Nach dem Meckenheimer Großbrand

Wachtberg warnte nach Brand in Lagerhalle nicht alle Kitas

Der Informationsfluss beim Großbrand in Meckenheim sorgt für Diskussionen.

Der Informationsfluss beim Großbrand in Meckenheim sorgt für Diskussionen.

Meckenheim. Bürger hinterfragen die Informationspolitik der Gemeinde beim Großbrand im Meckenheimer Industriepark Kottenforst. Die Verwaltung weist die Kritik zurück und erklärt, dass die Informationen des Kreises weitergegeben worden seien.

Wie gefährlich war der Großbrand in Meckenheim am Freitag vergangener Woche für die Bevölkerung der umliegenden Kommunen? Hat die Gemeinde Wachtberg ihre Bevölkerung und sensible öffentliche Einrichtungen wie Kitas und Schulen hinreichend über Verhaltensregeln und mögliche Gefahren informiert? Um diese Fragen drehte sich die Kritik eines Wachtbergers (Name der Redaktion bekannt), der sich von Berufs wegen im Rettungsdienst und Katastrophenschutz auskennt, anlässlich der Brand-Berichterstattung der Feuerwehr via Facebook.

Der Beschwerdeführer richtet ganz offen die Frage an die „liebe Gemeinde Wachtberg, inwieweit Sie hinsichtlich des Umgangs mit Gefahren für die Bevölkerung aufgestellt sind“? Im Gespräch mit dem GA unterstreicht der Mann das aus seiner Sicht krasse „Missverhältnis“ in Sachen Informationspolitik zwischen Wachtberg und insbesondere Rheinbach.

Fragen nach Art und Umfang offizieller Informationen zu dem Brand in Meckenheim scheinen durchaus berechtigt. Denn lange Zeit war die Situation am Brandort unübersichtlich. Wie berichtet, wurden rund 250 Feuerwehrleute aus dem Rhein-Sieg-Kreis zusammengezogen, um die verheerenden Flammen in der Lagerhalle eines Betriebs für Lacke und Harze im Industriepark Kottenforst unter Kontrolle zu bekommen.

Um Gefahren durch Ascheregen oder Rauchschwaden abzuklären, war auch eine spezielle Messeinheit der Feuerwehr um die ABC-Beraterin des Kreises, Lucia Wickert, im Einsatz. Erst gegen 11 Uhr gaben Wickert und die Stadt Meckenheim Entwarnung: Es bestand für die Beschäftigten im Industriepark und die Bevölkerung keine Gefahr.

Situation am Brandort war lange Zeit unübersichtlich

Derweil hatte die vom Bundesamt für Katastrophenschutz in Bonn eingerichtete Warn-App Nina den Bürgern in den umliegenden Kommunen empfohlen, vorsichtshalber Fenster und Türen geschlossen zu halten. Parallel dazu habe auch die Rettungsleitstelle des Kreises Warnhinweise an die Ordnungsämter von Meckenheim, Rheinbach und Wachtberg gegeben, erklärt Kreissprecherin Rita Lorenz. Das seien aber keine Handlungsanweisungen, sondern Empfehlungen gewesen – will heißen, wie damit umgegangen wurde, oblag den Kommunen selbst.

Ein klarer Fall war die Empfehlung aus Siegburg für Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz: „Ich habe mich morgens früh direkt kurz mit meinen Mitarbeitern abgesprochen, und dann ist die Warnung rausgegangen.“ Das sei das Mindeste gewesen, „was wir tun konnten“. Vorsichtshalber habe er auch die Mitarbeiter des Betriebshofs zur Gerätewartung im Betriebshof gelassen. Ähnlich verfuhr man im Meckenheimer Rathaus mit der Empfehlung des Kreises: „Wir haben das an öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten und Seniorenheime weitergegeben“, sagt Sabine Gummersbach für die Verwaltung. Die Schulen waren an dem Brückentag ohnehin geschlossen.

In Wachtberg, genauer gesagt in Villip, will der Beschwerdeführer dagegen Defizite ausgemacht haben. Er verweist zunächst auf das Vorgehen in Rheinbach. Dort hätten „alle Schulen und Kindergärten sowie öffentliche Gebäude per E-Mail einen Hinweis auf die Gefahrenlage“ erhalten. Die Schulen hätten umgehend reagiert: „Fenster und Türen zu, keine Hofpause, Morgenmesse fällt aus, da die Kinder im Freien zur Kirche hätten gehen müssen.“

Ganz anders in Villip: „Kindergarten ist nicht informiert. Alle Fenster weit offen, keinerlei Maßnahmen getroffen. Eine Grundschulklasse marschiert geschlossen durch den Ort, vermutlich ein Ausflug. Was wäre denn, wenn wirklich mal eine akute Gefahr besteht“, so der Mann. Im Rathaus in Berkum sah man die eigene Bevölkerung ausreichend informiert. Gemeindesprecherin Margrit Märtens: „Wir nutzen die Warn-App Nina, und wir werden sie auch weiterhin in unsere Arbeit einbinden.“ Auch die Informationen des Kreises seien weitergegeben worden, konkret „an die Schulen und Kindergärten im näheren Umfeld des Brandes, insbesondere an die Grundschule und die Kita in Adendorf“.

Kontakt zum Wehrführer

Schließlich habe sich frühzeitig herauskristallisiert, „dass – wenn überhaupt – nur der westliche Teil von Wachtberg von Brandniederschlägen betroffen sein könnte“. Eine Warnung an alle Schulen und Kitas im gesamten Gemeindegebiet sei deshalb nicht erfolgt. Online habe die Verwaltung morgens noch einen Hinweis auf der Startseite von www.wachtberg.de veröffentlicht. Dort seien die Formulierungen der Warn-App Nina übernommen worden.

An besorgten Nachfragen aus der Bevölkerung hat es laut Märtens nicht gefehlt: „Es hat diverse Anfragen im Rathaus gegeben, die meist um die Frage kreisten 'Ist mein Ortsteil, bin ich betroffen?'“ So hätten sich auch die Schulleiter der Grundschulen in Berkum und Adendorf von sich aus bei der Gemeinde gemeldet. Die Grundschule Adendorf habe den Eltern mittels einer Info auf der Schulhomepage zum Beispiel selbst überlassen, ihre Kinder zur Schule zu schicken oder nicht.

Zudem habe die Gemeinde auch Kontakt zu Wehrführer Markus Zettelmeyer gehabt, der in seiner Funktion als stellvertretender Kreisbrandmeister im Einsatz an der Brandstelle in Meckenheim war. Zettelmeyer stand dabei auch in Kontakt mit dem Veranstalter der Landpartie in Adendorf.