Römisches Erbe

Das Infozentrum Römerkanal nimmt Gestalt an

RHEINBACH. Als "Schlüsselprojekt für die Region" wird das geplante Informationszentrum rund um den Römerkanal bezeichnet. Der Bau am Himmeroder Wall in Rheinbach kann im Sommer voraussichtlich realisiert werden.

Anfang nächsten Jahres soll das Römerkanal-Informationszentrum am Himmeroder Wall in die Realisierungsphase gehen. Zunächst sollen durch die Bodendenkmalpflege im Februar und März Bodenuntersuchungen in dem Bereich am Himmeroder Wall vor dem Naturparkzentrum vorgenommen werden. „Wenn alles gut läuft“, so Architekt Wolfgang Beyß im Ausschuss für Standortförderung: Gewerbe, Wirtschaft, Tourismus und Kultur könne im Juli mit dem Bau begonnen werden, sodass im Herbst 2019 mit dem Einbau der Ausstattung und der Eröffnung zu rechnen sei.

„Ich hätte nie gedacht, dass wir so weit kommen, wie wir heute sind“, zeigte sich der Erste Beigeordnete Raffael Knauber beeindruckt von der Arbeit der Lenkungsgruppe und aller Beteiligter, von den Freunden des Römerkanals, dem Glasmuseum und dessen Förderverein bis zum Naturparkzentrum. An dem „Schlüsselprojekt für die Region“, so Knauber, hänge viel Herzblut. Alle zwölf beteiligten Kommunen könnten sich dort darstellen und hofften auf Effekte wie Kauf- und Wirtschaftskraft, sagte er.

Errichtet werden soll ein Infozentrum als zentraler Anlaufpunkt rund um den sogenannten Römerkanal, die Wasserleitung der Römer, die auch heute, 2000 Jahre nach ihrem Bau, noch als technische Meisterleistung gilt. Vom ersten bis dritten Jahrhundert transportierte sie täglich 20 000 Kubikmeter kalkhaltiges Quellwasser von Nettersheim in der Eifel über eine Länge von 95,4 Kilometern in die damalige Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln.

Infozentrum als Anlaufpunkt für Römerkanal-Wanderweg

Das Infozentrum soll nicht nur Anlaufpunkt für das längste römische Aquädukt nördlich der Alpen und die davon berührten Kommunen sein mit den fachlichen und touristischen Informationen, sondern auch für den jüngst eröffneten Römerkanal-Wanderweg.

Möglich wird das Zentrum dank eines Fördervolumens von fast einer Million Euro, hauptsächlich aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), Mitteln des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) sowie Mitteln des Rhein-Sieg-Kreises, des Naturparks Rheinland und der Kreissparkasse Köln. Den Anteil der Stadt Rheinbach bezifferte Knauber auf rund 190 000 Euro. Auch eine halbe Personalstelle wird gefördert. Aus den etwa 30 eingegangenen Bewerbungen wurde Vera Ahlbach ausgewählt, die ihre Stelle Anfang November angetreten hat.

Knauber betonte, dass „striktes Einhalten der Kosten innerhalb der Finanzmittel“ angezeigt sei, denn es sei kein „Wünsch-Dir-Was“-Projekt. Zugleich vermutete er, dass „nicht jedem alles gefallen“ werde an dem Bau, aber Architektur solle zu Diskussionen anregen. Den Basisentwurf hatten Fachbereichsleiterin Margit Thünker-Jansen und Fachgebietsleiter Matthias Swoboda gezeichnet, die Verfeinerung hatte das Büro Beyß übernommen, dem auch die Bauleitung obliegt.

Auf einer Grundfläche von rund 100 Quadratmetern wird ein Kubus errichtet, der dem Backstein-Gebäudeteil des Himmeroder Hofs beziehungsweise dem Naturparkzentrum vorgelagert ist. Dafür werden die Bäume „leider weichen müssen“, so Beyß. Ein Glaskörper soll den neuen Kubus optisch von dem Bestandsgebäude trennen. „Die Denkmalpflege wollte einen Kontrast zum vorhandenen Backstein-Gebäude“, so der Architekt.

Das Erdgeschoss des Infozentrums soll etwa einen Meter unter dem Niveau des Himmeroder Walls liegen. Dies, um das Erdgeschoss auf das gleiche Niveau wie das tiefer liegende Naturparkzentrum zu bringen. Im Erdgeschoss soll ein 85 Quadratmeter großer Ausstellungsraum entstehen. Über einen Lift und eine Treppe wird die Verbindung zum Obergeschoss hergestellt, wo auf einer Galerie auch eine Vortragsfläche vorgesehen ist. Viel Glas soll für viel natürlichen Lichteinfall sorgen.

Die vorgesehene Putzfassade soll sich optisch am Glasmuseum orientieren. Die Ausstellung „Wasser für Roms Städte“ soll den räumlichen Gegebenheiten angepasst und um touristisch relevante Komponenten ergänzt werden. Der Naturpark Rheinland überarbeitet seine Präsentation, wobei die natur- und kulturräumlichen Aspekte verstärkt auf den Römerkanal-Wanderweg ausgerichtet werden sollen.

Für Kinder und explizit Nicht-Fachleute soll in einfacher Sprache eine Informations-, Erlebnis- und Präsentationsebene konzipiert und eingebaut werden. Einen entsprechenden Förderantrag haben die Freunde des Römerkanals auf den Weg gebracht.