71. Jahrestag

Erinnerung an die Deportation jüdischer Familien aus Rheinbach

Unter dem Hakenkreuz: Josef Geisel betrieb eine Metzgerei an der Hauptstraße, auf Höhe der heutigen Raiffeisenbank.

RHEINBACH. 17. Februar 1942: Walter Eis und das Ehepaar Max und Johanna Wolf mit ihren Söhnen Otto und Fritz verlassen mit Koffern und Rucksäcken ihr Haus in der Polligstraße. Zwei Polizisten eskortieren sie zum Bahnhof, wo sie nachmittags kurz vor Eintreffen des Zuges um 15 Uhr auf den Bahnsteig geführt werden. Ihr "Reiseziel" ist seit Herbst 1941 klar: das Sammellager der Gestapo im ehemaligen Kloster "Zur Ewigen Anbetung".

Walter Eis und die Familie von Max Wolf sind die letzten Juden, die Rheinbach verlassen. Die Deportation aller jüdischen Einwohner in Familiengruppen hatte innerhalb einer Woche zwischen dem 10. und 17. Februar 1942 stattgefunden. Von Endenich aus wurden sie im Sommer 1942 in das Sammellager in Köln-Deutz verlegt, von dort in die Züge Richtung Osten in die Konzentrationslager verfrachtet, wo sie zu Tode kamen. Insgesamt waren es 34 Männer, Frauen und Kinder, das Jüngste die bei der Deportation am 10. Februar erst drei Jahre alte Julie Oster.

Peter Mohr, der als Co-Autor im Buch von Horst Mies "Sie waren Nachbarn - Zur Geschichte der Juden in Rheinbach im Dritten Reich" seine akribischen Recherchen zu den jüdischen Familien in Rheinbach veröffentlicht hat, hat ihre Namen anlässlich des 71. Jahrestages der Deportationen noch einmal ins Gedächtnis gerufen. Sonntag, 10. Februar: Ehepaar Josef und Else Oster mit ihrer dreijährigen Tochter Julie; Ehepaar Otto und Ida Marx mit ihren Kindern Ruth, Edith und Günther.

Montag, 11. Februar: Ehepaar Hugo und Ilse Schwarz; Geschwister Selma und Josefine Rolef; Ehepaar David und Jeanette Weber mit ihren Söhnen Ludwig-Wilhelm und Alfred; Fanny Sommer mit ihrer Tochter Frida; Helena Meyer; Ehepaar Benedict und Johanna Schweitzer. Donnerstag, 14. Februar: Geschwister Regina, Hermann Josef, Selma und Max Geisel. Sonntag, 17. Februar: Walter Eis, Ehepaar Max und Johanna Wolf mit ihren Söhnen Otto und Fritz.

Zu diesen 30 jüdischen Mitbürgern, die 1942 deportiert wurden, kommen weitere vier, die Rheinbach früher verlassen hatten und von anderen Orten aus in die Konzentrationslager und damit in den Tod kamen: Clementine und Hermann Klaber, die zunächst von Rheinbach nach Köln gegangen waren, dann aber von dort deportiert wurden, ebenso wie Regina Weber, verheiratete Schnock, und Elisabeth David, geborene Geisel.

Das Buch "Sie waren Nachbarn" hält auch fest, wie sich der damalige Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Joseph Wiertz im März 1942 in einem "Heimatbrief" an die Soldaten aus Rheinbach damit brüstete, dass Rheinbach "rasserein" geworden sei. "Die Stadt Rheinbach ist wieder rasserein geworden. Die 'Plattfußindianer' - die Juden - sind alle fort. Auch aus Rheinbach-Land sind sie entfernt worden. Sie haben in den früheren Jahren so manchen braven Bauersmann in tiefe Schulden gebracht; ich glaube, Ihr freut Euch alle, dass sie fort sind." Hinter diesen zynischen Worten stand für die jüdischen Familien, die seit Generationen in Rheinbach als Nachbarn unter Nachbarn gelebt hatten, unermessliches Leid und vielfacher qualvoller Tod.