Freilandtomaten aus Meckenheim

Viel Arbeit für besten Geschmack

Inmitten von Apfelbäumen wachsen bei Rainer Dahlhausen in Meckenheim acht verschiedene Sorten Cherry- und Strauchtomaten.

Inmitten von Apfelbäumen wachsen bei Rainer Dahlhausen in Meckenheim acht verschiedene Sorten Cherry- und Strauchtomaten.

Meckenheim. Experiment geglückt: Der Meckenheimer Landwirt Rainer Dahlhausen baut Tomaten im Freiland an. Seit acht Jahren experimentiert der 44-Jährige mit unterschiedlichen Anbaumethoden und bei der Saatauswahl, um die beste Qualität zu erzielen.

Tomaten, die im Supermarkt zu kaufen sind, stammen in der Regel aus dem Gewächshaus. Denn der Anbau im Freiland ist für den Landwirt zu arbeitsintensiv und zudem sehr wetterabhängig. Trotzdem hat Obstbauer Rainer Dahlhausen aus Meckenheim den Schritt gewagt. Seit nunmehr acht Jahren experimentiert der 44-Jährige mit unterschiedlichen Anbaumethoden und bei der Saatauswahl, um die beste Qualität zu erzielen.

Inmitten von Apfelbäumen wachsen auf einer Fläche von überschaubaren 500 Quadratmetern am Rande seiner Heimatstadt acht verschiedene Sorten Cherry- und Strauchtomaten. Dahlhausen hat in den vergangenen Jahren viel über den Anbau des roten, gelben und orangefarbenen Nachtschattengewächses gelernt, neue Pflanzmethoden entwickelt und seine Erfahrungen mit der Sortenqualität gemacht. „Nicht so robuste Sorten werden im Jahr darauf einfach nicht mehr gepflanzt“, sagt der zweifache Familienvater schmunzelnd. Auch die „Auspflanzung“ hat sich Dahlhausen im Vorfeld genau überlegt. In einem Abstand von 40 Zentimetern fein säuberlich nebeneinander aufgereiht, lugen aus dem Erdreich 956 kreisrunde, zehn Zentimeter breite Plastikrohre, die mit Torf gefüllt sind und seit Mitte April als Pflanzstätten für das verschiedenfarbige Gemüse dienen. Ausgesät im Februar wachsen und gedeihen die Pflanzen seit Mitte Mai im Feld unter freiem Himmel.

Der Tomaten-Anbau im Freiland begann 2008 versuchsweise mit 50 Pflanzen. Seit 2012 erhöht Dahlhausen jedes Jahr die Anzahl der Pflanzen. „Denn die Nachfrage ist groß. Die Kunden fragen schon zu Beginn des Frühjahrs, wann wir wieder Tomaten im Hofladen verkaufen“, freut sich der Landwirt über den Erfolg.

Er ist wohl der einzige Bauer im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, der das wetterempfindliche Nachtschattengewächs einem unbeständigen Klima aussetzt. Dass Tomaten im Allgemeinen im Gewächshaus und nicht im Freiland gezogen werden, hat für Peter Muß, stellvertretender Geschäftsführer des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauern in Bonn, mehrere Gründe: „Tomaten sind anfällig für den Pflanzengiftpilz Kraut- und Braunfäule, der besonders bei feuchtwarmem Wetter auftritt. Außerdem pflanzen viele Verbraucher ihre Tomaten selber an. Des Weiteren findet die Erntezeit in den Sommerferien statt. Da sind viele Kunden nicht da. All das wirkt sich dann auf den Preis aus.“ Dahlhausen hat da bisher andere Erfahrungen gemacht. „Denn besonders die älteren Personen, die unsere Tomaten kaufen, verreisen in den Sommerferien nicht, sodass wir unsere Kunden haben. Sie schätzen den guten Geschmack“, so Dahlhausen, der den Ertrag bis jetzt als außergewöhnlich gut bezeichnet. Nur fünf Prozent Ausfall habe es gegeben.

Für leckere und schmackhafte Tomaten ist das Klima von entscheidender Bedeutung. „Ein Wechsel zwischen nassen und trockenen, warmen und kalten Phasen und das Wachsen in richtiger Erde machen den besonderen Geschmack aus“, erklärt der Experte. Ob Strauch- oder Cherrytomaten, gelbe oder rote, kleine oder große, süße (Cherrytomaten) oder herbe (gelbe Strauchtomaten) – der Geschmack der einzelnen Pflanzen ist so vielfältig, wie es Gattungen gibt. Dahlhausen hat einige Sorten, die äußerlich und geschmacklich das Beste bieten, über die Jahre selbst gezüchtet. In diesem Jahr hat er auch wieder Samen per Internet gekauft und gepflanzt, wie beispielsweise die „Sacher“, eine Hybridtomate mit braun-roter Schale, die „goldene Königin“, eine goldgelbe sogenannte Stabtomate mit einem fruchtigen Aroma, und verschiedene Sorten der „gelben Naschtomaten“.

Um die 30 Mal kümmert sich der Landwirt von der Aussaat bis zur Ernte um eine Pflanze. Zunächst wird im Wintergarten jede Pflanze Mitte Februar in Untersetzbehälter eines Blumenkastens ausgesät und erst Anfang April in die Rohre „umgetopft“. Zum Schutz gegen Frost werden sie in den nächsten Wochen nachts mit Folie abgedeckt, eine über die Pflanzen gelegte „Lichtplatte“ fördert tagsüber das Wachstum. Erst Mitte Mai, und damit später als im vergangenen Jahr, wurden die Tomaten „rausgepflanzt“. Das regelmäßige Hochbinden und Bewässern gehören zur üblichen Pflege dazu. „Wichtig ist vor allem das Entfernen der Seitentriebe. Es dürfen nämlich maximal vier bis fünf Rispen an einem Strauch hängen. Zu viele würden die Größe der Tomaten und das Ausreifen beeinträchtigen“, erläutert der Meckenheimer. Bis zum ersten Frost wird noch geerntet. Da können die Kunden im Hofladen die 500 Gramm-Schale Strauchtomaten für 2,60 Euro und die 250-Gramm-Schälchen Cherrytomaten für 1,90 Euro kaufen.