Sankt Johannes der Täufer

Zwei Anker sichern Meckenheimer Kirche

Meckenheim. Eine Spezialfirma aus Wismar führt Sicherungsmaßnahme in der Kirche Sankt Johannes der Täufer durch. Die Gottesdienste finden weiterhin statt.

Besuchern der altehrwürdigen Kirche Sankt Johannes der Täufer, die eines der Herzstücke der Meckenheimer Altstadt ist, dürften die meterhohen Gerüste im Innenraum längst aufgefallen sein. Seit dem 26. Februar ist hier eine nicht ganz alltägliche Sicherungsmaßnahme im Gang, wie Horst Litzka, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstands, bestätigt. Genauer gesagt werden von der Vierung aus in etwa acht Metern Höhe knapp unter dem Dach der Seitenschiffe 2,50 Meter lange Sicherungsanker ins Mauerwerk gebohrt, führt Josef Axer aus, ein erfahrener Statiker aus Rheinbach, der die Baumaßnahme leitet. Zwei Anker sind geplant.

Die Arbeit übernimmt die Spezialfirma von Burkhard Stiewe aus Wismar, die über viel Erfahrung bei der Sicherung alter Bauwerke verfügt. Im Ergebnis soll die Maßnahme laut Axer für mehr Sicherheit an der Nahtstelle zwischen den zentralen Bauteilen der Kirche, also zwischen Vierung, Haupt- und Seitenschiffen sorgen. Was genau warum gemacht werden muss, erklärte Axer bei einem Ortstermin in der Kirche.

In der Pfarrkirche, deren älteste Teile sich auf das zwölfte oder 13. Jahrhundert datieren lassen, wurden größere Kalkputzstücke auf dem Boden zwischen den Kirchenbänken gefunden, erinnert sich Kirchenvorstand Horst Litzka. Und zwar im Bereich der beiden mächtigen Pfeiler, die am Ende des Langhauses stehen und den Übergang zur Vierung markieren.

1970 wurde nicht genau genug gearbeitet

Dass die heruntergefallenen Mörtelbrocken mit dem Neubau von Querhäusern und Chorapsis Ende der 1970er Jahre zu tun haben könnten, ahnte Bauingenieur Axer schnell, nachdem er den Auftrag von Litzka bekommen hatte. Die großen Putzstücke waren genau in dem Bereich zu Boden gefallen, in dem man vor gut 40 Jahren den Kirchenraum erweitert hatte. „Das war seinerzeit nötig geworden, weil sich Meckenheims Einwohnerzahl erneut vergrößert hatte“, weiß Litzka. Um mehr Platz zu schaffen, wurde der alte neugotische Chor und die Seitenchöre abgerissen und durch ein geräumiges Querschiff mit halbrunder Chorapsis ersetzt.

Bei einer ersten Untersuchung wurden zwei weitere, etwa zwei Kilogramm schwere Putzstücke vorsichtshalber abgenommen. „Die hatten sich ebenfalls bereits gelöst und drohten abzustürzen“, so Axer. Ihm stellte sich nun aber ein großes Problem: „Es fanden sich zunächst keine statischen und zeichnerischen Unterlagen im Bauarchiv der Stadt und im Pfarrarchiv, die Auskunft darüber geben konnten, wie dieser Anbau ausgeführt worden war.“ Also musste erst aufwendig recherchiert werden. Nachfragen in der Rendantur und im Generalvikariat zum Verbleib der Unterlagen waren erfolglos. Da ein „Schwarzbau“ unwahrscheinlich war, wurde Axer schließlich dank der Unterstützung einer akribischen Mitarbeiterin der Stadtverwaltung fündig.

Die endlich aufgespürten Planunterlagen ergaben, dass die Wandabschnitte der Vierung und der Chorapsis in den 70er Jahren aus Stahlbeton errichtet worden waren. „Zwischen den historischen Langhauswänden und diesen neuen Betonteilen wurden Trennfugen vorgesehen“, präzisiert Bauingenieur Axer. „Die Fugen waren aber nicht ausreichend breit genug dimensioniert.“ Daher hätten sich die Enden der Vierungswandbereiche bereits Mitte der 80er Jahre soweit abgesenkt, dass sie sich vor den Langhauspfeilern auf nicht belastbaren Bauteilen aufgelagert hätten. Es kam zu Rissen, so Axer, was wiederum Sicherungsarbeiten notwendig machte. „Wegen der Risse wurden nachträglich zwei Stahlbetonplatten angebracht, die mit vier kurzen Nadelankern im Mauerwerk befestigt wurden“.

Sanierung konnte keine Abhilfe schaffen

Das Problem blieb allerdings aus Axers Sicht bestehen: „Wiederum waren die erforderlichen Fugen nicht ausreichend breit genug ausgeführt worden.“ Als die Wandteile weiter absanken, entwickelte sich durch die Auflage Druck, der „zu einer erkennbaren Verdrehung der Betonplatten führte“, erklärt der Statiker.

Diese Bewegungen ließen den Putz zeitverzögert reißen. Wie das passieren kann, weiß Axer: „Betonbauteile verformen sich auch über längere Zeiträume, was mit den Materialeigenschaften zusammenhängt.“ Während sich unproblematische, elastische Verformungen, ausgelöst durch das Gewicht und etwaige Nutzlasten, bereits kurz nach der Errichtung einstellten, zeigten sich Verformungen, die mit dem sogenannten Schwinden und Kriechen des Betons zusammenhingen, erst nach längeren Zeiträumen. Bis zu 50 Jahre könne das dauern. „Genau das ist in der Kirche Sankt Johannes der Täufer passiert“, fasst Axer zusammen.

Abhilfe schaffen sollen nun zweierlei Dinge: Die beiden Anker, die durch die Pfeiler bis in das Mauerwerk der Langhauswände gebohrt und anschließend mit Mörtelsuspension verpresst werden; und Trennfugen zwischen Betonplatten, Wandbereichen und Putzflächen. Die Kosten für diese Maßnahme schätzt Axer auf rund 2000 Euro. Bis zum Osterfest Anfang April soll alles fertig sein, so Kirchenvorstand Litzka. Allerdings können Kirchenbesucher beruhigt sein: Die Gottesdienste werden ungeachtet der Sicherungs- und Instandsetzungsmaßnahmen gefeiert.