Rheinbach ist Fairtrade-Stadt

18 Geschäfte und gastronomische Betriebe machen mit

RHEINBACH. Rom ist eine, das neuseeländische Wellington ist eine, Kumamoto in Japan ist eine und Bornheim auch. Und nun gehört Rheinbach ebenfalls dazu. Mehr als Tausend Fairtrade-Städte gibt es weltweit, rund 200 in Deutschland. "Die Anerkennung haben wir bekommen, jetzt warten wir nur noch auf die Urkunde", sagt Bürgermeister Stefan Raetz.

Diese soll beim verkaufsoffenen Sonntag am 11. Mai im Himmeroder Hof verliehen werden. Seit Januar 2009 können sich Kommunen in Deutschland um den Titel Fairtrade-Stadt oder Fairtrade-Gemeinde bewerben.

Um die Anerkennung zu bekommen, müssen sie bestimmte Kriterien erfüllen (siehe Kasten), die das Engagement für den Fairen Handel auf allen Ebenen widerspiegeln sollen. Eine Prüfkommission des Vereins Fairtrade mit Sitz in Köln kontrolliert, ob alle Kriterien erfüllt sind.

Bürgermeister Stefan Raetz und die Sprecherin der Steuerungsgruppe, Doris Kübler, hatten das Bewerbungsformular zur Anerkennung Rheinbachs als Fairtrade-Stadt nach dem entsprechenden Beschluss des Rates vom 9. Dezember unterzeichnet. "Wir möchten den Gedanken des Fairen Handels stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankern", so Raetz.

In der Kampagne gehe es darum, die Menschen dafür zu sensibilisieren, darüber nachzudenken, wie sie dazu beitragen können, Lebenssituation, Löhne und Naturschutz in Afrika und Lateinamerika zu verbessern. "Bei den jungen Leuten ist das Thema bereits ein Anliegen, wir möchten es jetzt auch allgemein stärken."

Rheinbach darf den Titel nun erst einmal zwei Jahre lang tragen. Die Steuerungsgruppe hat 13 Einzelhändler und fünf gastronomische Betriebe zur Mitarbeit gewonnen, die Produkte aus Fairem Handel anbieten. "Ich finde es sehr gut, dass es geklappt hat. Bei den Lebensmitteln achten die Leute eher darauf, bei Blumen wächst das Bewusstsein langsam", sagt Nadine Samulewitz-Heimer.

Die Rheinbacher Floristin engagiert sich als Geschäftsfrau für das Sozialsiegel. Besonders bei Rosen gebe es ein Fairtrade-Angebot. Ihre Ware komme zum großen Teil aus Kenia. "Sie sind besonders schön und auch nicht teurer als die anderen Rosen", sagt die Blumenhändlerin. Sie wünsche sich, dass die Kunden stärker zu den Produkten greifen - denn dann verbreitere sich auch das Sortiment. "Mir ist wichtig, dass etwas gegen schlechte Arbeitsbedingungen, nicht akzeptable Arbeitszeiten und den Kontakt mit Spritzmitteln unternommen wird", so Samulewitz-Heimer. Neben Fairtrade kaufe sie verstärkt bei regionalen Betrieben.

Auch einige Schulen sowie die Evangelische und die Katholische Kirche machen beim Fairen Handel mit. Ebenso die Evangelische Bildungsstätte Merzbach. "Bei uns werden Kaffee, Tee und Produkte im Kioskkorb wie Erdnüsse und Schokolade aus dem Fairen Handel verwendet und angeboten", sagt Küchenchef Tobias Hoffmann. Er könne sich vorstellen, dass das Label für Geschäfte werbewirksam sei. "Und Rheinbach macht der Titel bestimmt auch als Stadt interessanter", meint Hoffmann. "Wobei Fairtrade ja auch nicht ganz unumstritten ist. Aber es ist besser, einen kleine Schritt als gar nichts zu unternehmen", so der Küchenchef.

Auch Rheinbacher Vereine sind dabei. "Ich halte es für wichtig, dass das Siegel nun an die Stadt Rheinbach vergeben wird. Ich denke, die Stadt hat hiermit durch wenig eigenen Einsatz und kostenlos eine gute Werbung erhalten", sagt Jörg Nawrath, Vorsitzender des Narrencorps Blau Gold 1966 Rheinbach (NCR).

"Für den NCR ist es natürlich auch eine gute Möglichkeit, positiv ins Gespräch zu kommen. Insbesondere, da wir der einzige Karnevalsverein sind, der sich an der Aktion beteiligt", meint der Vorsitzende. Im NCR-Vereinsheim wird fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt. "Für die nächste Session werden wir uns nach fair gehandelten Bonbons für den Karnevalszug erkundigen. Falls dies finanziell machbar ist, ist die Überlegung, da umzustellen. Und auch im Vereinsheim könnten weitere Produkte hinzukommen", so Nawrath.

Kriterien für beteiligte Kommunen

Fairtrade ist kein Bio-Siegel, sondern in erster Linie ein Sozialsiegel. Laut dem Verein Fairtrade haben Bauern in Afrika, Lateinamerika und Asien durch Fairtrade-Standards die Möglichkeit, "ihre Dörfer und Familien aus eigener Kraft zu stärken und ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern". Fairtrade-Produkte gibt es vor allem unter den klassischen Kolonialwaren wie Kaffee, Tee und Bananen.

Um Fairtrade-Stadt zu werden, müssen Kommunen neben dem entsprechenden Ratsbeschluss und der Einrichtung einer Steuerungsgruppe folgende Kriterien erfüllen: In Sitzungen der Ausschüsse und des Rates sowie im Bürgermeisterbüro muss Fairtrade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus Fairem Handel verwendet werden. Im Einzelhandel sollen gesiegelte Produkte aus Fairem Handel angeboten und in Cafés und Restaurants Fairtrade-Produkte ausgeschenkt werden.

Die nötige Anzahl der Geschäfte richtet sich nach der Einwohnerzahl. Außerdem müssen in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kirchen sowie bei Vereinen Fairtrade-Produkte zum Einsatz kommen. Auch sollten dort Bildungsaktivitäten zum Thema durchgeführt werden. Zudem sollten die örtlichen Medien über die Bemühungen zur Fairtrade-Stadt berichten.