Ernteausfälle in der Region

Landwirte im Vorgebirge bleiben auf Verlusten sitzen

Meckenheim. Regen und Kälte machen Bauern im Vorgebirge die Ernten kaputt, es gibt Ausfälle von bis zu 80 Prozent. Doch auch höhere Preise können die derzeitigen Ausfälle nicht kompensieren.

Das Jahr 2017 war für die Landwirte ein denkbar schwieriges Jahr. Häufiger, starker Regen machte den Pflanzen zu schaffen, das unbeständige Wetter verwirrte die Bienen und hemmte die Bestäubung und eine immer wieder kommende Kälte tötete die Blüten schließlich ganz ab.

Auf dem Erntedankfest des Förderkreis Landwirtschaft im Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn (FKL) zogen einige Landwirte Bilanz: Schlechte Ernten durch schlechtes Wetter waren überall ein Problem.

So auch bei Manfred Felten, auf dessen Hof der FKL eingeladen hatte. Besonders die Nacht vom 19. auf den 20. April habe seinem Geschäft sehr geschadet. „Die tiefste Temperatur, die ich gemessen haben, waren minus 6,2 Grad Celsius“, sagt er. Für seine Kirschen, Äpfel und Birnen deutlich zu kalt. „Wir haben die Erdebeeren mit doppelter Folie zugedeckt, um sie vor der Kälte zu schützen. Aber selbst darunter sind sie uns erfroren“, sagt Felten.

Ernteausfälle von bis zu 80 Prozent

Auch an den ungeschützt im Freien stehenden Apfelbäumen sind viele Blüten abgestorben. „Besonders die Sorten Boskop, Braeburn, Sapora und Jonagold sind betroffen. Dort habe ich Ernteausfälle von bis zu 80 Prozent.“ Elstar und Gala hätten die Kälte besser überstanden, dort sei die Ernte „fast normal“, so Felten.

Den enormen Verlust könne er nur zum Teil durch höhere Preise kompensieren: „Der Handel zahlt uns mittlerweile 1,80 Euro das Kilo, vorher waren es 40 Cent weniger“, so der Obstbaumeister. Man habe auch die Preise im hofeigenen Laden etwas angehoben. „Die Erhöhungen kompensieren meine Verluste allerdings nicht ganz.“

Auch für den Meckenheimer Michael Manner ist 2017 ein hartes Jahr. „Erdbeeren unter Folien- oder Vliesabdeckung hatten starke Ertragseinbußen wegen der späten Fröste um Ostern. Hier konnten wir nur 30 bis 50 Prozent unserer üblichen Menge ernten“, sagt der 34-Jährige, „Die Erträge von Äpfeln und Birnen fallen wegen der Spätfröste viel niedriger als in den Vorjahren aus, insbesondere auf Flächen ohne Frostschutzanlagen.“

Maßnahmen zum Schutz

Es gibt einige Möglichkeiten, die Pflanzen vor der Kälte zu schützen, erklärt Felten. So konnte er zum Beispiel seine Pflaumen in einem überdachten Gewächshaus retten, indem er die Pflanzen mit Wasser berieselte und die Blüten kontrolliert zufrieren ließ. Felten: „Wenn das Wasser zu Eis wird, entsteht Erstarrungswärme, die in einem überdachten Gewächshaus die Temperaturen um die entscheidenden Grade anheben kann.“ Eine weitere Möglichkeit wären Windmaschinen, die warme Luft aus höheren Schichten auf den Boden saugen und damit Wärme spenden. „Da diese aber sehr laut sind, müssen sie immer in 800 Metern Entfernung zum Wohnungsgebiet stehen“, so Felten. Deswegen kann er auf seinem 23 Hektar großen Gelände keine solchen Maschinen aufbauen.

Auf dem Erntedankfest ging es auch um die Vorgaben der Politik. So sagte die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU), dass man der Bevölkerung klarmachen müsste, wie wichtig diese Luftsauger für die Ernte seien. FDP-MdL Jörn Freynick sprach sich dafür aus, Betrieben die Erweiterung zu erleichtern. Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Hartmann (SPD) bezeichnete die ländlichen Betriebe als „wertvoll und schützenswert“ und machte sich dafür stark, regionale Hilfen zu verstärken.