Brandstiftung in Rheinbach

Eltern organisieren Brandwache am Waldkindergarten

Rheinbach. Der Brand zweier Bauwagen des Rheinbacher Waldkindergartens am vergangenen Freitag ist gezielt gelegt worden. Das teilte die Polizei am Montag mit. Im Kindergarten geht derweil der Betrieb weiter.

Es riecht immer noch nach Rauch - fast drei Tage später. Der Anblick ist schaurig: Die zwei Bauwagen des Waldkindergartens, in denen letzte Woche noch die Brombeerwichtel gefrühstückt haben, sind angekohlt, Dämmwolle und Holzreste liegen hinter dem Absperrband. Ein Brand hat die Unterkunft am späten Freitagabend zerstört. Davor stehen am Montagmorgen die Eltern. Sie können es kaum fassen, bei einigen fließen die Tränen. "Wir haben selber an dem Bauwagen gearbeitet. Das ist schlimm, es so zu sehen", fasst Ina Ruckert ihre Gefühle zusammen. Das Vordach, von dem nur noch schwarze Balken übrig sind, habe sie mit aufgebaut. Zwei ihrer Kinder waren bereits im Waldkindergarten, das dritte geht noch hierhin. "Als sie es erfahren haben, haben sie ihre Spardosen geholt, um zu spenden", erzählt die Mutter. Selbst für die Älteren gelte: "Das ist noch immer ihr Zuhause." Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass Brandstifter das Feuer gelegt haben.

Als den Verlust eines Heims, so beschreiben viele Eltern, was in ihnen und den Kindern vorgeht. Als Elterninitiative haben sie ihre Kinder hier nicht nur abgeliefert, in allen fünf Bauwagen der Einrichtung steckte viel Eigenleistung. Immerhin kann David Chakrabarty als Vorsitzender der Initiative versichern, dass es erst einmal weitergeht - als Notbetrieb, bis es die Zustimmung zum normalen Betrieb vom Kreisjugendamt gibt.

"Der Verlust der zwei Bauwagen ist für uns eine echte Naturkatastrophe", sagt Chakrabarty. Vor allem, weil es auch noch den größten Wagen getroffen hat. Der Ersatz ist der gerade mal halb so große sogenannte Fuchs-Bauwagen. Nun hoffen Kindergartenleiterin Iris Zeiger und ihr Team, die 20 Brombeerwichtel dort zumindest notdürftig unterzubringen, wenn es draußen zu kalt wird. Sie haben während ihrer Weihnachtsfeier vom verheerenden Brand erfahren. Nun versuchen sie, den Mädchen und Jungen Sicherheit zu vermitteln. Zeiger weiß: "Sehr sensible Kinder nehmen das auch sensibel auf." Vor allem fragen die Kinder immer wieder nach dem Warum des Feuers. Aber da können die Erwachsenen nicht helfen: "Das verstehen wir ja selber nicht", sagt Zeiger. Noch ist nicht einmal geklärt, woher das Feuer kam.

Zusammenhang zu anderem Feuer wird geprüft

Die Bonner Polizei geht nach ersten Erkenntnissen von Brandstiftung als Ursache der Flammen aus. Dass berichtete Polizeisprecher Simon Rott auf Anfrage des General-Anzeigers. Am Montagmorgen hatten Brandermittler der Polizei das gesamte Gelände des Waldkindergartens nach Spuren abgesucht: "Dass ein technischer Defekt das Feuer in den Bauwagen verursacht hat, ist nicht plausibel", führte Rott aus: "Es liegen vor Ort keine Leitungen", sagte der Polizeisprecher.

Da die Polizei bislang über keinerlei Hinweise auf mögliche Täter verfüge, wie Rott sagte, "ermitteln wir in alle Richtungen". Hintergrund: Ob die Brandstiftung mit einem weiteren Kleinfeuer in Zusammenhang steht, dass die Rheinbacher Feuerwehr erst am Mittwochabend gegen 19 Uhr nicht weit entfernt vom jetzigen Tatort am Ölmühlenweg löschen musste, ist noch unklar. Dort hatte ein Busch in Flammen gestanden, berichtete Rheinbachs Wehrleiter Laurenz Kreuser. Das Feuer habe aber innerhalb von rund zehn Minuten gelöscht werden können. Was die Feuerwehr allerdings aufmerken ließ: "Wir haben vor Ort Grillanzünder gefunden", sagte Kreuser. Zu dem Fall kann Polizeisprecher Rott allerdings nichts sagen, da dieser der Bonner Polizei nicht bekannt sei.

Von Seiten der Eltern waren die ersten Fragen: "Wie geht es weiter? Was ist noch zu retten?" Und vor allem: "War der Wagen versichert?" Das war er nicht, wie die Elterninitiative mitteilte. Eine Brandschutzversicherung für die Bauwagen am Waldrand sei kaum zu bekommen und wenn, dann so teuer, dass die Initiative für das gleiche Geld alle zwei Jahre einen neuen Wagen anschaffen könnte. Nun muss sie einen Totalschaden in Höhe von 80.000 Euro kompensieren. "Das ist so respekteinflößend, dass wir rational gar nicht nachdenken können. Das würde uns nur lähmen", findet Chakrabarty. Dass der Waldkindergarten dafür auf Spenden angewiesen ist, hat sich herumgesprochen, schon nach nur zwei Tagen kann der Vorstand stolz von einer Welle der Solidarität berichten. Die Eltern möchten außerdem eine Brandwache organisieren. Vandalismus hat es auf dem Gelände schon öfter gegeben, nun hoffen sie, dass regelmäßige Anwesenheit abschreckend wirkt.

 

Schnell ersetzen kann man den Verlust allerdings auch mit ausreichend Geld nicht, wie Maike Münz vom Vorstand erklärt. Ein Bauwagen in der entsprechenden Größe muss erst einmal gefunden und eingerichtet werden. Allein für die notwendige Gasheizung gibt es genaue Vorgaben, damit alles sicher ist. Auf den nun verlorenen Wagen habe man rund ein Dreivierteljahr warten müssen.

Bis dahin beeindrucken vor allem die Kinder. "Das ist traurig, aber wir schaffen das", meint etwa der dreijährige Lars. Und ein Kind der Waldmeister-Gruppe verkündet sofort: "Wir werden einfach näher zusammenrücken und die Brombeergruppe zum Frühstück in unseren Bauwagen einladen."

Wer etwas im Zusammenhang mit dem Brand im Waldkindergarten beobachtet hat, kann sich bei der Polizei unter 0228/15-0 melden.