval“, berichtet der Brigadegeneral im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Warum auch sollte ein Soldat der Bundeswehr an einem Montag vom Dienstherrn frei bekommen, nur weil die Dienststelle am Zugweg des Mainzer Rosenmontagszuges liegt? Der in Kulmbach geborene Oberfranke findet – ganz ohne Befehl – Gefallen am rheinischen Brauchtum. Ein Umstand, der ihm helfen soll, jeweils zur „Fünften Jahreszeit“, die Tomburgkaserne Jahr für Jahr vor den närrischen Heerscharen der Rheinbacher Karnevalsgesellschaften und -vereine zu verteidigen.

Obwohl: Dass letztlich doch immer die Jecken und Tollitäten obsiegen und bis Aschermittwoch die Bundeswehrliegenschaft an der Münstereifeler Straße symbolisch in der Hand der Kostümierten und jeck Uniformierten liegt, kann auch der studierte Diplom-Ingenieur nicht verhindern. Ohnehin ist es Tradition, dass Angreifer wie Verteidiger nach dem Gefecht mit wohlgewählten Worten und reichlich Kamelle gemeinsam mit Marschmusik ins Kasernenkasino einrücken, um bei dem ein oder anderen Versöhnungsbecher zusammenzusitzen.

Zum Abschied aus Rheinbach und zu Renners sechsten Session als Standortältester hatten sich die Jecken eine besondere Überraschung ausgedacht: Sie „entführten“ den Kommandeur am frühen Morgen auf dem Weg zur Kaserne - unter einem Vorwand. Anschließend beginnt eine für den Brigadegeneral unvergessliche Rundreise: „Wir haben alle Ortschaften und Dörfer von Rheinbach besucht. Auch die, die über dem Berg liegen.“ Das anschließende Frühstück in Hilberath und ein „leichtes Vorglühen“ in Euskirchen erleichtern den Abschied vermutlich ebenso wenig wie der Umstand, dass der Franke in diesem Jahr zum dritten Mal am Rheinbacher Veilchendienstagszug teilnehmen durfte – in diesem Jahr mit seinem acht Jahre alten Sohn als emsige Kamellewurfhilfe. „Man sieht viel von den Menschen am Zug, aber wenig vom Zug selbst“, so Renner.

Bundeswehr verabschiedet sich mit Übergabeappell

Nicht nur die Resonanz auf den seit 1965 stattfindenden Kasernensturm zeigt die Verbundenheit der Garnisonsstadt Rheinbach zur Kaserne und den Menschen, die dort arbeiten. „Mit über 1000 zivilen wie militärischen Mitarbeitern zählen wir zu den größten Arbeitgebern in Rheinbach“, sagt Renner. „Das Miteinander ist gut“, berichtet er. Die Wertschätzung gegenüber den „Bürgern in Uniform“ sei in der Glasstadt groß. Folgerichtig präsentiert die Bundeswehr sich, ihre Arbeit sowie Aufstiegsmöglichkeiten auf den örtlichen Ausbildungsmessen.

Mit einem Übergabeappell verabschiedet die Bundeswehr am Donnerstag, 14 Uhr, den unter anderem mit der KFOR-Einsatzmedaille, der Non-Article-5-Einsatzmedaille der Nato und dem Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold ausgezeichneten Standortältesten. Vor rund 100 geladenen Gästen spielt das Luftwaffenmusikkorps aus Koblenz unter anderem den Cybermarsch, den Marsch des Kommandos Cyber- und Informationsraum. „Ich glaube, dass wird nicht einfach werden“, bekundet der Brigadegeneral über den Moment des Abschieds. „Über die Jahre steckt da viel Herzblut drin.“

In den vergangenen Jahren hatte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Engagement der Truppe auf dem Gebiet der Cybersicherheit ausgedehnt. In Rheinbach ist eine Dienststelle des neuen „Cyberinformationsraums“, dessen Kommando an der Bonner Rheinaue ansässig ist, untergebracht. Ferner arbeitet in der Tomburg-Kaserne unter anderem das Betriebszentrum IT-System der Bundeswehr, kurz BITS, welche sämtliche IT-Services für die Einsatzkontingente der Bundeswehr bereitstellt , das Zentrum Cyberoperationen (ZCO) des Kommandos Strategische Aufklärung und Teile des Zentrums für Cybersicherheit der Bundeswehr.

Angesichts solch eines Portfolios an Arbeitsaufträgen sieht Renner den Garnisonsstandort auf absehbare Zeit für die Zukunft gut aufgestellt. „Die Themen Digitalisierung und Vernetzung werden weiter an Bedeutung gewinnen“, sagt der Brigadegeneral. „Die Abhängigkeit der Gesellschaft von IT wird sicherlich nicht weniger.“ Und: Sein Nachfolger als Standortältester, Brigadegeneral Ralf Hoffmann, ist beim Übergabeappell am Donnerstag nicht zugegen. Er befindet sich bis zum Herbst im Auslandseinsatz im Kosovo. Oberst Rainer Beeck, Chef des Stabes, übernimmt so lange die Führung.