Rheinbach

Diskussion über drohenden Ärztemangel und Zukunft der medizinischen Versorgung

RHEINBACH. Zu einer Diskussion zum Thema "Arzt sein zwischen Pflicht, Verordnung und Patientenwohl" hatte die Rheinbacher CDU interessierte Bürger und Mediziner in den Ratssaal eingeladen.

Um die gegenwärtigen Probleme der medizinischen Versorgung auf kommunaler Ebene zu erörtern, waren Bernhard Brautmeier, zweiter Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Eleftheria Lehmann, Patientenbeauftragte des Landes NRW, der Direktor des Instituts für Hausmedizin, Klaus Weckbecker, sowie der Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, Bernd Zimmer, gekommen. Der Rheinbacher Arzt Oliver Funken moderierte den Informationsaustausch.

Die größte Herausforderung im Hinblick auf die medizinische Versorgung sei die Überalterung der Gesellschaft, sagte Brautmeier. Er plädierte für eine Abschaffung des Budgetsystems, das zum Beispiel eine recht niedrige Pauschale pro Hausbesuch festlege, die für den Hausarzt nicht wirtschaftlich sei.

Was junge Ärzte davon abhalte, eine eigene Praxis zu führen, ist laut Brautmeier aber nicht bloß das wirtschaftliche Risiko, sondern auch der enorme bürokratische Aufwand. Insgesamt gebe es zu wenig Nachwuchs bei den Hausärzten, sodass Praxen in ländlichen Regionen häufig keinen Nachfolger finden könnten, erläuterte Weckbecker.

Ein Hausarzt erhalte pro Patient etwa 39 Euro, so Weckbecker, unabhängig davon, wie oft der Patient komme oder welche Untersuchungen notwendig seien. Eine weitere Schwierigkeit ergebe sich daraus, dass mittlerweile 70 Prozent der Medizinstudenten Frauen seien, meinte Ärztekammer-Vizepräsident Zimmer. Dies mache die Entwicklung neuer Teilzeitmodelle notwendig.

Moderator Funken stellte die Frage, wie die Stadt Rheinbach die medizinische Versorgung ihrer Bürger in Zukunft sichern wolle angesichts der Folgen des demografischen Wandels. Erster Beigeordneter Raffael Knauber, der stellvertretend für Bürgermeister Stefan Raetz gekommen war, wies darauf hin, dass die Kommunen lediglich für die Rahmenbedingungen, jedoch nicht für die ärztliche Versorgung verantwortlich seien.

Die Patientenbeauftragte Lehmann entgegnete, dass die Kommunen dennoch aktiv werden müssten, um die medizinische Versorgung der Region sicherzustellen, insbesondere wegen der zunehmenden Überalterung. In der Diskussion wurde deutlich, welche Schwierigkeiten und Herausforderungen im Bereich der ärztlichen Versorgung den Kommunen in Zukunft bevorstehen. Lehmann betonte in der Schlussrunde, dass es wichtig sei, die Bürger besser über dieses Thema zu informieren.