Palottiner geben Niederlassung auf

Früheres Internatsgebäude in Rheinbach wird abgerissen

Rheinbach/Friedberg. Mit dem Abriss der früheren Internatsgebäude beginnt die Auflösung der Rheinbacher Niederlassung des Ordens. Die Bagger sind schon tätig.

Gierig fressen sich die Bagger mit ihren kräftigen Greifzangen bis ins Innere der einstigen Internatsgebäudes am Vinzenz-Pallotti-Kolleg. Das zerstörerische Werk der großen Baumaschinen an der Pallottistraße implementiert das Ende einer Ära in Rheinbach – schulisch wie geistlich. Wie der General-Anzeiger erfuhr, planen die Pallottiner, ihre Niederlassung in Rheinbach aufzugeben. Somit macht die von Vincenzo Pallotti gegründete „Gesellschaft des Katholischen Apostolates“ mit Sitz im bayerischen Friedberg den Weg frei für neue Wohnbebauung auf dem rund 40.000 Quadratmeter großen Areal inmitten der Rheinbacher Kernstadt.

Gleichwohl bedeutet der Abriss der seit 2009 leerstehenden Internatsgebäuden nicht, dass in absehbarer Zeit bereits die Bagger anrollen, um auf diesen Flächen neue Ein- oder Mehrfamilienhäuser hochzuziehen, wie Pater Rainer Schneiders, Provinzökonom der Pallottiner-Trägergesellschaft (das ist der Geschäftsführer der Trägergemeinschaft), auf Anfrage des General-Anzeigers erklärt. „Verkauft ist noch nichts“, sagt Pater Schneiders. Die Provinzversammlung der deutsch-österreichischen Pallottiner entschied, die „traditionsreiche Niederlassung der Pallottiner in Rheinbach mittelfristig“ aufzulösen. Grund dafür ist die schrumpfende Mitgliederzahl der Gemeinschaft.

Neben den Internatsgebäuden werden auch das Jugendheim der Pallottiner und ein baufälliges Einfamilienhaus an der Schützenstraße abgerissen. „Die Internatsgebäude waren zuletzt oft das Ziel von Vandalismus. Unser erster Schwerpunkt ist nun erst einmal, dass dieser Unruheherd verschwindet“, sagt Pater Schneiders.

Wer die freiwerdenden, insgesamt vier Hektar großen Flächen auf welche Weise bebaut, ist noch Verhandlungssache. „Ein Teil der Flächen werden noch mindestens zwei bis drei Jahre schulisch genutzt werden“, meint der Provinzökonom.

Verkauf an regionale Bauträger geplant

Schon seit geraumer Zeit stünden die Pallottiner in engem Kontakt mit der Stadt Rheinbach, um gemeinsam die zukünftige Nutzung der Flächen und Gebäude zu überdenken. In dem dieses Jahr verabschiedeten „Masterplan Innenstadt“ ist das Pallotti-Areal als „Potenzialfläche erster Priorität“ genannt. Heißt: Zusammen mit dem Majolika-Areal an der Keramikerstraße und dem Malteser-Gelände an der Gerbergasse gehören die Flächen an der Pallottistraße zu den priorisierten Orten in der Glasstadt, an denen eine prägende Entwicklung denkbar ist. „Die Pallottiner werden sich von einem Großteil der Flächen in diesem Baugebiet trennen“, sagt Josef Eberhard, Pressesprecher der Pallottiner. „Vorgesehen sei der Verkauf an möglichst regionale Bauträger“, so Eberhard. Einen Teil der Flächen werden die Pallottiner nach derzeitigem Planungsstand selbst bebauen und andere behalten. „Dadurch können auch zukünftig Pallottiner in Rheinbach wohnen“, so der Pressesprecher. Was gebaut werden darf, regelt erst ein Bebauungsplan für das Areal.

Über die verbleibenden Flächen, vor allem aber über das noch bestehende Kommunitätsgebäude der Pallottiner, die Pallottikirche mit ihrer herausragenden Akustik sowie die Gebäude des im Moment noch bis mindestens 2019 durch das Erzbistum Köln schulisch genutzten Gymnasiums, werde „erst zu gegebener Zeit entschieden werden“, sagt Eberhard. Nach derzeitigem Stand soll die Marien-Kapelle in jedem Falle auch zukünftig der Bevölkerung zur Verfügung stehen. „Für die Pallottikirche sind verschiedene Formen der Nutzung denkbar“, meint auch Pater Schneiders. Die Pallottiner würden darüber mit dem Erzbistum Köln sprechen.

Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz hatte im Gespräch mit dem GA bereits signalisiert, dass er sich „unterschiedliche Formen des Wohnens“ auf dem Pallotti-Areal vorstellen könne – vom kleinen Eigenheim bis zum Mietwohnbau und Mehrgenerationenwohnen.