„Zu Gast auf dem Sofa“ in Rheinbach

Friedemann Karig schwärmt von "Liebe an der langen Leine"

Aus seinem Buch las Friedemann Karig, der in Rheinbach „Zu Gast auf dem Sofa“ war.

Aus seinem Buch las Friedemann Karig, der in Rheinbach „Zu Gast auf dem Sofa“ war.

Rheinbach. Friedemann Karig war in Rheinbach „Zu Gast auf dem Sofa“. Der 34-jährige Journalist und Moderator stellte sein Buch „Wie wir lieben – vom Ende der Monogamie“ vor.

Von einer „Avantgarde“, die oft in eine „dubiose Ecke“ gestellt wird, sprach der Autor und Journalist Friedemann Karig in Rheinbach. In der Reihe „Zu Gast auf dem Sofa“ las der 34-Jährige in der Rheinbacher Hochschul- und Kreisbibliothek aus seinem im Blumenbar-Verlag erschienenen Buch „Wie wir lieben – vom Ende der Monogamie“ vor.

Darin stellen Erlebnisberichte von echten Paaren die Erwartung infrage, dass Sexualität in einer Ehe oder Lebenspartnerschaft exklusiven Charakter haben sollte. Monogamie, wenngleich romantisches Klassenziel aller Generationen, habe durchaus etwas Widernatürliches, führte Karig im Gespräch mit Moderatorin Susanne Kundmüller-Bianchini aus. Die Biologie des Menschen versehe sexuelle Anziehungskraft schließlich mit einem Verfallsdatum, ganz egal welcher Gefühlskanon diesen Termin überdauert.

Vor rund 60 Zuhörern regte Karig mit seinem Buch dazu an, an der Synchronizität von Partnerschaft und Monogamie zu rütteln, ohne ein Plädoyer gegen die Sehnsucht nach einem festen Partner zu halten. So konfrontierte der in München lebende Autor sein Publikum mit einer von insgesamt sieben Liebesgeschichten, denen gemeinsam ist, dass die beschriebenen Paare ihre Beziehung „geöffnet“ haben und es einander erlauben, die Erfüllung intimer Wünsche nicht mehr nur im heimischen Schlafzimmer zu suchen. Statt exklusiver Sexualität stürzen sich die Männer und Frauen in erotische Abenteuer mit Dritten oder Vierten – immer mit dem Einverständnis des Partners und unter Einhaltung fester Regeln.

„Frei programmierbare Treue“ nennt das Friedemann Karig und ist sich gleichzeitig bewusst, mit seiner Sammlung „progressiver“ Liebesformen, die durch die Erkenntnisse von Biologen und Sexualwissenschaftlern ergänzt wird, durchaus provokanten Lesestoff zu liefern. Vor diesem Hintergrund war die an die Lesung angeschlossene Diskussion mit dem Publikum in Rheinbach – neben viel Zuspruch – auch nicht frei von kritischen Anmerkungen. So warf ein Zuschauer ein, dass es keine ausreichenden Erkenntnisse darüber gebe, dass der Steinzeitmensch polygam lebte – eine Annahme, die Karig als Produkt eines wissenschaftlichen „Indizienprozesses“ hingegen als wahrscheinlich einstuft und in Rheinbach thematisierte. Ein anderer Gast plauderte aus seiner Zeit als Kommunarde in den 1960er Jahren und beschrieb das Zusammenleben unter dem Gebot grenzenloser Offenheit als „Psychoterror“.

Doch als Versuch, die Gesellschaft zur „freien Liebe“ im Sinne der 68er zu bekehren, wollte Karig sein Buch in Rheinbach nicht verstanden wissen – schon weil seine Denkanstöße über „offene Liebe“ und „offene Köpfe“ keinerlei politische Dimension hätten, wie er versicherte. Seine Frage „Müssen wir alle polygam leben?“ beantwortete er deshalb mit den Worten: „Nein. Wir müssen alle glücklich werden.“