Sankt-Petrus-Kirche

Lüfthildis-Glocke ergänzt das Glocken-Ensemble in Meckenheim

Prüfender Blick: Der Glockensachverständige Norbert Jachtmann kontrolliert die Lüfthildis-Glocke.

MECKENHEIM-LÜFTELBERG. Der Glockensachverständige des Erzbistums Köln, Norbert Jachtmann, hat das um die Lüfthildis-Glocke ergänzte neue Glocken-Ensemble der Kirche Sankt Petrus in Lüftelberg überprüft und ist vom Klangergebnis begeistert: "Es ist einfach toll geworden - die Rechnung ist aufgegangen."

So lange man die Petrus-Glocke aus dem Jahr 1538 und die Stifter-Glocke, die "Joseph-und-Elisabeth-Glocke" von 1791, nicht gleichzeitig läutet, sind alle anderen möglichen Varianten wohlklingend, so das Urteil des Experten, der sich alles mit seinem feinen Gehör konzentriert angehört und die Glockentöne auch mit der Stimmgabel kontrolliert hatte. Dass diese beiden Glocken nicht harmonisch miteinander klingen, liege daran, dass ihre Nominaltöne g'+3 und as'-6 weniger als einen Viertel-Ton auseinanderliegen, erläutert er.

Die neue Glocke, die von der Glockengießermeisterin Cornelia Mark-Maas gefertigt wurde, habe genau so viel Fülle, wie sie brauche, ohne die anderen Glocken zu übertönen. Dass sie nach dem Guss noch nachbearbeitet worden war, um den erwünschten Nominalton von f'+3 zu erreichen, wertete Jachtmann keinesfalls als Mangel, sondern vielmehr als Zeichen sorgfältiger Arbeit.

Auch die Technik und die Statik im Glockenturm, den Läutewinkel und die Beschaffenheit des Klöppels sowie die Turmstubenakustik hat Jachtmann bei der Endabnahme sorgfältig in Augenschein genommen und für gut befunden. Nur ein paar wenige Roststellen an den Aufhängungen bemerkte der Fachmann und wies vorsorglich darauf hin.

Optimal werde sich der Klang erst entfalten, wenn die Schallläden wieder vor den Fenstern angebracht sind. Dann mischen sich die Töne erst in der Glockenstube, bevor sie gleichmäßig durch die Läden abgestrahlt werden. So werde eine gute Fernwirkung erzielt. Weil sich durch die vier vorhandenen Glocken nun viele Möglichkeiten ergeben, diese zu kombinieren, erarbeitet Jachtmann zudem eine neue Läuteordnung für die Kirche Sankt Petrus, die die verschiedenen Anlässe berücksichtigt. So werden bald viele neue Klänge in Lüftelberg zu hören sein - während der Fastenzeit andere als zu Ostern, in der Adventszeit andere als zu Weihnachten.

Allerdings bleibt es beim Grundprinzip, dass eine einzelne Glocke als Totenglocke erklingt, zwei Glocken gemeinsam beim Gottesdienst und drei an hohen Feiertagen geläutet werden.

"Alle sind sensibler geworden und hören nun genauer hin", freut sich auch Willi-Josef Wild, der vom Kirchenvorstand vor vier Jahren mit dem Projekt betraut wurde. Selbst die Kindergartenkinder glaubten jetzt, die "Lüfthildis" läuten zu hören, berichtet er. Anwohnern, die früher den Missklang des alten Geläutes gar nicht bemerkt hatten, falle nun der neue Wohlklang auf. Das ganze Projekt sei mit viel Interesse von den Dorfbewohnern begleitet worden.

Kein Wunder, denn eine Glocke hat eine Lebenserwartung von mehreren hundert Jahren und nicht jeder Generation ist es vergönnt, Guss, Weihe und Einbau einer neuen Glocke zu erleben. Einige Lüftelberger Zeitzeugen erinnern sich noch daran, dass eine der Glocken in den 50er Jahren zur Reparatur gegeben worden war, weiß Wild.

Ihm selbst sei beim Projekt vor allem die Sinnhaftigkeit einer Glocke bewusst geworden, so Wild. Besonders drücke sich das durch die Inschrift auf der neuen Lüfthildis-Glocke aus, ein Satz des Lüftelberger Autors Kurt Faßbender aus dem Mysterienspiel über die Heilige : "Das Wahre leuchtet durch die Zeit!"