Rheinbacher Geschichte

Der Standort des Nippenturms ist jetzt sichtbar

Die Akteure am ehemaligen Standort des Nippenturmes in Rheinbach.

Die Akteure am ehemaligen Standort des Nippenturmes in Rheinbach.

RHEINBACH. Der Georgsring in Rheinbach löst sein Versprechen gegenüber dem verstorbenen Stadtdirektor Heinrich Kalenberg ein: Der Standort des Nippenturms wird mit seinem Grundriss wieder sichtbar gemacht.

Die Stadt verfügt über viele historische Schätze. Einige sind bis heute sichtbar wie der sogenannte Hexenturm, der erhaltene Bergfried der ehemaligen Rheinbacher Burg, der Wasemer Turm mit dem rekonstruierten Neutor oder der rechteckige Kallenturm. Andere aber sind aus dem Stadtbild gänzlich verschwunden. Dazu zählt der Nippen- oder Wentzenturm an der heutigen Grabenstraße.

Die Aktiven des Georgsrings haben jetzt ein Versprechen eingelöst, das sie dem verstorbenen früheren Stadtdirektor und Ehrenbürger Heinrich Kalenberg gegeben hatten: Den Standort des Turms, der in den verschiedenen Jahrhunderten unter den Namen Wentzen- oder Nippenturm bekannt war, mit seinem Grundriss wieder sichtbar zu machen und die entsprechenden Hintergründe auf einer Hinweistafel zu erläutern.

In Anwesenheit der Familie Kalenberg, der Kooperationspartner Volker Arnold, Eifel- und Heimatverein, der Handwerksfirmen Kasler und Samulewitz aus Rheinbach und Wißkirchen aus Krälingen, der Katholischen Kirche, Baubetriebshof und Denkmalamt wurde das Projekt vorgestellt.

Vize-Bürgermeister Claus Wehage erinnerte daran, dass es Heinrich Kalenberg immer ein Bedürfnis gewesen sei, die Historie Rheinbachs sichtbar zu machen. Ihm zum Gedenken und um das gegebene Wort zu halten, habe der Georgsring den Nippenturm in seinem Grundriss sichtbar gemacht.

Hajo Henk, Kenner der Rheinbacher Historie und Mitglied der Freunde des Stadtarchivs, bezeichnete Kalenberg als „unseren obersten Denkmalschützer in Rheinbach“ und seinen Bruder Johannes, der bei der Vorstellung des Projekts anwesend war, als „obersten Sachbearbeiter seines Bruders Heinrich“. In seinem historischen Abriss skizzierte Henk, dass man 2007 durch Zufall auf den Nachtwächtervertrag vom 3. Januar 1816 gestoßen sei, in dem Weg, Stationen und Aufgaben der Nachtwächter genau festgehalten waren, zu den Stationen gehörte auch der Nippenturm. Dessen genauen Standort habe der Vorsitzende des Eifel- und Heimatvereins Heinz Kessel als ehemaliger Landvermesser exakt eingemessen. Überraschend sei dabei die Erkenntnis gewesen, dass der zehn Meter breite Wassergraben vor der Stadtmauer an dieser Stelle nicht auf der Trasse der heutigen Grabenstraße verlief. „Wahrscheinlich, damit man vom Turm aus freien Blick nach Westen hatte“, so Henk.

Wie der Vorsitzende des Georgsrings, Martin Fröhlich, erläuterte, sei Kalenberg so begeistert gewesen von der Restaurierung des Kallenturms durch die Georgspfadfinder, dass er weitere Dinge angeregt habe. Dazu nannte Fröhlich das Sichtbarmachen der Stadtmauer und des Standorts der alten Kirche St. Martin auf dem Martinsfriedhof. „Den Nippenturm hatten wir schon immer im Kopf“, sagte Fröhlich. Die finanziellen Mittel kamen aus den Spenden zur Beisetzung von Heinrich Kalenberg.

Der Wentzen- oder Nippenturm wurde als Teil der Stadtbefestigung Rheinbachs erstmals 1604 erwähnt. Er hat seinen Namen von einem unterhalb des Turmes gelegenen Adelshof, der seit 1478 im Besitz der Familie Wentz von Niederlahnstein war. 1775 wurde er als Nippenturm bezeichnet, ebenfalls nach einem benachbarten Hof. Ursprünglich war er – wie Wasemer Turm und Kallenturm – ein Vollturm, wurde aber 1787 zu einem Halbschalenturm umgestaltet. Dabei wurde seine zur Stadt gelegene Mauer abgerissen. Mit den Steinen wurden Schäden an der Stadtmauer repariert.