Rheinbacher Regisseurin beim Max-Ophüls-Preis

Flüchtlingsfilm begeistert die Festivaljury

Rheinbach/Saarbrücken. "Club Europa" heißt der Diplomfilm der Rheinbacher Regisseurin Franziska Hoenisch. Mit dem Werk ist sie im Rennen um Max-Ophüls-Preis. Im Sommer ist der Film im ZDF zu sehen.

Eine Auszeichnung für ihren Film hat Franziska Hoenisch schon sicher: Das ZDF zeigt den von ihr realisierten Flüchtlingsstreifen „Club Europa“ in der ambitionierten Sendereihe „Das kleine Fernsehspiel“. Der 88 Minuten lange Diplomfilm der 32 Jahre alten Regisseurin, die in Rheinbach aufwuchs und ihren Abschluss an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg im Fach Regie absolvierte, geht ab Montag, 23. Januar, in Saarbrücken ins Rennen um eine der renommiertesten Filmauszeichnungen Deutschlands: den Max-Ophüls-Preis.

16 ausgewählte Filme konkurrieren im großen Wettbewerb um die begehrte Auszeichnung für Nachwuchsfilmer (siehe Kasten). Aus rund 140 Filmen wählt die Festivaljury aus. Das Sujet ihres Films um das Schicksal des aus Afrika geflüchteten Samuel könnte aktueller nicht sein. „Das Thema ist ein Glückgriff“, räumt Franziska Hoenisch im Gespräch mit dem General-Anzeiger ein. Als sie Anfang 2014 mit dem Schreiben loslegte, ist an die große Flüchtlingswelle über die Balkanroute noch gar nicht zu denken. Erst im Spätsommer 2015 bekommt die Welt allumfassend mit, dass viele Hunderttausend Menschen auf dem Weg nach Europa sind.

Die Geschichte: Aus dem Bedürfnis heraus, etwas Gutes zu tun und auch aufgrund des schlechten Gewissens, sich meist zu wenig zu engagieren, schlägt Martha (Sylvaine Faligant) ihren Mitbewohnern Yasmin (Maryam Zaree) und Jamie (Artjom Gilz) vor, einen Flüchtling in ihrer Kreuzberger WG aufzunehmen.

Kurz darauf zieht Samuel (Richard Fouofié Djimeli) bei ihnen ein. Das Zusammenleben ist geprägt von einem freundschaftlichen Miteinander; in den eigenen vier Wänden der WG wachsen Martha, Jamie, Yasmin und Samuel mehr und mehr zusammen. Als jedoch die Lebenssituation ihres kamerunischen Mitbewohners Samuel eine dramatische Wendung nimmt, stehen die engagierte Martha, Yasmin und Jamie vor der Frage, wie weit sie gehen wollen, um zu helfen.

Dreharbeiten begannen 2015

Im Advent 2015 begannen die Dreharbeiten in Berlin und Potsdam. „Wir haben im gleichen Haus gedreht, in dem Teile der Serie 'Homeland' gedreht worden sind“, berichtet Hoenisch, die 2004 am Städtischen Gymnasium in Rheinbach Abitur machte. Im Literaturkursus spielte sie eine der Hauptrollen im Stück „Der Bauer als Millionär“ des österreichischen Dichters Ferdinand Raimund – die Premiere im ausverkauften Rheinbacher Stadttheater feierten die Zuschauer laut GA-Archiv mit lang anhaltenden Ovationen. Nach dem Abitur arbeitete sie an der Oper in Kapstadt und im Goethe-Institut in Prag, ehe sie Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim und Athen studierte. Mit dem Diplom in der Tasche hing sie ein Regiestudium an der Filmakademie in Ludwigsburg an.

Dort wurde auch das ZDF auf den fesselnden Stoff ihres Abschlussfilms aufmerksam. Der Mainzer Sender half Hoenisch und ihrem Team bei der Realisierung – und gab das Versprechen ab, den fertigen Streifen der Jungfilmerin auszustrahlen. „Im Sommer wird er gezeigt. Das genaue Datum steht noch nicht fest“, sagt Hoenisch, die bis Dienstag an der endgültigen Fassung von „Club Europa“ gearbeitet hat.

Kein festes Drehbuch

Das Außergewöhnliche an dem Film ist, dass die Schauspieler ohne ein festes Drehbuch spielen. „Es gibt nur Szenenbeschreibungen – keinen Text.“ Heißt: Zwei Wochen vor Drehbeginn proben die Regisseurin und ihr Cast intensiv die einzelnen Szenen. Nach 30 Drehtagen und acht Wochen im Schnitt ist ein Film fertig, dem man ansieht, dass seine Akteure keine auswendig gelernten Texte aufsagen. Starke Bilder erzeugt das 88-Minuten-Werk zuhauf. Die gute Geschichte, unterlegt von atmosphärischer Musik etwa von den Goldenen Zitronen, tut ihr Übriges, dass der Film bis zum überraschenden Ende fesselt.

„Im Grunde macht man den Film dreimal: man schreibt, dreht und schneidet“, so Franziska Hoenisch. Besonders die letzten Wochen vor dem Festival waren intensiv. „Wir hatten 46 Stunden Filmmaterial“, sagt Hoenisch.

Als gutes Omen empfindet sie, dass ihre Eltern aus Rheinbach nach Saarbrücken zum Max-Ophüls-Preis reisen – eine Rückkehr zu den Wurzeln der Familie. „Ich bin in Zweibrücken geboren, bis nach Saarbrücken ist es nicht weit“, sagt sie. Das Familientreffen beim Festival sieht sie auch als Dankeschön. „Ich bin dankbar, dass mich meine Eltern dabei unterstützt haben, Filme zu machen. Selbstverständlich ist das nicht.“