Ruhrfeld-Porträt

Mecktown, Mafia und Kaputtschläger

Schmierereien sind hier auf der kleinsten Flächen.

MECKENHEIM. "Hier regiert die Kölnkreuzmafia", "Kein Durchgang für Deutsche". An Hauswände, auf Hinweisschilder, auf Gehwege sind solche Sprüche gesprüht. Das ist alles andere als einladend, und so soll es auch sein. Die Jungs aus den Wohnblocks am Kölnkreuz und an der Adendorfer Straße - im Viertel begegnet man kaum Mädchen - gefallen sich in der Pose der Ghetto-Gangster. Zehn-, Elf-, Zwölfjährige.

Und wer sich auf der Internet-Plattform You Tube umtut, findet mehr davon: Videos und Fotosequenzen mit Halbwüchsigen, die demonstrativ Wasserpfeife rauchen, sich auf einer Parkbank lümmeln, Bilder von Schmierereien in Hausfluren, Bilder von brennenden Mülleimern, von heruntergekommenen Wohnblocks. Titel eines Beitrags: Ghetto von Meckenheim.

Meckenheim heißt im Jugendjargon "Mecktown". In diversen Chatrooms und Foren tauschen sich Jugendliche aus über ihre Stadt: Da sei es schlimm, schon wegen der Gangs KKM und AKS: Kölnkreuzmafia und Allgemeine Kaputtschläger. "Mecktown is eine der härtesten städte mit frankfurt und berlin! die ganzen kurden und türken hier sind kickboxer oder junkies mit richtigen waffen. hut ab vor denen die im kölnkreuz überleben", schreibt einer unter dem Pseudonym bob.

Auch Mustafa (Name geändert) wohnt im Ruhrfeld, die Familie des jungen Kurden lebt seit 30 Jahren in Deutschland. Er kennt das Leben der Migranten: Ob Türken, Kurden, Marokkaner, die Männer sind die Patriarchen, die Söhne müssen spuren. Respekt sei in den Familien wichtig, draußen seien die Kinder dann frech.

Schon Achtjährige seien aggressiv, bedrohten andere mit Messern, um ihnen Handys oder i-Pods abzunehmen. "Die kleinen gucken sich alles von den großen Brüdern ab", erzählt der 18-Jährige. Wer mit einem Auto und anderen Besitztümern protzen kann, wird bewundert, egal, wie diese Statussymbole erworben wurden. Drogen jeder Art seien in Meckenheim im Umlauf. "Ich hätte auch auf die schiefe Bahn kommen können", sagt er.

Aber sein Großvater habe ihm immer wieder gesagt, er solle zur Schule gehen, damit aus ihm was wird. Mustafa besucht ein Gymnasium in Rheinbach. "Ich habe meinen Verstand eingesetzt", sagt er stolz. "Die Familien müssten ihre Kinder mehr fördern", hat er erkannt, "Bildung ist wichtig."

Der Stadtteil Ruhrfeld

Der Stadtteil Ruhrfeld im Süden Meckenheims entstand zwischen 1967 und 1976. Es wurden überwiegend Mehrfamilienhäuser gebaut, meist als öffentlich geförderte Mietwohnungen, an der Adendorfer Straße auch Bundesbedienstetenwohnungen.

Ruhrfeld ist ein Beispiel für das Phänomen der Segregation: Einkommensstärkere und integrierte Bewohner haben dem Quartier den Rücken gekehrt, als es nicht mehr ihren Ansprüchen an Wohnqualität genügte. Zurück blieben Familien, die wenig Möglichkeiten bei der Wohnortwahl haben. Durch das gewandelte Image der betreffenden Wohnblocks stieg die Zahl der einkommensärmeren Bewohner.

Heute leben im Stadtteil gut 2 000 Menschen, davon rund 600 mit Migrationshintergrund, etwa ein Drittel der Bürger ausländischer Herkunft. 40 Prozent davon sind unter 18 Jahre alt.