"Mörderische Schwestern" um Judith Merchant

Frauen sammeln kriminelle Energie um sich

Die Autorin Alexa Theismeyer liest in der Buchhandlung Kayser in Rheinbach aus ihrem Kurzkrimi.

Die Autorin Alexa Theismeyer liest in der Buchhandlung Kayser in Rheinbach aus ihrem Kurzkrimi.

Rheinbach. Selten erleben die Rheinbacher in der Voreifelstadt außerhalb der JVA-Mauern eine solche Ballung von krimineller Energie wie jetzt in der Buchhandlung Kayser. Dort trafen sich zahlreiche Krimiautoren zu einer Lesung der besonderen Art, bei der trotz der geschätzten 70 Leichen zwischen den Buchdeckeln sehr viel gelacht werden konnte.

Die "Mörderischen Schwestern" Heidi Möhker, Monika Deutsch, Alexa Thiesmeyer, Karin Büchel und Aide Rehbaum lasen ihre Geschichten aus der vor wenigen Tagen erschienenen Krimigeschichtensammlung "Nix zu verlieren".

Der Titel der 195 Seiten starken Anthologie verrät den gemeinsamen Nenner der Geschichten: In jeder geht es um Helden, die nichts mehr zu verlieren haben. Inhaltlich und stilistisch bilden diese die große Bandbreite menschlicher Erlebnisse ab.

Die Bonner Krimiautorin Judith Merchant moderierte den Abend. In eloquenter und charmanter Weise erläuterte sie das Netzwerk der Mörderischen Schwestern, einer Vereinigung von Krimiautorinnen, die etwa bei Recherchefragen als lebende Enzyklopädie des kriminellen Wissens fungiert.

Merchant kitzelte interessante Details zu Vita und geeigneten Mordmethoden aus den Kolleginnen heraus. Heidi Möhker, die im Frühjahr einen Krimi veröffentlichen will, der in und um Rheinbach spielt, gewann mit ihrer Schreibgruppe "Schreibrausch" bereits verschiedene Krimiwettbewerbe.

Bei Kayser las sie eine abgründige Geschichte über einen gewissen Paul. Monika Deutsch, von Hause aus Werkzeugmacherin und Porsche-Testfahrerin, empfahl als Mordwerkzeug nicht nur den obligatorischen Hammer, sondern auch die Bohrmaschine, die sich variabel einsetzen lasse, und las eine Geschichte über eine geborene Verliererin.

Alexa Thiesmeyer gestand, dass sie erste Mordfantasien während ihres Werdegangs zur Juristin gegenüber ihren Ausbildern entwickelt habe.

Karin Büchel spekulierte über die Eignung von Musikinstrumenten als Mordwerkzeug. In ihrer Geschichte geht es um einen kleinen Schubs mit großen Auswirkungen. Die Ägyptologin und Archäologin Aide Rehbaum, die bereits in einem "Wüstenknast" saß, las einen intelligenten, nachdenklichen Text über eine Reise ohne Wiederkehr, die wie viele der Geschichten überraschend endet.

Apropos Ende: Am Ende eines gelungenen Abends kamen durch Spenden 150 Euro fürs "GA-Weihnachtslicht" zusammen.