„Rokoko“ verblüht am Stock

Schlechte Ernte bei den Freilandrosen in Meckenheim

Meckenheim. Bernd Hoffmann baut auf seinem Rosenhof in Meckenheim 50 Sorten Freilandrosen an. Mit dem Witterungsrisiko kämpft der Rosenanbauer immer, in diesem Jahr hat Wetter einen Strich durch die erste Rosenernte gemacht.

Noch vor wenigen Wochen gab es ein Bild auf den Feldern rund um den Rosenhof an der Wormersdorfer Straße in Meckenheim zu sehen, das Seltenheitswert hat: Prächtig aufblühende Rosenstöcke so weit das Auge reicht, ein Traum aus Rot- und Rosatönen. Damit es genau dieses schöne Bild nicht zu sehen gibt und die Rosen statt auf seinen Feldern in den Vasen der Blumenläden blühen, erntet Bernd Hoffmann, Eigentümer des Rosenhofes, mit seinem Team die Rosen für gewöhnlich beizeiten.

Doch in diesem Jahr macht die Trockenheit einen Strich durch die Rechnung. So konnte Hoffmann den ersten Flor nur zum Teil ernten und musste viele Rosen quasi auf dem Feld aufblühen lassen. Auch wenn der 52 Jahre alte Rosenzüchter bereits deftige Einbußen befürchtet: Der Anbau von Rosen bleibt für ihn und seine Frau Katja Hoffmann (48) ein lohnendes Geschäft. Denn der Familienbetrieb bedient eine lukrative Nische: Freilandrosen sind ein Verkaufsschlager.

Das Unternehmen von Bernd Hoffmann ist eine kleinen Erfolgsgeschichte, die belegt: Meckenheim ist zwar weithin bekannt als „Apfelstadt“, die sich vor allem durch den Anbau von qualitativ hochwertigem Obst einen Namen gemacht hat. Aber es blüht und gedeiht eben auch noch manch anderes Naturprodukt in den wasserreichen Lehm-Löß-Böden. Beispielsweise Freilandrosen, mit deren Zucht der gelernte Baumschulmeister 1989 begonnen hat.

Was sich das Ehepaar Hoffmann damals nie erträumt hätte: Das Geschäft mit der Aufzucht und dem Verkauf der Freilandrosen läuft blendend. Grund: „Es gibt in Deutschland nur noch wenige Züchter von Freilandrosen“, so Hoffmann. Schließlich hätten weitgehend Firmen aus den Niederlanden das Rosengeschäft in ihrer Hand. Doch die Produzenten aus dem Nachbarland müssen mit einem Mangel ihrer Ware leben: „Unsere Freilandrosen duften, das kennt man von den niederländischen Gewächshausrosen nicht.“ Zudem kämen aus den Niederlanden auch nur rote Rosen. „Der Rest wird aus afrikanischen Ländern wie Kenia und Äthiopien importiert“, erklärt Bernd Hoffmann.

Bis 1996 waren Blumenhandlungen und Großhändler die Abnehmer der Meckenheimer Rosen. Dann bekam Hoffmann einen Anruf von einem Mitarbeiter der „Niederrheinischen Blumenvermarktung“. Der Anrufer fragte ihn auf den Kopf zu: „Willst Du die Vermarktung Deiner Rosen nicht auf Versteigerungen durchführen?“ Genau das tat Familie Hoffmann mit der Folge, dass das Unternehmen kräftig expandierte. Der Rosenhof an der Wormersdorfer Straße, so wie man ihn heute kennt, öffnete im Jahr 2003. Den Hofladen „Rosen und mehr…“ betreibt Katja Hoffmann seit drei Jahren.

An Auswahl herrscht für die Kunden kein Mangel. Schließlich beträgt die Anbaufläche mittlerweile rund sechs Hektar. Etwa 50 Sorten wachsen rund um den ehemaligen Aussiedlerhof. „Und zwar ohne den Einsatz von Herbiziden“, betont Hoffmann. Die Sorten tragen dabei so klangvolle Namen wie „Nostalgie“, „Piano“ oder „Rokoko“. Zwischen Mitte Mai und Mitte November werden die Rosen sechs Tage in der Woche geschnitten und für die Vermarktung vorbereitet.

Dazu geht es fünf Mal pro Woche mit dem firmeneigenen Laster und Tausenden der königlichen Blumen auf der Ladefläche nach Straelen-Herongen am Niederrhein. „Dort wird meine Ware dann von der Firma Veiling Rhein-Maas versteigert“, erklärt Hoffmann.

Damit die Rosen den Transport gut überstehen, vor allem nicht vor der Versteigerung aufblühen, sind Bernd Hoffmann und seine acht Mitarbeiter täglich zwischen den Rosenstöcken unterwegs. Mit einer Spezialschere bekommen die Rosenknospen „bereits in ihrer ersten leichten Aufblühphase einen Schnitt“, so Hoffmann. „So soll sichergestellt werden, dass die Rosen erst beim Kunden aufblühen.“

In diesem Jahr hat Hoffmann – wie viele andere Landwirte auch – allerdings das Wetter einen Strich durch die erste Rosenernte gemacht. Noch im April gab es Nachtfröste und dann setzte eine lange Trockenheit mit Temperaturen von bis zu 37 Grad den Rosen zu. Die Folge: Die Rosen erreichten nicht die für die Vermarktung nötige Länge von zwischen 30 und 50 Zentimetern. „Darum haben wir uns gar nicht erst die Mühe gemacht, sie abzuschneiden, sondern sie am Stock aufblühen lassen.“

Ein Bild, das Passanten freut, Familie Hoffmann eher weniger. Bernd Hoffmann hält übers Jahr gesehen Umsatzeinbußen „von bis zu 30 Prozent für möglich“. Trotzdem kommt es für ihn nicht infrage, Rosenstöcke unter schützenden Folientunneln zu züchten, wie es beispielsweise ein Bonner Rosenzüchter praktiziert: „Die Folientunnel müssen aufwendig bewässert werden“, erklärt er.

Dabei gewährleiste der Meckenheimer Löß-Lehm-Boden eigentlich eine ausreichende, natürliche Bewässerung. „Der ist ideal für die Rosenzucht“, weiß Hoffmann zu berichten. Darum hofft der Rosenzüchter jetzt erst einmal auf mehr Regen.