Naturschutz in Meckenheim

Protest gegen Steingärten in Bürgersprechstunde

Meckenheim. Eine Meckenheimer Bürgerin hat im Rahmen einer Bürgersprechstunde gegen die aus ihrer Sicht trostlosen Steingärten mobilisert. Sie wies dabei insbesondere auf dessen umweltfeindliche Gestaltung hin. Jetzt soll sich ein Ausschuss mit dem Thema befassen.

Wären die Fakten nicht so sachlich vorgetragen worden, so hätte man von einer Wutrede sprechen können, die Heike Rudorf im Haupt- und Finanzausschuss im Rahmen eines Bürgerantrags in der Bürgersprechstunde hielt.

Vermeintlich pflegeleichte "Steingärten" sind ihr und vielen Nachbarn ein Dorn im Auge. Die unnötige Oberflächenversiegelung und umweltfeindliche Gestaltung angesichts der aktuellen Umweltprobleme findet sie nicht hinnehmbar und fordert Maßnahmen seitens der Stadt.

Wer vor 50 Jahren nach Meckenheim zog, der wollte im Grünen leben. Grün sei die Stadt damals auch gewesen, so Rudorf. Vor zwei Jahren zog sie zurück in die Apfelstadt und seitdem fällt ihr die zunehmende "Vergrauung" der Stadt auf.

Kies, Steine und Platten ersetzen schrittweise das Grün der Vorgärten, so die Bürgerin. Der Nabu (Naturschutzbund Deutschland) nennt diese Steinwüsten gar "Gärten des Grauens", zitiert sie.

Für diese Gestaltung, die von echten Steingärten mit Lebensräumen für heimische Tierarten zu unterscheiden sind, spricht nach Meinung der Antragstellerin außer dem Gewinninteresse der entsprechend werbenden Unternehmen wenig.

Manche ältere Menschen lassen solche Gärten in dem Glauben anlegen, dass sie damit weniger Arbeit haben. Dass sie schon nach kurzer Zeit dem sich auf den Steinen und dazwischen bildenden Moos und Unkraut mit üblen Chemikalien zu Leibe rücken müssen, erfahren viele viel zu spät.

Steingärten bringen mehr Nachteile als Vorteile

Diplom-Biologe Dirk Holtermann bestätigt das: "Wind und Tiere tragen Staub, Schmutz und Samen ein. So siedeln sich nach ein bis drei Jahren die ersten Pflanzen an." Deren Wurzeln fressen sich in die unterlegte Folie und sind dadurch wesentlich schwieriger zu entfernen als vorher – es sei denn, man setzt giftige Herbizide ein, so Holtermann.

Da für solche Anlagen die obere Bodenschicht abgetragen wird, geht Lebensraum für Bewohner der Bodenfauna von der Amöbe über nützliche Regenwürmer bis zu den als gefährdete Art auf der roten Liste stehenden Spitzmäusen verloren.

Zudem wirkten sich zugeschüttete Gärten und gepflasterte Flächen auf das Stadtklima aus: Die Böden heizen sich im Sommer schnell auf, speichern die Hitze und strahlen sie wieder ab. Auch Regenwasser kann nicht mehr versickern, laufe seitlich ab und überflute den eigenen Keller oder den des Nachbarn.

Rudorf fordert von der Stadt, vor allem in Neubaugebieten eine solche Gartengestaltung zu verbieten. Weiterhin regt sie mit Blick auf die Aktion "Lass deine Stadt aufblühen" an, ähnlich effektive Aktionen zu entwickeln.

Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss geplant

Hinsichtlich der Maßnahmen bei Neubauten und im entstehenden Gewerbepark verwies Bürgermeister Bert Spilles auf viele Maßnahmen, die in vorangegangenen Sitzungen besprochen und bereits ergriffen wurden. Als eine von mehreren Informationsmöglichkeiten führte er die Dankveranstaltung für die Grünflächenpaten der Stadt an, von der er sich einen Multiplikationseffekt erhofft.

Die Vertreter aller Parteien äußerten sich interessiert an dem Thema und den Vorschlägen. Rainer Friedrich (CDU) führte aus, dass seine Fraktion auf Information statt Verbote setze. Für die SPD wies Brigitte Kuchta darauf hin, dass man bereits früher angestoßen habe, hier mehr zu tun. Beispielsweise blühende Flächen zu schaffen, die maximal zwei bis vier Mal im Jahr gemäht werden.

Anita Orti von Havranek (Bündnis 90/Grüne) regte an, mit gutem Beispiel voranzugehen und städtische Flächen entsprechend zu gestalten. Für die BfM wies Johannes Steeger darauf hin, dass man bereits früher in Vorgaben festgelegt habe, die Bepflanzung wasserdurchlässig zu gestalten, und schlug vor: „Vielleicht sollten wir zu dieser Tugend zurückkommen.“

Einstimmig fassten die Votierenden den Beschluss, das Thema im kommenden Stadtentwicklungsausschuss zu diskutieren.