Glasfachschule zieht Bilanz

Die Glaskunst in Rheinbach wird immer internationaler

Rheinbach. Die Feierlichkeiten zur Gründung der Rheinbacher Glasfachschule vor 70 Jahren haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass das Berufskolleg verstärkt Kooperationen und Begegnungen mit Weltstars der Szene fördert. Inzwischen besuchen mehr als 800 Schüler den Campus.

Starallüren kennen die Koryphäen der Szene nicht: Glaskünstler – auch von internationalem Rang – sind, trotz des filigranen Werkstoffs, mit dem sie täglich arbeiten, durchweg zugängliche Menschen. Etwaige Sprachbarrieren sind Künstlern ehedem fremd. Dabei hat beispielsweise der Australier Scott Chaseling mehr als einen Grund, mit einer Mischung aus Genugtuung und Stolz auf sein Oeuvre und sein Wirken zu blicken. Der 56-Jährige ist nur einer der vielen Glaskünstler von Weltrang, die im Laufe des vergangenen Jahres an der Rheinbacher Glasfachschule zu Gast waren – einerseits, um auf diese Weise zur Gründung der Lehranstalt vor 70 Jahren zu gratulieren, andererseits, um den mehr als 800 Schülern neue Fertigkeiten und Techniken zu zeigen, um aus Glas Kunst entstehen zu lassen.

Zusammenkünfte wie das internationale Glassymposium „Glas(s) Rendezvous Rheinbach“ möchte das Staatliche Berufskolleg Glas, Keramik, Gestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen, so der vollständige Name der Glasfachschule, künftig regelmäßig anbieten, um sich internationaler aufzustellen.

„Es ist eine Freude, ihnen beim Arbeiten zuzusehen“, sagt Georg Linden, Abteilungsleiter der Berufsfachschule für Glastechnik und Glasgestaltung, und meint Scott Chaseling sowie seine Künstlerkollegen aus Schottland, Frankreich und Deutschland, die allesamt 2018 in Rheinbach zu Gast waren. Chaseling arbeitete beispielsweise am neu erstandenen Glasofen der Schule, mit dem der zerbrechliche Werkstoff bei um die 1250 Grad zum Schmelzen gebracht werden kann. Chaseling hat eine sogenannte Roll-up-Technik entwickelt, die es ermöglicht, die zuvor bei relativ geringen Temperaturen verschmolzenen Farbglasplatten in einer sogenannten „Glory Hole“, einem trommelförmigen gasbeheizten Ofen, soweit hochzuheizen und zu erweichen, dass Hohlkörper und Skulpturen daraus geformt werden können, berichtet Linden. Dass Chaseling als Professor für seine Profession bereits in Tokio, Sydney und seiner Heimatstadt Canberra tätig war, lässt sich der Herr im schwarzen T-Shirt wahrlich nicht ansehen.

Inspirierende Begegnungen mit den Kunstkoryphäen

„Wir haben vor, solch ein Symposium alle zwei Jahre zu organisieren“, sagt Schulleiter Walter Dernbach. Mit Begeisterung berichteten die Schüler, wie inspirierend die Begegnungen und das gemeinsame Werken mit den Kunstkoryphäen in Sachen Glaskunst für sie gewesen sind. „So sehen unsere Schüler sehr eindrucksvoll, was sie mit den Ausbildungen, die sie hier erlernen können, alles werden können“, findet Dernbach. Nicht minder interessant sei es gewesen, „alte Formen neu zu entdecken und völlig neu zu entwickeln“, so der Schulleiter.

Die künftig noch internationalere Ausrichtung der Rheinbacher Glasfachschule manifestiert sich auch darin, dass sie verstärkt mit dem Institut für Künstlerische Keramik und Glas in Höhr-Grenzhausen sowie Ausbildungsstätten in Tschechien, Frankreich und Polen kooperieren will. Bereits jetzt können die Schüler Praktika in Paris, Barcelona, London und im tschechischen Kamenicky Senov, dem ehemaligen Steinschönau in Nordböhmen, absolvieren. Die Vernetzung mit europäischen Ausbildungsstätten sieht Dernbach als einen Kernpunkt an, den Auszubildenden ein breites Portfolio an Fertigkeiten mit auf den Weg zu geben. „Sie sollen einen Blick dafür bekommen, ob sie ins Handwerk gehen oder eher mit der Kunst etwas anfangen wollen. Hier, so berichtet Lehrer Georg Linden, sei nicht nur Beratung wichtig, sondern auch, die Fülle an Glastechniken aufzuzeigen. Linden: „Da ist durch das Jubiläumsjahr und das Glassymposium eine ganze Menge in Bewegung gekommen.“

Glaskunst wie bei den Römern

So lernen die Schüler zwar einerseits, wie ihr kunstvolles Handwerk etwa bei der skulpturalen Glaskunst digitale Wege in Form von dreidimensionalen Zeichnungen am Computer einschlägt. Andererseits sitzen sie beim Glassymposium aber auch gemeinsam mit den renommierten Glaskünstlern unweit des Glaspavillons am originalgetreuen Nachbau eines römischen Glasofens zusammen. Staunend schauen alle Umstehenden auf die Flammen, die von Frank Wiesenberg, provinzialrömischer Archäologe und Lehrbeauftragter an der Universität Köln, angefeuert werden. Hautnah erleben die Besucher, mit welch einfachen Mitteln die Römer vor rund 2000 Jahren ihre Glasschmelzöfen gebaut und betrieben haben. Und: Um die Brandgefahr rund um den Römerofen zu minimieren, sind große Mengen Sand am Glaspavillon verteilt worden. Dieser Sicherheitsaspekt sorgt bei den Zuschauern für eine Art Strandgefühl – inmitten eines Platzes zwischen Glasfachschule, Campuswohnheim und Stadthalle.

Am Samstag, 9. Februar, bietet die Glasfachschule von 10 bis 13 Uhr einen Vormittag unter der Überschrift „Beratung und Anmeldung“ an. Alle Ausbildungen, die Fachoberschule für Gestaltung, die Abiturklasse für Gestalter, das Berufliche Gymnasium Gestaltung sowie die Berufsfachschule für Glastechnik und Glasgestaltung stellen sich vor.