Wildkatzen-Seminar des BUND in Rheinbach

Botschafter für die Wildkatze

BUND-Wildkatzen-Schulung Rheinbach

Seminar im Grünen: Revierförster Franz Bongartz erklärt den künftigen Wildkatzenbotschaftern, dass der Wald für die Tiere mit Bäumen unterschiedlichen Alters durchmischt sein sollte.

RHEINBACH-WORMERSDORF. Der BUND schulte in Wormersdorf Freiwillige aus der Region, die sich für die bedrohte Tierart einsetzen wollen.

Sie sind so groß wie Hauskatzen, braun-grau gemustert, haben einen buschigen Schwanz und eine verwaschen wirkende Fellzeichnung. Wie viele es sind, weiß niemand genau. Wenn das Projekt des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Erfolg hat, werden es aber mehr.

Die Rede ist von Wildkatzen, die auch im Tomburger Wald bei Wormersdorf heimisch sind. Das ist nicht selbstverständlich, denn die "kleinen Tiger Deutschlands" wurden seit 1750 systematisch gejagt und beinahe ausgerottet.

Seit etwa 70 Jahren stehen Wildkatzen unter Schutz. Trotzdem werden die scheuen, nachtaktiven Tiere auf der Roten Liste Deutschlands immer noch als gefährdet eingestuft. Was ihnen fehlt, sind große, zusammenhängende Waldgebiete. Oft werden junge Kater überfahren, wenn sie versuchen, sich neue Reviere zu erschließen. Außerdem droht Inzucht, wenn die Katzen nicht weitläufig wandern können.

Deshalb versucht der BUND im Projekt "Wildkatzensprung", Wälder durch grüne Korridore aus Büschen und Bäumen miteinander zu verbinden. Neben der praktischen Arbeit ist auch viel Überzeugungsarbeit nötig, um vor Ort gute Bedingungen für die Wildkatze zu schaffen.

Hier setzte das Seminar von Christine Thiel-Bender und Andrea Andersen vom BUND an. Zehn Freiwillige aus dem Großraum Rhein-Sieg wurden am vergangenen Wochenende im Tomburger Wald zu Wildkatzen-Botschaftern ausgebildet.

"Die Botschafter sollen bei sich im Dorf oder in der Stadt bekannt machen, dass es die Wildkatze gibt und wie man sie schützen kann", erklärte Thiel-Bender. Manchmal ergäben sich Konflikte mit Menschen, die den Wald wirtschaftlich oder im Freizeitsport als Wanderer oder Radfahrer nutzen. Deshalb erfuhren die Teilnehmer nicht nur Wissenswertes über die Katze, sondern lernten auch die Sichtweisen verschiedener Gruppierungen kennen.

Revierförster Franz Bongartz nahm die künftigen Botschafter auf eine Exkursion durch den Wald mit und informierte über Abläufe in der Forstwirtschaft. "Es hängt vom Förster ab, welche Maßnahmen zum Schutz der Wildkatzen ergriffen werden", erläuterte Thiel-Bender.

Bongartz nimmt bereits Rücksicht auf die Bedürfnisse der Tiere: Wenn er weiß, dass Jungtiere in einem Waldstück sind, geht er nicht hinein. Schätzungen über die Zahl der Tiere im Tomburger Wald kann er zwar nicht abgeben, es würden aber regelmäßig Wildkatzen gesichtet. "Der Wald hat eine Verbindung Richtung Eifel, und dort haben wir mit 1000 bis 3000 Tieren das wahrscheinlich größte Vorkommen deutschlandweit", so Thiel-Bender.

Nach der Exkursion führte sie die acht Frauen und zwei Männer in die wissenschaftliche Feldarbeit ein. Im Tomburger Wald hat sie Lockstöcke aufgestellt, um das Vorkommen der Katzen nachzuweisen. Dazu hat sie angeraute Holzpflöcke mit Baldrian besprüht. Katzen, die auf Partnersuche sind, werden von dem Duftstoff angelockt und hinterlassen Haare am Pflock, die genetisch untersucht werden können.

Die Teilnehmer waren trotz des regnerischen Wetters hochmotiviert. Monika Dierichs (54) aus Buchholz ist Biologin und gibt Führungen für den Verschönerungsverein Siebengebirge (VVS). "Ich liebe Katzen von Kind an", sagte sie. Als Wildkatzen-Botschafterin möchte sie künftig auch Führungen zu diesem Thema anbieten. "Was für die Wildkatzen gut ist, nützt auch anderen Tieren. Die Biodiversität insgesamt wird gefördert", meint sie.

Mit ihrer Begeisterung für die gefährdete Tierart hat sie auch ihren Mann Günther Dierichs (57) angesteckt. Er ist Jäger und möchte einige Anregungen des Seminars in seinem Jagdrevier umsetzen. So plant er, "Mäuseburgen" anzulegen. Auf Reisig stapelt er dazu Stroh und Heu und streut regelmäßig Körner aus. "Das ist ein Biotop für Maus, Fuchs und Dachs, in strengen Wintern aber auch für Wildkatzen interessant."

 Franz-Josef Emundts (52) aus Aachen hat eine Ausstellung zu Wildkatzen mit Bildern und Texten konzipiert, die er in Buchhandlungen ausstellen möchte. Spätestens in einem Jahr können sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen austauschen: Dann will der BUND ein Aufbauseminar anbieten.

"Rettungsnetz Wildkatze"

Das Projekt "Wildkatzensprung" ist Teil der Aktion "Rettungsnetz Wildkatze", die der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) vor zehn Jahren ins Leben gerufen hat. Ihr Ziel: Ein Waldverbund von 20 000 Kilometern Länge, in dem grüne Korridore die Wälder wie ein Netz verknüpfen. Mehr als 40 000 Bäume und Büsche wurden bereits gepflanzt, damit wurden bis heute 14 Waldverbindungen in sechs Bundesländern geschaffen