Fallende Milchpreise

Die Bio-Milch macht´s

Mdl Stefan Engstfeld (r) besucht Landwirt Peter Reuter (M) und seine Kühe auf seinem Hof in Merzbach

Mdl Stefan Engstfeld (r) besucht Landwirt Peter Reuter (M) und seine Kühe auf seinem Hof in Merzbach

Rheinbach. Grünen-Abgeordneter Stefan Engstfeld informierte sich beim Merzbacher Bio-Bauer Peter Reuter über die Lage der Milchviehbetriebe in Zeiten fallender Milchpreise.

Die aktuellen Milchpreise sorgen für tiefe Sorgenfalten auf den Stirnen konventionell wirtschaftender Landwirte. Anlass genug für die Landtagsfraktion der Grünen auszuschwärmen, und sich als „Fraktion vor Ort“ zu informieren. Vize-Fraktionschef Stefan Engstfeld besuchte am Dienstag den Merzbacher Bio-Bauern Peter Reuter. Auf dessen Hof mischt sich Romantik mit durchorganisierter Landwirtschaft. Hühner gackern, während Kühe im geräumigen Stall wiederkäuen. Reuters Miene wirkt entspannt. Denn während der Preis für herkömmlich erzeugte Milch in Richtung 20 Cent pro Liter fällt, wird für Bio-Milch knapp 50 Cent bezahlt. „Die brauchen wir“, sagte Reuter.

Er wirtschaftet mit seinem Sohn Benedikt und zwei Teilzeitkräften. „Große Sprünge“ seien nicht möglich. Neue Maschinen sind ebenso zurückgestellt wie die wasserdichte Bodenplatte für das Grünfutterlager. Ab 65 Cent pro Liter könnte sich Brüssel seine Prämien sparen, kalkuliert er. Noch vor zwei Jahren lag der „konventionelle“ Erzeugerpreis der Milch bei 40, der „biologische“ bei 46 Cent.

Auch Reuter hatte 1991 mit 60 Kühen konventionell angefangen. 1995 schloss er sich dem Bioland-Verband an. Heute stehen 119 Stück Milchvieh in seinem 2014 neu erbauten Stall mit Solarpaneelen auf dem Dach. 800 000 Euro Kredit musste er dafür aufnehmen; weitere 200 000 kamen aus Fördermitteln. 20 Jahre wird es dauern, bis er das abbezahlt hat, schätzt Reuter. Jede Kuh hat im neuen Stall zehn Quadratmeter Platz. In konventionellen Höfen geht es in der Regel enger zu. Bei der vor 50 Jahren auf den Höfen weit verbreiteten „Anbindehaltung“ gab es nur zwei Quadratmeter je Rindvieh.

Das Futter besteht zu drei Vierteln aus Gras-silage, zudem stehen Mais-, Getreide-Silage und Kraftfutter auf dem Speiseplan. Damit ist auch die Milchleistung steuerbar.

Konventionelle Milchbauern sparen derzeit an Kraftfutter und drosseln damit das Angebot. Reuters Kühe geben jeweils an die 20 Liter Milch am Tag, also etwa 7300 Liter jährlich. Er will die Leistung auf 8000 Liter pro Jahr steigern.

Angesichts des Preisverfalls sind 2015 in Nordrhein-Westfalen 220 Milchhöfe „kaputtgegangen“, weiß Reuter zu berichten. Das gibt den Bio-Bauern Spielraum, obwohl sich der Preisverfall auch bei ihnen auswirkt. Seine Melkstation bietet in zwei Reihen je acht der etwa 600 Kilo schweren Rindviecher Platz. Zwei Stunden dauert es, bis morgens und abends alle durch sind. Ein riesiger Edelstahl-Tank fasst 9500 Liter Milch.

Für Gülle steht ein kreisrunder Turm mit bis zu 2000 Kubikmeter Fassungsvermögen auf dem Hof. Diese wird im Frühjahr und Sommer ausgebracht. 105 bis 110 Kilogramm Stickstoff darf ein Biobauer maximal pro Hektar verteilen. Bei konventioneller Wirtschaft sind 170 bis 250 Kilogramm erlaubt.

Trotz anfänglicher Skepsis über die Umstellung auf „bio“ sagt Benedikt Reuter: „Ich hab´s nie bereut“ und ist sich darin mit seinem Vater einig.