Gedenken und Mahnung

Meckenheimer und Heimerzheimer erinnern an den Bombenangriff

Meckenheim/Heimerzheim. Mit einer Kranzniederlegung in der Kriegergedächtniskapelle von Sankt Johannes der Täufer und einem ökumenischen Gottesdienst haben die Kirchengemeinden und die Stadt Meckenheim am Montagabend der Opfer der Bombardierungen vor 70 Jahren im März 1945 gedacht.

Meckenheim "Ausgelöscht war, was über Jahrhunderte gewachsen und über Generationen vererbt", sagte Bürgermeister Bert Spilles: "Die Altstadt, das Herz Meckenheims, lag in Schutt und Asche." Bis heute habe Meckenheim dieses Trauma nicht vergessen. Das Ereignis habe sich in das Gedächtnis der Stadt eingegraben, sei die tiefste Zäsur in der Stadtgeschichte. Aus Trauer und Gedenken dürften aber nicht Anklage und Aufrechnung folgern, forderte Spilles. Erinnern bedeute auch Verantwortung und habe auch mit Gegenwart und Zukunft zu tun. Der Wiederaufbau der zerstörten Stadt zeuge von Tatkraft, Zuversicht und positiver Energie. Spilles forderte dazu auf, nicht in der Trauer zu verharren, sondern Hoffnung zu schöpfen, "dass es uns gelingt, gemeinsam eine Welt zu schaffen, in der Konflikte nicht mehr mit Gewalt ausgetragen werden und in der alle Menschen unterschiedlicher Herkunft, Rasse und Anschauung gemeinsam friedlich leben."

Der Gottesdienst wurde zelebriert vom katholischen leitenden Pfarrer Reinhold Malcherek und dem evangelischen Superintendenten Pfarrer Mathias Mölleken. Gegen Diskriminierung, Intoleranz und Gewalt als politisches Mittel sprach sich Mölleken aus. Unbedingt dem Frieden den Weg zu bereiten, dazu sollten die Namen der Opfer als Mahnung dienen, sagte Malcherek. Zum Gedenken wurden die Namen der mehr als 200 Opfer von den Gymnasiastinnen Lilly Marie Tausendfreund, Adriana Thelen, Maja Leutner und Sidra Farooq verlesen. Dem Gottesdienst wohnte neben zahlreichen Ratsmitgliedern und Bürgern auch die Freiwillige Feuerwehr Meckenheim bei.

Swisttal-Heimerzheim Um 10.55 Uhr läuteten gestern in Heimerzheim die Glocken der Kirche Sankt Kunibert. Exakt um diese Uhrzeit vor 70 Jahren, am 3. März 1945, wurde der Ort von einer amerikanischen Bomberstaffel heimgesucht. 36 Flugzeuge warfen innerhalb weniger Minuten 218 Bomben ab - 1000 Zentner Sprengstoff, der den Ortskern in Schutt und Asche legte. 175 Menschen kamen in den Trümmern ums Leben. An dieses Geschehen erinnerte der Pfarrausschuss Heimerzheim gestern Morgen vor dem Ehrenmal an der Kirche. Etwa 25 vorwiegend ältere Heimerzheimer waren der Einladung gefolgt.

Rainer Schmitz sagte, die Erinnerung an die Opfer müsse immer auch eine Mahnung an die Lebenden sein, dass sich solch schreckliche Ereignisse nicht wiederholen. Besonders verwerflich sei es gewesen, dass das Militär, das Heimerzheim zur Festung ausgebaut hatte, rechtzeitig vor dem Bombenangriff aus dem Ort geflohen sei. So habe die Zivilbevölkerung am meisten gelitten.

Nach einer Schweigeminute sagte Monika Limpinsel: "Wir können das Geschehene nicht ändern. Wir können daraus lernen und dankbar sein, dass wir 70 Jahre in Frieden leben durften. Der Friede fängt bei mir an. In meiner Familie, auf meiner Arbeit, in meiner Umgebung."