Prozess um Spielhallenüberfälle in Bonn

Angeklagte scheiterten bei Überfällen an sich selbst

Polizeibeamte haben den 29-jährigen Bruder im Landgericht aus dem Saal geholt und stellen seine Personalien fest.

Polizeibeamte haben den 29-jährigen Bruder im Landgericht aus dem Saal geholt und stellen seine Personalien fest.

Region/Bonn. Drei junge Männer sollen Spielhallen in der Region überfallen haben, ein vierter soll sie dazu angestiftet haben. In zwei von drei Fällen liefen die Überfälle aus Sicht der Angeklagten allerdings gehörig schief.

Es sind filmreife Szenen, die sich am Dienstag im Bonner Landgericht abspielen. Vor der 8. Jugendstrafkammer stehen vier junge Männer wegen drei Überfällen auf Spielhallen in Meckenheim, Rheinbach und Remagen. Als Drahtzieher gilt der 26-jährige Angeklagte, der die übrigen drei losgeschickt haben soll, weil sie ihm Geld schuldeten, wie der 18-jährige und der 20-jährige Angeklagte bereits aussagten.

Und gleich zu Beginn dieses Prozesstags erklärt die Verteidigerin des 20-Jährigen: Ihr Mandant sei am Samstag von einem Bruder des Hauptangeklagten und einem weiteren Mann krankenhausreif geschlagen worden. Nur Minuten später betritt genau dieser Bruder mit Gefolge den Gerichtssaal.

Der 20-Jährige macht seine Anwältin darauf aufmerksam, sie teilt es dem Gericht mit, und dieses handelt: Zusätzliche Justizwachtmeister werden gerufen, die Polizei wird alarmiert; kurze Zeit später holen sechs Polizeibeamte besagten Bruder aus dem Saal und nehmen ihn mit. Wie ein Polizeisprecher später auf Anfrage mitteilte, wurde der 29-Jährige festgenommen, gegen ihn wird nun wegen Körperverletzung ermittelt. Auch für seinen 26-jährigen Bruder, der die Anklage bestreitet, könnte das Konsequenzen haben, denn Kammervorsitzender Volker Kunkel erklärt: „Sollte sich das bewahrheiten, wäre das von maßgeblicher Bedeutung.“

Für den 26-Jährigen steht viel auf dem Spiel: Er ist als einziger Angeklagter vorbestraft und sitzt in U-Haft. Der Anklage zufolge soll er die Fäden und die übrigen drei in der Hand gehabt und von ihnen Bezahlung für Drogengeschäfte gefordert haben. Um das Geld zu besorgen, soll er sie zu den Spielhallen dirigiert haben. Der erste Überfall am 23. Juli 2018 in Meckenheim ging gründlich schief: Einem Passanten kamen die beiden dunklen Gestalten, die an dem heißen Tag mit Kapuzen über dem Kopf an der Spielothek lungerten, seltsam vor. Er informierte die Geschäftsführerin, diese verriegelte die Tür, an der die Täter vergeblich rüttelten und wieder abzogen. Wie die Geschäftsführerin nun als Zeugin erklärt, leide sie nicht unter den Folgen: „Da habe ich schon einen schlimmeren Überfall erlebt.“

Weil der 26-Jährige laut Anklage Druck machte, suchten die drei noch am selben Tag eine Spielhalle in Rheinbach heim. Der 18-Jährige ging hinein, bedrohte die beiden Angestellten mit der Schusswaffe, ließ sich 564 Euro Bargeld in einen Rucksack packen, warf ihn ins Auto zu den beiden Mittätern und versteckte sich in einem Maisfeld.

Auch beim dritten Überfall auf eine Spielhalle in Remagen am 3. August scheiterten der 18- und der 21-Jährige kläglich. Trotz Bedrohung des Betreiber-Ehepaars mit der Waffe gab es kein Geld: Wie ihnen der Ehemann mitteilte, waren sie in einer bargeldlosen Spielothek gelandet, was auf einem Schild am Eingang auch zu lesen war. Doch erst nach langer Diskussion hätten sie das eingesehen, schildert der 58-jährige Ehemann als Zeuge und erklärt: Seine Frau sei so traumatisiert, dass sie nicht als Zeugin aussagen könne.