Interview mit Bert Spilles

Meckenheims Bürgermeister Bert Spilles im Gespräch

Meckenheim. Innerhalb eines Jahres gleich drei Großprojekte abschließen zu können, ist kein schlechter Schnitt. Doch bei Weitem nicht hinter allen Großprojekten in Meckenheim konnte Bürgermeister Bert Spilles 2017 einen Haken machen.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie bezüglich der Jungholzhalle und des Rathauses?

Bert Spilles: Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Die Akzeptanz aus der Bevölkerung liegt auch daran, dass wir den Zeit- und Budgetrahmen eingehalten haben. Wir sind froh, dass wir eine Projektsteuerungsgruppe mit der Politik eingerichtet haben, in der immer wieder über den Stand der Planungen informiert wurde. Dadurch haben wir Transparenz geschaffen und konnten einheitliche Beschlüsse in den Gremien erreichen. Der Tag der offenen Tür im Rathaus war echt überwältigend. Da sind wir wirklich überrannt worden.

Dass es nun ein zentrales Rathaus gibt anstatt vier Verwaltungsstandorte ist gewiss kein Nachteil?

Spilles: Wir merken es im Betrieb selbst: Die Wege sind kürzer, die Kommunikation ist intensiver und das Arbeitsumfeld ist ein moderneres. Im Nachgang vergisst man ja die Sorgen und die schlaflosen Nächte während der Planungs- und Bauphase. Jetzt ist es toll, dass wir ein modernes Gesamtensemble aus Rathaus und neuer Jungholzhalle haben.

Und viele, die die neue Jungholzhalle besucht haben, loben die tolle Akustik.

Spilles: Ja. Deswegen haben wir noch mal Geld für die Technik nachgelegt und wirklich das Optimale rausgeholt. Beim Jahreskonzert der Tomburg Winds haben wir erlebt, dass die Akustik super ist. Und 800 Menschen passen rein – das ist natürlich eine Hausnummer. Für viele Veranstaltungen ist das interessant.

Mit dem neuen Rathaus sind im Ruhrfeld Räumlichkeiten frei geworden, die bislang von der städtischen Jugendhilfe sowie als Sitzungsräume genutzt wurden. Der VHS-Zweckverband Voreifel hat Ihren Vorschlag, dort die VHS-Zentrale unterzubringen, reserviert aufgenommen. Glauben Sie, es gibt Ressentiments gegen den Vorschlag, da das Ruhrfeld als nicht so repräsentativ angesehen wird, wie der Standort in Rheinbach?

Spilles: Wenn Sie diese Frage stellen, stelle ich die Gegenfrage: Worum geht es denn? Uns geht es darum, dass wir Räumlichkeiten für die Mitarbeiter der VHS und der Musikschule zur Verfügung stellen können, die auf dem Markt sind. Wir haben diese schon im März angeboten und uns danach zusammen mit VHS-Zweckverbandsvorsteher Stefan Raetz und VHS-Direktorin Barbara Hausmanns die Räume im Ruhrfeld angesehen. Unser Jugendamt war dort untergebracht: mit 22 Mitarbeitern und regem Publikumsverkehr. Alles ist ebenerdig und die Parkplätze sind vor dem Haus. Als stellvertretender Zweckverbandsvorsteher kenne ich die Situation in der bisherigen Geschäftsstelle. Im Ruhrfeld hätten wir eine Möglichkeit, die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter der VHS zu verbessern. Diese Lösung ist sofort umsetzbar. Und wir haben dort noch zusätzliche Räume, die für Kurse, für Ausstellungen oder als Lagerflächen für Instrumente genutzt werden können.

Die Zeit drängt ein wenig, da bis zum 30. April das bisherige Gebäude gekündigt werden kann. Was erwarten Sie von der nächsten Sitzung der Verbandsversammlung?

Spilles: Ich erwarte Objektivität und Offenheit. Was mich ärgert ist, dass so lange gewartet wurde. In der nächsten Sitzung kommen vielleicht Alternativen auf den Tisch, die sind meines Erachtens aber nicht da. Ich weiß nicht, warum ein Zweckverbandsmitglied unter gleichberechtigten Mitgliedern sagt: Wenn, dann nur bei uns. Ich weiß nicht, mit welcher Berechtigung das gefordert wird. Es muss eine wirtschaftliche und realistische Lösung sein, die alle mittragen.

Hinter einem anderen Großprojekt würden Sie gerne einen Haken machen: die Umgehungsstraße L 163n, die für die nördliche Stadterweiterung und die gesamte Stadt ein wichtiges Projekt darstellt. Wann können Sie zum Spatenstich laden?

Spilles: Das ist eine ärgerliche Angelegenheit. Als Stadt haben wir seit 2010 unsere Hausaufgaben gemacht und den städtischen Anteil an der Umgehungsstraße im Haushalt. Wir werden durch die Bahn immer wieder überrascht durch immer neue Sachbearbeiter. Da unser Zugriff auf die Bahn begrenzt ist, binden wir unsere Landes- und Bundespolitiker mit ein, um den Druck zu erhöhen. Wir haben Verständnis für alle, die kein Verständnis dafür haben, dass sich das so lange hinzieht.

Aber ohne Unterschrift der Bahn unter die Eisenbahnkreuzungsvereinbarung rollt kein Bagger...

Spilles: Ohne Unterschrift der Bahn kann die Stadt das Projekt nicht angehen, und – viel schlimmer – die Stadt kann sich nicht weiterentwickeln. Wir haben dort die nächste Gelegenheit für ein Wohnbaugebiet, und ohne Umgehungsstraße geht das nicht. Wir haben Baurecht geschaffen und den Grunderwerb für die gesamte Trasse schon getätigt. Für die Bewohner der Sonnenseite wäre es eine wesentliche Verbesserung, wenn sie ohne Schranken über die Bahngleise kämen. Es ist ärgerlich. Vor allem, weil es auch im Interesse der Bahn sein müsste, dass die Bahnübergänge geschlossen werden.

Abgeschlossen, zumindest baulich, ist die Fußgängerunterführung am Meckenheimer Bahnhof. Sie wirkt – nicht zuletzt aufgrund des apfelgrünen Anstrichs – recht freundlich. Wann erwarten Sie Klarheit darüber, wer für die Mehrkosten der verzögerten Bauarbeiten aufkommt?

Spilles: Für uns ist diese Unterführung der fußläufige Zuweg ins neue Wohnbaugebiet bzw. in die Stadt. Deswegen wollten wir eine größere, hellere, breitere, und freundlichere Unterführung. Aber es hat Nerven gekostet – in der Zeit haben wir ein ganzes Rathaus gebaut und die Altstadt saniert. Was die Mehrkosten angeht, warten wir erst einmal die Bauabnahme ab, die muss nämlich noch erfolgen. Und danach unterhalten wir uns über andere Dinge.

Im vergangenen Jahr sprachen wir an dieser Stelle über den Kommunalsoli. Im Juni forderte der Städte- und Gemeindebund die Abschaffung dieser Abgabe. Was glauben Sie, wie lange Sie die Überweisung noch tätigen müssen?

Spilles: Ich hoffe, dass wir ihn in diesem Jahr nicht mehr zahlen müssen. Für die Milliarden an Löchern, die in einigen hoch verschuldeten Kommunen gestopft werden müssen, ist der Kommunalsoli nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber für die Kommunen, die bis dato versucht haben, einen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen, ist es ungerecht. Wenn wir den Kommunalsoli nicht aufbringen müssten, im Jahr 2017 waren es 380 000 Euro, könnten wir das Geld zur Konsolidierung unseres eigenen, defizitären Haushalts einsetzen.

Von „himmelhochjauchzend“ bis „zu Tode betrübt“ reichte in diesem Jahr die Gefühlsskala eines FC-Fans. Was erwarten Sie für 2018?

Spilles: Mein Eindruck ist, dass die Situation unheimlich schwierig ist – vor allem für die Mannschaft, ohne all die fehlenden Leistungsträger. Trotz dieser Situation haben wir eine couragiert spielende Mannschaft. Ich würde mir wünschen, dass das Team weiterhin so mutig spielt und wer weiß... Schauen wir mal, wo sie dann am Ende der Saison stehen. Der Trainer Ruthenbeck kennt die jungen Leute, die er jetzt in die Mannschaft einbindet. Das finde ich gut.