Initiative ,,Neue Pfade"

Das "Schwarze Kreuz" in Rheinbach wird restauriert

Die originalgetreue Kopie des "Schwarzen Kreuzes"

Die originalgetreue Kopie des schwarzen Kreuzes.

Rheinbach. Das originale ,,Schwarze Kreuz" aus dem Jahr 1875 befindet sich nun im Stadtarchiv. Die Herstellung der Kopie des Kreuzes war die letzte Aktion der Initiative "Neue Pfade" des Georgrings.

Flur- oder Wegekreuze sind in katholisch geprägten Gegenden häufig zu finden. Sie markieren Weg- und Straßenkreuzungen oder sind am Feldrand oder im Wald zu entdecken. Mit der Darstellung eines gekreuzigten Christus sind sie als Kruzifixe Zeichen christlichen Glaubens, in schlichter Optik aus Stein oder Holz kann der Anlass für ihre Errichtung vielfältig sein. Oft laden sie zum Gebet ein oder erinnern am Unglücksort an Schicksalsschläge.

Neben verschiedenen anderen Wegekreuzen ist den Rheinbachern vor allem das „Schwarze Kreuz“ im Stadtwald zwischen Neukirchen und Wormersdorf bekannt. Bevor die Initiative „Neue Pfade“ unter der Trägerschaft des Georgsringes zum 31. März aus betriebswirtschaftlichen Gründen eingestellt wurde, war es dem Mitarbeiterteam wichtig, als eines der letzten Projekte eine Replik des aus dem 19. Jahrhundert stammenden Kreuzes zu erstellen.

Auf diese Weise soll das Gedenken an den 1803 verstorbenen Neukirchener Pastor Johannes Paul Rosenbaum langfristig gesichert werden. Der Überlieferung nach wurde der spätere Zisterzienserpater 1744 in Moselweiß bei Koblenz geboren und war seit 1786 als Pfarrer in Neukirchen tätig. Das vielfach restaurierte Holzkreuz aus dem Jahre 1875 befindet sich nun im Rheinbacher Stadtarchiv.

„Das Kreuz hatten wir schon lange im Blick, und es war uns allen eine Herzensangelegenheit, dieses zu erneuern, bevor wir Schluss machen“, erklärt Martin Fröhlich als Vorsitzender des seit 1969 bestehenden Georgsringes. Unter dessen Trägerschaft wurden im Jahr 2003 die Neuen Pfade ursprünglich für nicht orientierte und erwerbslose Jugendliche ins Leben gerufen. Die Initiative galt der Eingliederung in die Berufswelt mit einem geregelten Arbeitsalltag.

Die Projekte, an denen gearbeitet wurde, waren vielfältig, hatten ihren Schwerpunkt aber im handwerklichen Bereich. „Ziel war es, mit eigenen Händen Werte zu schaffen, die von bleibender Bedeutung sind“, erläuterte Fröhlich und zählte die Instandsetzung diverser historischer Baudenkmäler wie des Zehnthofs in Odendorf, der Rheinbacher Stadtmauer und des Römerkanals auf. „Damit die Menschen wissen, wofür sie das tun, war es wichtig, Basiswissen und historischen Hintergrund zu vermitteln“, sagte Fröhlich und betonte, dass nichts ohne fachkundige Expertise unternommen worden sei.

Schreinerin Andrea Kroymann übernahm technische Leitung

In enger Abstimmung mit Stadtarchivar Dietmar Pertz übernahm Schreinerin Andrea Kroymann die technische Leitung für das Projekt „Schwarzes Kreuz“, bei dem zehn Teilnehmer im Alter von Anfang 20 bis Mitte 60 ihre Fähigkeiten zum Einsatz brachten. Nach dem Abbau des Kreuzes am Eselsweg wurde im Verlauf des vergangenen Jahres die Inschrift abgepaust und 1 : 1 auf den neuen, rund eineinhalb Meter großen Rohling aus Eichenholz übertragen.

Gut erkennbar ist nun wieder zu lesen: „Anno 1803 den 29De Junius ist hier im Herren eingeschlafen der Ehrsamer Her Johannes Paulus Rosenbum gewesen Pastor hier zur Neukirchen“. „Hier waren Liebe und Geschick gefordert“, erklärte Fröhlich. „In Rheinbach und den Ortschaften sind die Wegekreuze beliebt und werden gepflegt“, bestätigte Pertz.

Nach der Genehmigung des Denkmalamtes sei nun durch die Arbeit der Neuen Pfade kostenlos für einen wetterfesten Ersatz gesorgt. Der Überlieferung nach erinnerte bis 1875 ein steinernes Kreuz an den Tod des Zisterzienserpaters, der an der Stelle hinter der Waldkapelle im Alter von 59 Jahren einen Schlaganfall erlitt und infolgedessen vom Pferd stürzte. Er soll gemeinsam mit seinem Knecht auf dem Heimweg von Ipplendorf gewesen sein. Zurück in Neukirchen ist er dann am frühen Morgen des folgenden Tages gestorben, wie die Sterbeurkunde im Rheinbacher Stadtarchiv belegt. Die Inschrift auf dem Kreuz nennt den 29. Juni gleichzeitig als Unglücks- und Sterbedatum. Dass der Text vom ursprünglich steinernen Kreuz übernommen wurde, vermutet Pertz, da „die Art der Inschrift in Sprache und Schriftbild des gespiegelten „N“ eher in das 18. Jahrhundert passt und die Menschen zum Ende des 19. Jahrhunderts der hochdeutschen Sprache mächtiger waren.“ Die Replik ist am alten Standort aufgebaut. Zu dem Namen „Schwarzes Kreuz“ kam das Wegkreuz wohl dadurch, dass hölzerne Ausfertigungen durch einen Anstrich mit schwarzem Teer vor der Witterung geschützt wurden.