Campusage Schulzentrum Meckenheim

Und auf einmal färbt sich klares Wasser lila

Meckenheim. 240 Drittklässler aus der gesamten Apfelstadt dürfen sich während der Campustage vier Tage lang ein Bild vom Unterricht an der Geschwister-Scholl-Hauptschule, der Theodor-Heuss-Realschule und des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG) machen, die unter einem Dach lehren. Dabei erlebten die Kinder verblüffenden Unterricht.

Fast schon ohrenbetäubend laut schallen die Geigen, Bratschen und Cellos aus den großen Bassboxen. Doch die Lautstärke der dramatischen Orchesterklänge der Piraten-Tetralogie „Fluch der Karibik“ passt zum emsigen Paddeln der Meckenheimer Drittklässler – als würden sie auf einem brodelnden Ozean um ihr Fortkommen bangen.

Mit Hockeyschlägern in der Hand knien sie am Rande der blauen Turnmatte, die Sportlehrer Ermin Karahasanovic wortgewandt zur „Black Pearl“ erklärt hat, dem düsteren Piratenschiff, auf welchem Captain Jack Sparrow durch die Filmgeschichte schippert. „Es lauern Gefahren“, ruft der angehende Hauptschullehrer, der mitten in der Dreifachturnhalle Haie gesichtet haben will. Jeden Tag sollte der Unterricht so mitreißend sein wie während der Meckenheimer Campustage.

240 Drittklässler aus der gesamten Apfelstadt dürfen sich während der Campustage vier Tage lang ein Bild vom Unterricht an der Geschwister-Scholl-Hauptschule, der Theodor-Heuss-Realschule und des Konrad-Adenauer-Gymnasiums (KAG) machen, die unter einem Campusdach lehren.

Der Clou: Die drei Schulen buhlen nicht um jeden einzelnen künftigen Schüler, sondern präsentieren sich als konzeptionelle Einheit dreier Schulformen, die eng zusammenarbeiten. „Die Kinder sind morgens schon ganz aufgeregt und wollen gleich beginnen“, berichtet Iris Kadner, kommissarische Schulleiterin des Konrad-Adenauer-Gymnasiums.

Während die Drittklässler der Katholischen Grundschule Meckenheim gerade unter lautem Blitz und Donner aus den Lautsprechern beim bewegungsintensiven Piratenabenteuer im Sportunterricht der Hauptschule zur Mini-Mango-Insel aufbrechen, macht sich die Parallelklasse gerade auf den Weg zum Unterricht von Helmut Kyri, Techniklehrer der Theodor-Heuss-Realschule. „Wir basteln ein Holzpuzzle“, verrät Kyri und lacht.

Denn aus den fertigen fünf, selbst ausgesägten Teilen sollen die Mädchen und Jungen ein Haus legen – eine knifflige Aufgabe. „Für einige ist es das erste Mal, dass sie eine Säge in der Hand haben“, berichtet der Techniklehrer und fügt nicht ohne Stolz in der Stimme hinzu: „Die Kinder sind erstaunlich fit, was das Technische angeht“, lobt Kyri. Alle Kinder verlassen seinen Unterricht mit einem Lächeln: Sie dürfen die ausgesägten Teile nämlich mit nach Hause nehmen.

Währenddessen sorgt Vera Düx, Chemielehrerin am Konrad-Adenauer-Gymnasium, bei ihrer jungen Zuhörerschaft für reichlich Verblüffung: Sie hält im Chemieraum einen Glaskolben mit einer durchsichtigen Flüssigkeit in der Hand. Alle Drittklässler haben große Schutzbrillen aufgesetzt. Ein weithin hörbares „Boooah“ geht durch den Fachraum, denn plötzlich ist aus der Flüssigkeit alle Klarheit gewichen: Mit Rotkohlsaft und Zitronensäure funktioniere das anschauliche Experiment, welches ganz augenscheinlich das Interesse an der Naturwissenschaft weckt. Auf eine einfache Formel bringt Düx das Phänomen: „Sauer macht lustig“, sagt sie.

Dass die drei Schulen nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten, unterstreicht auch Ewald Auel, stellvertretender Schulleiter der Theodor-Heuss-Realschule. „Wir Schulleiter treffen uns wöchentlich. Es kommt sehr oft vor, dass Schüler innerhalb des Campus wechseln können“, berichtet Auel, dessen Schule vom 4. Juni bis zum 7. Juli dieses Jahres die Gründung vor 40 Jahren begehen wird.

Nicht nur das Schulgelände an der Königsberger Straße sei offen, auch die Durchlässigkeit der drei Schulformen unter einem Dach sei es. „Wir können schnell reagieren – in beide Richtungen“, erklärte Iris Kadner. Selbstverständlich sei das nicht – in Meckenheim jedoch seit Jahren gepflegte und gelebte Praxis, so die KAG-Schulleiterin.