Obsthof Rönn in Ersdorf

Wilde Bienen für leckere Äpfel

Michael Rönn stellt seinen Obstbau auf ökologischen Anbau um und setzt bei der Bestäubung seiner Bäume auf wilde Bienen.

Michael Rönn stellt seinen Obstbau auf ökologischen Anbau um und setzt bei der Bestäubung seiner Bäume auf wilde Bienen.

Meckenheim-Ersdorf. Auf den 28 Anbauflächen des Obsthofes Rönn rund um Ersdorf und Wormersdorf werden in diesem Jahr rund 8000 Insekten die Bäume und Strächer bestäuben. Der kontrollierte Einsatz natürlicher Bestäubung ist Teil des ökologischen Anbaukonzepts.

Zwischen den Apfel- und Birnenbäumen in der Plantage von Michael Rönn stehen verstreut drei aufeinandergestapelte Blöcke. Hier und da ist ein Summen zu hören. Die ersten Wildbienen sind auf der Suche nach Pollen. Kaum geschlüpft wurden sie von den männlichen Bienen begattet, legten ihre Eier und brauchen nun für die Versorgung der Brut die Nährstoffe der umliegenden Pflanzen.

Die Bestäubung der insgesamt 110.000 Bäume und der zahlreichen Johannisbeersträucher übernehmen in diesem Jahr auf den 28 Anbauflächen von Landwirt Michael Rönn rund um Ersdorf und Wormersdorf circa 8000 Insekten der gehörnten und der roten Mauerbiene.

Erst im vergangenen August hat der Ersdorfer Obsthof den Betrieb von einem konventionellen in einen ökologischen Anbau umgestellt. „Deshalb wollten wir die Bestäubung der Bäume auch auf natürlichem Wege nachhaltig gestalten“, erklärt der 41-jährige Landwirt.

Im August 2016 haben er und seine Frau Monika Rönn (38) etwa 10.000 Wildbienen-Kokons bei einem im ökologischen Anbau erfahrenen Kollegen im Saarland gekauft. Zum Überwintern wurden die verpuppten Eier im kühlen Mauerkeller untergebracht. Erst kurz vor dem Schlüpfen Anfang April hat Rönn die sogenannten Schlüpfkartons zwischen den Apfel- und Birnbäumen sowie den Johannisbeeren aufgestellt.

Durch zwei schmale Löcher krabbeln die ersten Insekten ins Freie. Die Schlüpfkartons stehen auf sogenannten Röhrenblöcken, die die gerade geschlüpften Bienen für die Ablage ihrer Eier benötigen. Jede der 194 Röhren eines Nistblockes dient der solitär oder allein lebenden Biene als Brutstätte. Zur Eiweißversorgung ihres Nachwuchses sammeln die Insekten Blütenstaub. Ist eine der ausgefrästen Röhren mit bis zu zehn Eiern belegt, wird sie am Eingang mit Speichel, kleinen Steinchen und Lehm verschlossen und es folgt der Wechsel zur nächsten Röhre.

Während die gehörnte Insektenart bereits bei Temperaturen um fünf Grad fliegt und die ersten roten und weißen Blütenknospen der Apfelsorte Cox anfliegt, sorgt die rot gemusterte Wildbiene ab sieben Grad für die später blühenden Apfelsorten. „Der Vorteil der Wildbienen ist, dass sie im Unterschied zu den Honigbienen ortsgebunden sind. Sie bleiben dort, wo sie geschlüpft sind und fliegen die Pflanzen in einem Umkreis von bis zu 300 Metern an. Deshalb ist es wichtig, wo sie den Kokon verlassen. Wenn sie sich durch die beiden kleinen Löcher ihres Kartons zwängen müssen, wissen sie, wo sie zu Hause sind“, erklärt Fachmann Rönn.

Die Hilfe freilebender Wildbienen für die Bestäubung seines Obstes hat Rönn auch schon früher in Anspruch genommen. „Schon mein Vater Josef hat gelegentlich Imker kommen lassen, die ihre Honigbienen eingesetzt haben. In den vergangenen Jahren haben wir Hummeln gekauft. Da die Populationen nie eine Königin hatten, war die Bestäubung nur eine Saison möglich“, erläutert Rönn. Das soll jetzt anders werden. Er setzt bei den Wildbienen auf Nachhaltigkeit, denn die Bienen legen in ihrem vier- bis sechswöchigem Leben so viele Eier, dass er mit einem Anstieg der Population um das Fünf- bis Siebenfache rechnet.

Ökologisches Anbaukonzept

Der kontrollierte Einsatz natürlicher Bestäubung ist für Rönn und seine Frau Teil des ökologischen Anbaukonzepts. So kommen jetzt schon verstärkt Nützlinge, die gegen Schädlinge wie Spinnenmilben und Mäuse vorgehen, zum Einsatz. Mit-hilfe der Universität Hohenheim und ihrem Programm der Biodiversität wird der Meckenheimer Obsthof Ende April am Rande der Felder und zwischen den Bäumen Blühstreifen anlegen, „damit die Plantagen für Marienkäfer, Schlupfwespen und Iltisse attraktiv werden“, so der Ersdorfer.

Als ökologische Pflanzenschutzmittel gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Schorfpilz setzt er Kupfer- und Schwefelpräparate ein. Als eine Folge der nachhaltigen Landwirtschaft erwartet Rönn eine geringere Ernte als beim konventionellen Anbau, aber „durch höhere Preise für Ökoprodukte gleicht sich der Umsatz wieder aus“. Außerdem werden in zwei bis drei Jahren keine Johannisbeeren mehr angebaut werden, da sich „das beim ökologischen Anbau nicht rechnet“.

Rönn verkauft seine Produkte über Landgard in Roisdorf und Krings in Rheinbach an die Supermärkte der Region. Allerdings werden seine Waren als Ökoprodukte erst in drei Jahren, wenn eine Kon-trollkommission ihre Genehmigung erteilt hat, über den Ladentisch als solche verkauft werden können. Für Rönn bedeuten die neuen Anbaumethoden nicht nur eine Herausforderung, denn „wir wollten produzieren, was die Bevölkerung will“, sondern auch mehr Lebensqualität. „Denn die Anlage sieht durch die Blühwiesen und die Insekten einfach schöner und romantischer aus. Und das finde ich gut“, freut er sich.