Ehrenamt in Meckenheim Raimund Schink kümmert sich um das Grün am Synagogenplatz

Raimund Schink sorgt dafür, dass die Gedenkstätte am Synagogenplatz immer gepflegt aussieht.

MECKENHEIM. Raimund Schink kümmert sich seit zwölf Jahren um die Grünanlage am Synagogenplatz in Meckenheim. Der 73-Jährige ist auch im "Verein Engagierter Christdemokraten - Aktiv für Soziales" tätig.

Frisches Grün, Begonien als Farbtupfer, sorgfältig geharkte Erde: Die kleine Anlage am Gedenkstein für die Meckenheimer Synagoge sieht immer gepflegt aus. „Im Frühling, wenn die Tulpen und Narzissen blühen, ist sie am schönsten“, sagt Raimund Schink. „Dafür setze ich im Herbst wieder 250 Blumenzwiebeln.“

Seit zwölf Jahren kümmert er sich ehrenamtlich um die Erinnerungsstätte – mindestens einmal pro Woche sehen ihn die Passanten und Geschäftsleute dort jäten, gießen, graben und fegen. Die Pflanzen kauft er auf eigene Kosten, das Wasser bringt er mit. Während des heißen Sommerwetters war er ständig im Einsatz, damit nicht alles verdorrte.

Schink, 73 Jahre alt, ehemaliger Berufssoldat und Opa dreier Enkelkinder, hat viele Ehrenämter: Er ist seit 1999 CDU-Ratsherr in Meckenheim und seit 2014 auch Mitglied des Kreistags, außerdem Vorsitzender des „Vereins Engagierter Christdemokraten – Aktiv für Soziales“, der Geld für Bedürftige erwirtschaftet. Darüber hinaus betreut er Flüchtlingsfamilien. Die Idee, eine Patenschaft für die Gedenkstätte am Synagogenplatz zu übernehmen, kam ihm am 9. November 2006 bei der Gedenkfeier zum Jahrestag der Pogromnacht von 1938.

Damals wurde in Meckenheim, anders als heute, an der Grünpflege gespart, was im Stadtbild deutlich sichtbar war: „Mir fiel auf, wie ungepflegt die Beete um den Stein herum aussahen, das fand ich unwürdig.“ Er bot der damaligen Bürgermeisterin Yvonne Kempen an, die Pflege zu übernehmen. Und blieb dabei.

Die Meckenheimer Synagoge, die seit 1870 Zentrum des jüdischen Lebens war, wurde im Zuge des Novemberpogroms 1938 verwüstet und im Krieg endgültig zerstört. 1942 wurden die noch in Meckenheim verbliebenen jüdischen Mitbürger deportiert. Niemand von ihnen, ob Mann, Frau oder Kind, überlebte. Der Gedenkstein erinnert seit den 1970er Jahren an die Opfer und an ihr früheres Gotteshaus. Die „Stolpersteine“ im Pflaster der Altstadt nennen die Namen der Verschleppten und Ermordeten.

Raimund Schink ärgert sich oft darüber, dass die Grünanlage rund um den Stein mit Zigarettenstummeln und Müll sowie Hundekot verunreinigt wird. „Es ist mir schon passiert, dass mir jemand die Kippe direkt vor die Füße geworfen hat, während ich hier gearbeitet habe. So etwas ist mir unerklärlich – das ist doch ein Ort des Gedenkens.“ Andererseits kann er sich über viele positive Reaktionen der Passanten freuen.

Die Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus hat für Schink auch eine persönliche Bedeutung. Sein Großonkel, Bruder seines Großvaters, war den Nazis wegen seiner Zugehörigkeit zur Zentrumspartei ein Dorn im Auge. Er kam im Konzentrationslager Buchenwald ums Leben. „Das hat meine Familie sehr geprägt.“

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