Rathaus Rheinbach

Eine Ausstellung will das Interesse an der kurdischen Kultur wecken

Alican Tayfur (l.) und Bürgermeister Stefan Raetz eröffneten die Ausstellung im Rheinbacher Rathaus.

RHEINBACH. Ein kurdisch-deutscher Kochkurs in Rheinbach? Bei der Eröffnung einer Ausstellung mit Bildern aus der kurdisch-türkischen Heimat von Einwanderern in Rheinbach und Meckenheim kam Besucherin Karin Merzbach spontan auf diese Idee.

Inspiriert wurde die Besucherin von der Ausstellung "Die Leute aus Zelxider - unsere kurdischen Nachbarn in Rheinbach und Meckenheim", die jetzt im Rheinbacher Rathaus eröffnet wurde. Zu sehen sind Fotos von Bergen und Bäumen, Häusern und Menschen aus dem kurdischen Ort.

Insgesamt 350 Menschen aus Südostanatolien bilden mittlerweile eine kleine Gemeinde in Meckenheim und Rheinbach. Alican Tayfur, einer der Initiatoren der Ausstellung, floh in den 80er Jahren vor politischer Verfolgung nach Deutschland. Es war die Zeit, als der Krieg zwischen der kurdischen PKK und türkischer Armee und Milizen blutig ausgetragen wurde.

"Viele kurdische Jugendliche saßen damals ohne Grund jahrelang im Gefängnis", sagt er. Mehr als 17.000 Menschen seien aus unbekannten Gründen getötet worden, viele seien einfach spurlos verschwunden, berichtet Tayfur. Er selbst war zwar nicht "in den Bergen", wie die Zugehörigkeit zur kurdischen Guerilla umschrieben wurde. "Aber wenn jemand gefragt hat, habe ich gesagt, ich bin Kurde."

Das sei Grund genug gewesen, gefangen und gefoltert oder gar getötet zu werden. Tayfur, der mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft hat, wiederholte sein Bekenntnis auch in den Integrationskursen von Annette Bothien, die ihn zunächst als Türken eingeordnet hatte.

Allein der Ortsname hätte bis vor kurzem in der Türkei nicht ausgeschrieben werden dürfen. Denn die Buchstaben X, W und Q kommen im Türkischen nicht vor und waren verboten. Ebenso wenig gab es in der offiziellen Türkei Kurden. Das seien Bergtürken, hieß es . Weil deren Fußstapfen im Schnee wie "kurt, kart" knirschten, nannten sie sich eben Kurden - so wurde es auch Alican Tayfur beigebracht.

Dabei lebten die Kurden schon vor den später eingewanderten Türken in Anatolien. Noch heute bezeichnen sie sich als das größte Volk der Erde ohne Staat, dessen etwa 25 bis 30 Millionen Angehörige in der Türkei, dem Irak, dem Iran und Syrien wohnen. In Deutschland wird ihre Zahl auf 500.000 geschätzt.

Die Ausstellung im Rheinbacher Rathaus ist noch bis Donnerstag, 31. Oktober, zu sehen.