Rheinbach Classics

Bonnie Tyler singt in Rheinbach

Rheinbach. Jens Hoffmeister, Mitbegründer des Oldtimer- und Musikspektakels, hört auf. Nächste Auflage der Classics startet am 20. Juli. Hoffmeister will mehr Zeit für seine Familie und seine Hobbys.

Es sind diese einzigartigen Momente, die es für Geld nirgendwo zu kaufen gibt, die die Organisatoren des dreitägigen PS- und Musik-Festivals Rheinbach Classics so lieben: Rocklegende Suzi Quatro („Can The Can“, „If You Can't Give Me Love“) sitzt entspannt in der Lounge des Kölner Hyatt-Hotels und lässt sich mit Fragen löchern, um anno 2010 ihren Auftritt bei den Classics zu promoten. Als Jens Hoffmeister, Mitbegründer des Drei-Tage-Events und dessen Pressesprecher, alle Fragen abgearbeitet haben, schreitet Quatro zum nahe stehenden Flügel und fängt zur Überraschung aller an zu spielen – und zu singen. Am Freitag, 20. Juli, wird Rockröhre Bonnie Tyler die Bühne am Himmeroder Wall rocken. Hoffmeister ist dann als Mitorganisator nicht mehr mit von der Partie.

Zusammen mit Heinz Haubrichs zählt Hoffmeister zu den Gründungsvätern dieses Festivals, bei dem sich seit 2005 diejenigen in der Voreifelstadt treffen, die Benzin oder Rockmusik oder beides im Blut haben – um die 20 000 Besucher sind es Jahr für Jahr. Apropos Blut: Eine Menge Herzblut steckt in der Organisation von „Musik, Motoren, Petticoats“, so das Schlaglicht der Rheinbach Classics. Einen Nachfolger für Hoffmeister gibt es noch nicht.

Ausscheiden aus persönlichen Gründen

„Rein persönliche Gründe“ macht Hoffmeister (71) für sein Ausscheiden verantwortlich – eine Entscheidung, die ihm nicht leicht gefallen sei. „Ich bin schon seit fast drei Jahren im (Un-)Ruhestand und möchte jetzt endlich einmal mehr Zeit für mich und die Familie haben, reisen, ohne ständig den Terminplaner im Auge zu behalten, oder in der wunderschönen Eifel per Fahrrad oder per pedes mit Ehefrau und Hund die Landschaft erkunden.“

Der langjährige Verlags- und Redaktionsleiter von „Schaufenster“ und „Blickpunkt“ steht noch selbst gerne des Gesangs wegen am Mi-krofon oder bearbeitet die Felle eines Schlagzeugs. Hoffmeister gilt als einer der Pioniere der Bonner Beatbewegung und hatte 1963 als Schlagzeuger seinen ersten Auftritt mit den „Desperados“, mit denen er heute noch manchmal rockt. Mit seinen Bandprojekten „Rocksteady“ und „Sixties United“ ist er nach wie vor unterwegs.

Als 2005 eine Armada von Oldtimern auf Rheinbach zurollte, um einen Stopp bei der damaligen, durch ganz Deutschland verlaufenden ADAC-Rallye einzulegen, kam Haubrichs die Idee, aus diesem Intermezzo eine jährliche Veranstaltung im Zeichen der Nostalgie auf die Beine zu stellen. „Die Rallye gab es aber im Jahr darauf nicht. Da haben wir uns gesagt, wir machen was eigenes“, bekundet Hoffmeister, der unter anderem lange Jahre als Motorsportjournalist an den Rennstrecken dieser Welt zu Hause war und zur Unterstützung eines Treffens alter Gefährte nicht lange gebeten werden musste. Mittlerweile sind während der Rheinbach Classics rund 700 historische Fahrzeuge zu sehen, von denen 300 am sonntäglichen Korso und 130 an der Rallye teilnehmen (siehe Kasten).

Ein Bühnengast hat sich selbst eingeladen

Mit zwar stimmgewaltigen, allerdings im Vergleich zu späteren Jahren eher gediegenen Opernaufführungen unter freiem Himmel wie „Nabucco“ und „Aida“ legten die Rheinbach Classics anfangs musikalisch los. „Schön und gut, haben wir uns gedacht. Aber Rock'n'Roll passt besser“, erklärt Hoffmeister. Seit 2009 holen die Classics-Macher unter der Überschrift „Legends in Concert“ Weltstars wie Albert Hammond, Chris Norman, Manfred Mann, Slade, Suzi Quatro, The Sweet oder Foreigner auf die Bühne am Himmeroder Wall.

Ein Bühnengast, so berichtet Hoffmeister, hatte sich sogar selbst eingeladen, die Wälle zu rocken: Kölschrocker Wolfgang Niedecken. Der BAP-Gründer und einstige Rheinbacher Pallotti-Schüler berichtete 2011 während einer Lesung aus der Autobiografie „Für 'ne Moment“, dass es sein Herzenswunsch sei, in Hörweite seiner früheren Schule mit BAP ein Konzert unter freiem Himmel zu spielen. Gesagt, getan: 2012 ließen sich rund 5000 Musikfans dieses Classics-Konzert nicht entgehen.

Widerholungstäter

Es gibt sogar Wiederholungstäter bei den „Legends in Concert“: 2009 ließen The Sweet ebenso Hits wie „Love Is Like Oxygene“, „Ballroom Blitz“ oder „Fox On The Run“ vom Stapel wie 2015. „Andy Scott wollte die Türme von Rheinbach noch einmal sehen. Die haben Eindruck auf ihn gemacht“, berichtet Hoffmeister. Von Stühlen und anderem Inventar, die aus Hotelfenstern fliegen, kann Hoffmeister in elf Jahren Rheinbach Classics nicht berichten: „Die Stimmung ist immer gut, das überträgt sich auf die Besucher.“ Der Grund dafür ist einfach erklärt. „Die haben alle mal klein angefangen und wissen, wo sie herkommen.“

Nicht leicht sei es, Bands zu finden, die einerseits Legendenstatus haben und andererseits noch bezahlbar sind. Bei Bonnie Tyler, die mit „Lost In France“, It's A Heart-ache“, „Total Eclipse Of The Heart“ oder „Holding Out For A Hero“ Welthits hatte, seien diese Vorgaben erfüllt, findet Haubrichs. Die Karten fürs Auftaktkonzert der Rheinbach Classics am Freitag, 20. Juli, kosten 38 Euro plus Gebühren. Die übrigen Termine ihrer europaweiten „40 Jahre It's a A Heart-ache“-Tour seien nicht unter 50 Euro zu bekommen.