280 Tonnen Betonschutt

So verlief der Brückenabriss auf der Autobahn 565

Meckenheim. Sieben Stunden lang arbeiteten Bagger auf der Autobahn 565. Noch bis Montagmorgen bleibt die Strecke zwischen den Anschlussstellen Merl und Meckenheim-Nord gesperrt. So verlief der Abriss der Fußgängerbrücke.

Sie hat sich lange gewehrt, manchmal wackelte sie bedenklich. Aber am Schluss hatte die Fußgängerbrücke über die A565, die Merl von der Grenzstraße aus mit dem Kottenforst verbindet, gegen die drei Bagger keine Chance. Knapp sieben Stunden donnerten die schweren Hydraulikhammer gegen das Bauwerk. Um 1 Uhr in der Nacht zum Sonntag hatte der Abriss begonnen. Kurz nach 8 Uhr lagen 280 Tonnen Betonschutt auf der gesperrten Autobahn. Sie wird voraussichtlich am Montagmorgen um 5 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben.

Doch der Reihe nach. Vor einigen Wochen hatten Fachleute des Landesbetriebs Straßenbau NRW festgestellt, dass die 61 Meter lange Spannbetonbrücke, Baujahr 1973, nicht mehr verkehrssicher war. An fast allen untersuchten Spannstahllitzen zeigte sich beim Streckversuch sprödes Bruchverhalten und an den Spanngliedern fortschreitende kristalline Korrosion.

"Die Brücke hätte im schlimmsten Fall sogar einstürzen oder Teile hätten auf die Fahrbahn fallen können", so Bülent Özcay, Projektleiter Brücken bei Straßen NRW. Deshalb wurde die Brücke umgehend gesperrt. Für den Abriss, den die Firma Prangenberg & Zaum aus Viersen im Auftrag des Landesbetriebs Straßen übernahm, musste nun auch die A 565 zwischen den Anschlussstellen Meckenheim-Nord und Merl voll gesperrt werden.

Die Verkehrslage in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis

 

Am Samstag um 19 Uhr können die Bauarbeiter loslegen. Bevor es jedoch an den Abriss geht, muss ein 25 Meter breites Sand- und Kiesbett auf die Autobahn gelegt werden, damit die herabfallenden Brückenteile die Fahrbahn nicht beschädigen. Die benötigten 1000 Kubikmeter Sand-Kies-Gemisch werden, verteilt auf 89 Lkw-Ladungen, von einem Lagerhof in der Nähe zur Baustelle transportiert. Bis 23 Uhr dauert diese Aktion. Parallel dazu werden sechs Einwegstützen unter der Brücke installiert. "So kann der Abriss kontrolliert ablaufen", erläutert Diplom-Ingenieur Thomas Schneckenberg, Technischer Leiter bei Prangenberg & Zaum, der den Abriss geplant hat und die Arbeiten vor Ort koordiniert. Ohne diese Stützen wäre der Einsturzpunkt unkontrolliert, was eine Gefahr für die Mitarbeiter bedeuten würde.

Beton gleichmäßig abgetragen

Gegen 1 Uhr machen sich die Bagger auf der durch "Giraffen" (Lichtmasten) beleuchteten Baustelle über die Brücke her. Ihre Greifarme verfügen über zwei Aufsätze: Mit der Betonzange "knabbern" sie am Beton und reißen ganze Stücke heraus. Es wirkt fast so, als würden stählerne Dinosaurier zubeißen. Mit dem Hydraulikhammer klopfen die Bagger den Beton quasi weich. Die Bagger fressen sich nicht etwa an einer Stelle in die Brücke, sondern tragen den Beton gleichmäßig ab.

Um 2.30 Uhr haben sich unter der Brücke bereits ansehnliche Schutthaufen gebildet. "Wir müssen vorsichtig vorgehen", sagt Schneckenberg in sicherer Entfernung von der Brücke. Denn immer wieder platzen Betonteile ab und fliegen bis zu 20 Meter weit. "Jedes Bauwerk ist anders aufgrund seines Alters und seiner Konstruktion. Wir können nicht in den Beton hineinschauen." Der bröselt zwar unaufhörlich zu Boden, doch die Brücke scheint in sich noch stabil zu sein.

Gegen 3.50 Uhr zeigt das Bauwerk erste Schwächen. Es wackelt bedenklich, die schon freigekratzten Bewehrungseisen ragen in den Nachthimmel. Könnte jeden Moment einstürzen, denkt der Laie. Doch Schneckenberg erklärt, dass die Brücke von Spanneisen zusammengehalten werde. Bis zum "Versagungspunkt", dem Moment des Einsturzes, könne es noch zwei Stunden dauern.

Brücke schaukelt, stürzt aber nicht ein

5.20 Uhr, es wird langsam hell über der Autobahn. Die ersten Kollegen der nächsten Zwölf-Stunden-Schicht, die um 6 Uhr beginnt, trudeln ein. Die Bagger bearbeiten jetzt die Kottenforst-Seite der Brücke. Sie schaukelt immer mehr, stürzt aber noch nicht ein. Um 5.50 Uhr ist die erste Lücke gerissen. Auf etwa zehn Metern existiert kein Beton mehr, nur die eisernen Spannlitzen sind noch zu sehen. Nach und nach putzen die Bagger jetzt auch den restlichen Beton weg. Gegen 8 Uhr wird die Mittelstütze im Diamantsägeschnittverfahren abgeschnitten. Auch die Wände der beiden Widerlager werden entfernt.

Jetzt muss nur noch durchgefegt werden. Die Aufräumarbeiten beginnen gegen 10 Uhr. Radlader heben die Betonteile, den Sand und den Kies auf die bereitstehenden Lkw. Im Lagerhof wird das Material separiert. Sand und Kies werden als Baustoffe Verwendung finden, der Beton im Straßenbau. Bereits vor dem Abriss war festgestellt worden, dass der Beton keine Schadstoffe enthält und wiederverwertet werden kann. "Die Arbeiten sind ideal gelaufen", sagt Schneckenberg nach durchwachter Nacht.

Der Neubau wird etwa eine Million Euro kosten. Die neue Brücke aus vorgefertigten Hauptträgern soll Ende 2019 eingesetzt werden kann. Auch dann muss die A565 wieder für einige Tage gesperrt werden.