Pfarrer Zeyen übernimmt vorläufig

Erzbistum zieht Patres ab

RHEINBACH. Die Entscheidung ist gefallen: Das Erzbistum Köln hat beschlossen, dass die drei Patres des Deutschen Ordens im Rheinbacher Seelsorgeteam um den nicht unumstrittenen Pater Damian Hungs (40) die Gemeinde Sankt Martin und somit den Ordensstandort Rheinbach verlassen.

 Der Beschluss sei zusammen mit dem Deutschen Orden getroffen worden, sagte Pfarrer Stephan Weißkopf, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal im Generalvikariat, und bestätigte gestern Informationen des General-Anzeigers. Demnach beginnt bereits am Montag das Kofferpacken im Pfarrhaus an der Sankt-Martin-Kirche.

Dem Seelsorgeteam gehören neben Pater Damian Hungs, der seit 2012 Leitender Pfarrer in Rheinbach ist, seine beiden Ordensbrüder Pater Dieter Lieblein und Pater Clemens Maria Pieper an sowie Pallottiner-Pater Bruno Kremsler und Gemeindereferent Gregor Heuer. Dass die drei Patres Rheinbach verlassen müssen, begründete Weißkopf unter anderem mit der im Sommer für gescheitert erklärten Konfliktmoderation. "Das Vertrauen zwischen dem Pastoralteam und zumindest einem Teil der Gemeinde in Rheinbach ist zerstört und kann auch nicht wiederhergestellt werden", erklärte der Abteilungsleiter. Zwischen dem Leitenden Pfarrer Pater Damian sowie seinem Pastoralteam und einem Teil der Gemeinde war es zu Konflikten gekommen (siehe Chronologie).

Die Konfliktmoderation sei beendet worden, da "der erhebliche Vertrauensverlust überwiegt und es keine Basis für einen Neuanfang gibt", so Weißkopf. Auch in den folgenden Gesprächen habe sich keine Lösung ergeben. "Daher wurde nach Gesprächen mit Verantwortlichen des Deutschen Ordens gemeinsam entschieden, dass der Deutsche Orden Rheinbach verlassen wird", sagte Weißkopf und dankte zugleich dem Orden für seinen Einsatz.

Eine Vakanz droht der Gemeinde mit 12 600 Katholiken in elf Kirchenorten nicht, wie das Erzbistum mitteilte: Pfarrer Hermann Josef Zeyen aus Wachtberg setzte das Generalvikariat als Pfarrverweser ein. Ihn unterstützt Kaplan Ulrich Eßer. "In der Übergangszeit wird es Pfarrverweser Zeyen, unterstützt durch Kaplan Eßer, natürlich nicht möglich sein, ein ganzes Pastoralteam vor Ort zu ersetzen. Dafür bitte ich schon jetzt um Verständnis", sagte Weißkopf. Alle Gemeindemitglieder rief er auf, sich an den Entwicklung der Pastoral in der Gemeinde zu beteiligen. "Ich hoffe, dass in den Gemeinden in Rheinbach möglichst bald wieder ein Miteinander entsteht, in dem durch christliche Nächstenliebe wieder die Freude unseres Glaubens deutlich wird."

Der scheidende Pater Damian Hungs hatte in Rheinbach aber auch viele Gemeindemitglieder hinter sich, die seine als abwechslungsreich beschriebene Art der Messgestaltung mochten und insbesondere seine Predigten schätzten.

So berichtete Wolfgang Ulrich, 26 Jahre Mitglied im Rheinbacher Pfarrgemeinderat, dem GA, es stimme ihn traurig, wie respektlos der Pater behandelt werde. Ulrich betonte, dass er ausschließlich wegen seines Glaubens sonntags in die Kirche gehe und nicht wegen des Menschen, der am Altar steht. Seines Erachtens wäre es besser gewesen, wenn ein neutraler Schlichter die Moderation des Konfliktes übernommen hätte und nicht, wie geschehen, das Erzbistum.

Pater Damian Hungs selbst äußerte sich auf Anfrage des General-Anzeigers nicht. Das Priorat der Deutschen Brüderprovinz des Deutschen Ordens im bayerischen Weyarn wollte auf GA-Anfrage mit Hinweis auf die Pressemitteilung des Kölner Erzbistums die Geschehnisse nicht kommentieren.

Chronologie

  • Im Herbst 2012 kommen Pater Damian Hungs und zwei weitere Patres des Deutschen Ordens in die Gemeinde Sankt Martin Rheinbach.
  • Ende Februar 2014 machen die Rheinbacher Messdiener ihrem Ärger über Pater Damian Luft. Der Geistliche hatte ihnen Unfähigkeit vorgeworfen und sie als "komplette Idioten" bezeichnet. Das Gros der Messdiener stellt daraufhin den Altardienst ein.
  • Im Frühjahr startet das Erzbistum moderierte Gespräche von ehrenamtlichen Vertretern der Rheinbacher Gemeinde mit Hungs und dem Seelsorgeteam.
  • Mitte Juli erklärt Stephan Weißkopf, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal im Erzbistum, die Moderation für gescheitert.
  • Am 17. Oktober 2014 teilt das Bistum mit, dass der Deutsche Orden Rheinbach verlässt.