Neues Buch über Meckenheim

Zeitgeschichte der Stadt Meckenheim bis heute

Meckenheim. Der neue, facettenreiche Band „Alte und neue Heimat“ widmet sich der Zeitgeschichte Meckenheims. Bürgermeister spendiert zur Kommunalreform vor 50 Jahren jedem Merler Bürger einen Zehn-Mark-Gutschein.

Was schreibt die Geschichte mitunter nicht für beeindruckende, verblüffende und skurrile Geschichten. Wann etwa kommt es schon mal vor, dass ein Bürgermeister allen seinen Bürgern eine Art Kirmesgeld spendiert – bar auf die Hand. Zugegeben, die Zehn-Mark-Gutscheine zückt Heinz Gottschalk, Bürgermeister der damaligen Gemeinde Merl, anlässlich des Jahrmarktes nicht aus seinem persönlichen Portemonnaie. Der Christdemokrat will schlicht seinen Bürgern kurz vor der Eingemeindung Merls am 1. August 1969 als Teil der neuen Stadt Meckenheim einen Teil ihres Steuergeldes zurückgeben – ehe die Gemeindekasse in den Besitz Meckenheims übergeht.

Zuvor allerdings sehen die Merler zu, dass Vorhaben wie der Bau des Sportplatzes und der Kanalisation noch abgeschlossen werden. Geschichten wie diese haben Hans Frank und sein Redaktionsteam ausgegraben, um im neuesten Band des Vereins Meckenheimer Stadtmuseum und Kulturforum die Zeitgeschichte Meckenheims vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute und darüber hinaus auf facettenreiche Art zu beleuchten.

Das 80 Seiten starke Buch ist bereits das fünfte Werk, welches der Verein seit 2010 herausgegeben hat. Nach den ersten vier veröffentlichten Büchern „Vom Städtchen zur Stadt“, „Die Ur-Meckenheimer“, „Vom Kurfürsten zum Kaiser“ und „Wechselhafte Zeiten – Meckenheim von 1871 bis 1945“ haben sich die neun Autoren jetzt dem zugewandt, was Meckenheim heute ausmacht. Die Apfelstadt wächst – auch wenn, wie Hans Frank in einem seiner beiden Beiträge feststellt, das 1962 festgelegte Planungsziel, auf 25 000 Einwohner zu wachsen, bereits Mitte der 90er-Jahre erreicht worden ist. Und: Nach einer Delle um die Jahrtausendwende ist die Stadt der Baumschulen und Plantagen weiterhin ein Zuzugsgebiet mit aktuell 26 700 Bewohnern.

Zehn Geschichten zur Stadthistorie

Der neueste Band mit zehn Geschichten zur Stadthistorie mit dem Titel „Alte und neue Heimat“ ist letztlich als identitätsstiftendes Werk zu sehen, findet Dieter Ohm, Vorsitzender des Vereins Meckenheimer Stadtmuseum und Kulturforum. „Es ist uns besonders wichtig, nicht nur an die Römerzeit und andere vergangene Epochen zu erinnern, sondern auch die Zeitgeschichte zu präsentieren“, erklärt Ohm bei der Vorstellung des Bandes im Herrenhaus Burg Altendorf. „Weil wir davon überzeugt sind, dass wir damit einen wesentlichen Beitrag für die Identifikation der Menschen mit ihrer Heimat Meckenheim leisten können.“

Facettenreiche Einblicke gewährt beispielsweise der Beitrag von Hans-Werner Jarosch, der sich mit der Frage beschäftigt hat, woher die Menschen kamen, die zwischen 1945 und 2018 zu Meckenheimern wurden. Die Nähe zur damaligen Bundeshauptstadt und zur Universitätsstadt Bonn bringt es mit sich, dass Meckenheim „viele in ihren Berufswegen erfolgreiche Persönlichkeiten beheimatet“, berichtet Jarosch und nennt exemplarisch die beiden späteren Bundespräsidenten Karl Carstens und Horst Köhler. Der Bremer Carstens, der während und nach seiner Präsidentschaft in Meckenheim wohnen bleibt, ist seinen Mitmenschen durch seine unbekümmerte Bürgernähe in Erinnerung geblieben, erinnert Hans-Werner Jarosch. Veronika Carstens, der Standesdenken fremd war, habe durch ihre homöopathische Kompetenz und nicht zuletzt durch ihre dortige Praxis in Meckenheim Spuren hinterlassen. Als weiteren prominenten und vor allem stets stark bewachten Bürger der Apfelstadt nennt Jarosch Abdallah Frangi. Der frühere Vertreter der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ist heute Gouverneur von Gaza und lebte einige Jahre in Meckenheim.

Dem Begriff Heimat widmet sich Bürgermeister Bert Spilles in seinem Grußwort. Zwar stünde dieser derzeit stark in der Diskussion, letztlich beleucht er aber nur, was die Menschen einer Region ausmacht, so Spilles. Das Buch zeige auf eindrucksvolle Weise, wie es der Stadt und seinen Menschen seit 1945 immer wieder gelungen ist, neue Bürger zu integrieren. Immer wieder stelle er fest, wie Menschen, des Berufs wegen in die Welt aufbrächten, um nach Jahren nach Meckenheim und somit zu ihren Wurzeln zurückzukehren.

Was der Verwaltungschef dabei unverwähnt lässt, ist, dass er nach Biografien solcher Art nicht lange suchen muss: Er selbst ist in Brüssel und Sydney tätig gewesen, bevor er nach Meckenheim zurückkehrt ist, seinen Hut als Bürgermeister in den Ring geworfen hat und gewählt wird. Der Titel „Alte und neue Heimat“ trifft somit auf den Verwaltungschef in besonderem Maße zu.

Das Buch ist für 11,90 Euro im Buchhandel Meckenheims und im Meckenheimer Stadtmuseum im Herrenhaus Altendorf, Burgstraße 5, erhältlich. Der Erlös des Bandes fließt laut Verein ohne Abzüge in die Finanzierung des Stadtmuseums.