Römertag im Rheinbacher Freizeitpark

Abtauchen in eine vergessene Welt

RHEINBACH. Trotz des vorherbstlich kühlen und regnerischen Wetters hatten sich am Sonntag viele Rheinbacher auf den Weg gemacht, um in eine 2000 Jahre alte Welt einzutauchen: Der Freundeskreis Römerkanal hatte nämlich zum dritten Römertag in den Rheinbacher Freizeitpark eingeladen.

Zu diesem Zweck verwandelten die Organisatoren das Gelände in eine römische Arena. "Für uns war es wichtig, im Rahmen der zweijährigen Vorbereitungszeit eine Veranstaltung für die ganze Familie anzubieten", freute sich Lorenz Euskirchen (66), der Vorsitzende und Gründer des Freundeskreises.

Allerdings hatten die Veranstalter die Rechnung ohne den Wettergott gemacht. Dieser agierte gnadenlos und ließ einen Schauer nach dem anderen niederprasseln und verwandelte das Festgelände in ein Schlammfeld. Aufgrund der Regenfälle war der römische Reisewagen, eine alte Holzkutsche, ein heiß begehrtes Gefährt, denn er bot den Fahrgästen einen trockenen Unterschlupf.

Mit ihm konnten sich die Besucher im Rahmen einer Rundfahrt ein Bild des umfangreichen Programmangebotes machen. Die Legionäre von "Milites Bedenses" erklärten den interessierten Gästen ihre schwere Schutzausrüstung und zeigten den Umgang mit Waffen. "Tribus Eburones" gewährten einen Einblick in die Lebensgewohnheiten und den harten Alltag eines Keltenhofes.

Sehr zur Freude der weiblichen Gäste gab es eine römische Modenschau. Und dass auch damals die Frauen bereits großen Wert auf Schönheit und Pflege legten, davon überzeugte sich auch Magdalena Schulz aus Swisttal: "Die Enthaarung mit heißem Wachs kann ich mir ja noch vorstellen, aber Schminke aus Bleioxid weckt in mir ein ungutes Gefühl." Denn damals war es angesagt, die gebräunte Haut mit heller Schminke abzudecken. Dafür haben die Römer Bleiplatten mit Urin übergossen. Das dadurch entstandene Bleioxidpulver wurde schließlich mit Wasser angerührt und auf die sichtbaren Hautpartien aufgetragen.

Weniger trocken ging es bei den Streitwagenrennen zu. Hier konnten die Kinder mit nachgebauten Holzwagen um die Wette fahren. Allerdings war die Rennstrecke eher einer Sumpflandschaft nachempfunden. Für die achtjährige Johanna aus Meckenheim kein Problem: "Ich finde es klasse, hier im Matsch rumzulaufen."

Selbst die Gladiatoren wärmten sich unter Zuhilfenahme von Regenschirmen aus dem 21. Jahrhundert auf und halfen Besuchern, die auf den Hängen ausrutschten, wieder auf die Beine. Dann begannen die Schaukämpfe. Sieben muskulöse Gladiatoren von "Amor Mortis" betraten die Kampfarena und kämpften mit Messern und Schutzschildern ausgerüstet gegeneinander.

Es flogen Speere durch die Luft. Und wenn das ganze Spektakel 2000 Jahre früher stattgefunden hätte, wäre mit Sicherheit viel Blut geflossen. Auch der achtjährige Mauritius aus Rheinbach war begeistert: "Es ist total klasse hier. Ich hätte gerne auch vor 2000 Jahren gelebt und hier gekämpft." Allerdings holte ihn seine Mutter schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und erklärte ihm, dass es damals noch kein Handy, keine Playstation und keinen Computer gab.