GA-Interview

Sibylle Freifrau von Nordeck: "Das Engagement ist bewundernswert"

"Wenn es Kulturdenkmäler nicht gäbe, würden wir unsere kulturellen Wurzeln verlieren", sagt Sibylle Freifrau von Nordeck.

Meckenheim. Seit zehn Jahren kämpft der Förderverein "Pro Obere Mühle" für eine museale Nutzung des denkmalgeschützten Ensembles an der Swist. Die Obere Mühle ist das letzte Industriedenkmal in Meckenheim. Um es als Zeugnis der Vergangenheit zu erhalten, gründete sich im Jahr 2003 der Verein mit 18 Mitgliedern um die Vorsitzende Sibylle Freifrau von Nordeck.

Ziel war es, das Gebäude mit einer funktionierenden Mühlentechnik zu erhalten und zugänglich zu machen. Dies konnte noch nicht erreicht werden, jedoch wurde die Grundsicherung des Gebäudes mit Geldern vom Landesbauministerium (102.000 Euro), der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (40.000 Euro) und von der Stadt Meckenheim (462.700 Euro) - insgesamt 604.700 Euro - durchgeführt.

Was fehlt, ist ein Nutzungsvertrag zwischen Stadt und Verein sowie die Restaurierung der Maschinen. Über bereits Erreichtes und über die Schwierigkeiten beim Erhalt des Denkmals sprach Martina Welt mit der Vereinsvorsitzenden Sibylle Freifrau von Nordeck.

Welches waren die ersten Hindernisse, die sich Ihnen in den Weg gestellt haben?
Sibylle Freifrau von Nordeck: Die ersten Hindernisse waren die Zweifel an der Denkmalwürdigkeit der Mühle. Die Politiker zeigten sich lange abwartend bis skeptisch, verlangten nach Konzepten und forderten eine möglichst kostenneutrale Nutzung.

Worauf sind Sie rückblickend besonders stolz?
von Nordeck: Das ist der Ortstermin, der am 14. März 2007 auf Vereinsinitiative mit Vertretern des NRW-Innenministeriums, des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege, der Bezirksregierung und der NRW-Stiftung sowie der Meckenheimer Verwaltung durchgeführt wurde. Dieser Termin brachte den Durchbruch und verpflichtete die Stadt zur Grundsicherung des Mühlengebäudes. Es ist gelungen, die Obere Mühle als wertvolles technisches Baudenkmal wieder im Bewusstsein von Bevölkerung, Politikern und Verwaltung zu verankern.

Viele Menschen kritisieren in Zeiten knapper Kassen das Engagement für Kulturdenkmäler. Was sagen Sie dazu?
von Nordeck: Kulturdenkmäler sind wertvolle Zeugnisse der Geschichte. Wenn es sie nicht gäbe, würden wir unsere kulturellen Wurzeln verlieren. Es ist wichtig und erfreulich, wenn Vereine die Kultur pflegen und versuchen, das Wenige aus der Vergangenheit zu retten. Die Obere Mühle ist das letzte technische Denkmal in unserer Stadt.

Wie ist Ihr Resümee zur Arbeit des Vereins bis heute?
von Nordeck: Der Verein hat sich eine erhebliche fachliche und technische Kompetenz erworben. Er ist sehr gut vernetzt. Aus meiner Sicht ist das lang anhaltende Engagement von Vorstand und Vereinsmitgliedern angesichts anhaltender Widerstände bewundernswert.

Was steht in der Zukunft an?
von Nordeck: Vorrangig sind die Probleme aus dem Kaufvertrag zu klären. Nach Meinung der Stadt kommen bauplanungsrechtliche Anpassungen hinzu, damit die Mühle als Besuchermühle museal genutzt werden kann. Danach wäre der Nutzungsvertrag zwischen Stadt und Förderverein Voraussetzung dafür, dass die Restaurierung der Maschinen und der Innenausbau begonnen werden können. Der Endzustand wäre eine funktionsfähige Besuchermühle, die sich als kleines museal-touristisches Zentrum präsentiert. Hierzu gibt es Vorschläge der Bürgerprojektgruppe und ein Nutzungskonzept, das im Auftrag der Stadt von dem Architekten Dietrich Christott in den zuständigen Ausschüssen vorgestellt wurde.