Obstplantagen in Meckenheim

Nachtfröste: Bis zu 95 Prozent der Obstblüten um Meckenheim erfroren

Durch Nachtfrost teilweise bräunlich verfärbt sind die Blütenblätter dieses Apfelbaumes. FOTO: DPA

Durch Nachtfrost teilweise bräunlich verfärbt sind die Blütenblätter dieses Apfelbaumes. FOTO: DPA

MECKENHEIM. Der Schaden, den die Nachtfröste in den vergangenen Wochen hinterlassen haben, ist immens: Etwa 95 Prozent aller Blüten an den Obstbäumen in der Region sind erfroren. Für viele Obstbauern ist der zu erwartende Ernteausfall existenzbedrohend.

In der Nacht zum Mittwoch gab es noch mal Minusgrade in den Obstplantagen, und die Meckenheimer Obstbauern haben mithilfe ihrer Windmaschinen wärmere Luft von oben in Bodennähe befördert, um zu retten, was eventuell noch zu retten ist. Jetzt hat der Wetterbericht Entwarnung gegeben, die Temperaturen bleiben mild. Doch der Schaden, den die Nachtfröste in den letzten Wochen hinterlassen haben, ist immens: Etwa 95 Prozent aller Blüten an den Obstbäumen seien erfroren, schätzt Lothar Krämer, der auf seinen Obstplantagen Bio-Anbau nach den Demeter-Richtlinien betreibt.

Wie groß der Schaden wirklich sei, könne er erst etwa Ende Mai absehen, wenn die Fruchtansätze sichtbar würden. Nur etwa ein Viertel seiner Plantagen werde von Windmaschinen vor Frost geschützt. Und die hätten in der Nacht vom 19. auf den 20. April auch nicht mehr helfen können, weil auch in den höheren Luftschichten Minustemperaturen geherrscht hätten.

„Die Frühblüher sind alle kaputt“, resümiert Krämer. Für viele Obstbauern sei der zu erwartende Ernteausfall existenzbedrohend, weiß er. Bereits 2011 sei ein „Frostjahr“ gewesen und habe Löcher in die Kassen der Obstbauern gerissen. In Österreich gebe es inzwischen eine Frostversicherung, berichtet Krämer und hofft darauf, dass es ähnliche Lösungen auch bald hierzulande geben wird.

Auch Ralf Nörthemann vom Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer NRW bestätigt die starken Frostschäden. Bei den Obstbäumen sei die Hauptblüte fast komplett erfroren. Ein wenig Hoffnung gebe es, weil es noch eine spätere Blüte am einjährigen Holz gebe, die eventuell nicht betroffen sei.

Nicht die Nachtfröste im Frühjahr seien die Ursache für den Frostschaden, denn die seien normal. Den Grund sieht Nörthemann vielmehr im ungewöhnlich warmen März und in der früher einsetzenden Vegetation. Die Windmaschinen, mit denen die Meckenheimer Obstbauern ihre Plantagen zu schützen versuchten, seien nur eine Notlösung. Einzig wirksam sei eine Frostschutzberegnung, sagt der Fachmann. Doch dafür fehle das Wasser. Künstlich angelegte Wasserreservoirs oder Teiche könnten eine Lösung darstellen. Nicht ganz so schlimm wie die Kirsch-, Apfel- und Birnbäume seien die Erdbeeren betroffen, meint Nörthemann.

Doch auch Heinz Gieraths, der sich auf deren Anbau spezialisiert hat, beklagt Schäden. Selbst unter dem Stroh und den Folien, mit denen er einige Plantagen abgedeckt habe, seien Blüten erfroren. Unter den Früchten, die jetzt reif seien und gepflückt würden, seien viele deformierte. Auf einigen Feldern beklagt Gieraths einen Totalausfall. „Da braucht man gar nicht zu pflücken“, sagt er.

Spätere Sorten seien vom Frost nicht betroffen. Ob jedoch noch Hagel oder Starkregen für weitere Ausfälle sorgen, bleibe abzuwarten. Wie hoch der Ernteausfall tatsächlich sein wird, kann der Obstbauer noch nicht beziffern. Auch machte er sich keine Illusionen, dass die Preise für das Obst in den Himmel steigen werden – die Verbraucher seien nicht bereit, so viel dafür zu bezahlen, meint Gieraths.