Kommentar zur Personaländerung in Rheinbach

Die Nerven liegen blank

Bernd Beißel muss den Aufsichtsrat der wfeg verlassen.

Bernd Beißel muss den Aufsichtsrat der wfeg verlassen.

Rheinbach. Dass immer wieder Interna aus der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft (wfeg) nach außen dringen, schadet dem Ansehen der wfeg, meint GA-Redakteur Mario Quadt.

Die Nerven scheinen mehr oder minder blank zu liegen in der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft (wfeg) Rheinbach. Zu oft waren in den vergangenen Wochen und Monaten Interna – beispielsweise aus dem Aufsichtsrat der wfeg – nach außen gedrungen. Dass das dem Ansehen der Wirtschaftsförderung schadet, steht außer Frage.

Der Krach im Aufsichtsrat speist sich aus unterschiedlichen Quellen. Die Querelen innerhalb der gespaltenen Rheinbacher CDU-Fraktion sind da nur ein Baustein. Dass Indiskretionen etwa wegen der – nach Meinung einiger Aufsichtsratsmitglieder – nicht korrekten Vermietung an eine Firma aus dem Gremium nach außen dringen, hat eher mit politischen Machtspielchen zu tun. Diese wiederum sind nicht nur auf eine Partei oder Fraktion beschränkt.

Gerade in Zeiten, da sich die Kommunen mit Bedacht überlegen, ob sie eine freie Fläche zur Wohnbebauung oder Gewerbenutzung anbieten, hält die Stadt Rheinbach mit ihren umfangreichen Freiflächen in Autobahnnähe einen gewichtigen Trumpf in der Hand. Die Stadt investiert derzeit viele Millionen Euro, um das Gewerbegebiet Wolbersacker mit rund 60 Hektar Fläche in direkter Nachbarschaft zur A61 und ihren Auf- und Abfahrten auf den Markt zu bringen.

Da schaden Querschüsse aus dem Kontrollgremium dem Ansehen der wfeg, wie nach GA-Informationen ein Bonner Rechtsanwaltsbüro jetzt auf Geheiß der Geschäftsführung der Gesellschaft herausgefunden, beziehungsweise rechtlich bewertet hat. Hingegen sei die genannte Vermietungsangelegenheit rechtlich gesehen „nicht zu beanstanden“, heißt es aus der Expertise der Bonner Anwaltskanzlei.

Mitglieder des Kontrollgremiums hatten kritisiert, dass ein Unternehmen von der wfeg angemietete Räumlichkeiten zeitweise nicht vollständig genutzt habe. Die Firma, die während dieser Zeit eine wirtschaftliche Talsohle durchschritt, durfte Einrichtungsgegenstände in dem vorübergehend nicht benötigten Büros lassen, ohne dafür Miete zu zahlen.

Richtig war und ist, dass Bürgermeister Stefan Raetz – trotz einiger verdeckter Querschüsse aus dem Aufsichtsrat – an Wirtschaftsförderer Hans Eberhard Dorow festgehalten hat. Die Wirtschaftsförderung schafft nämlich im Wortsinne Werte für Rheinbach. Ein Beispiel: Lag das jährliche Gewerbesteueraufkommen in der Glasstadt in den 90er Jahren, als sich die wfeg gründete, bei acht Millionen Euro, sprudelte im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 20 Millionen Euro in des Kämmerers Stadtsäckel. Die Querelen schaden somit dem wichtigsten Baustein der wirtschaftlichen Basis Rheinbachs.