Projekt "Do Something"

Junge Rapper sagen, was sie meinen

Yo man: Die Meckenheimer Grundschüler üben mit Denis Ndong ihren eigenen Rap-Song.

MECKENHEIM. Zwei Bonner Musiker wollen mit dem Projekt "Do Something" Kindern in Meckenheim eine Stimme geben. Cooler geht's kaum: Wer kann schon von sich behaupten, dass seine Lehrer "General Snipe" und "Tha-GhostDawg" heißen.

Okay, es sind die Künstlernamen der beiden Rapper Denis Ndong und Maliq Möbius, aber cool sind die beiden dennoch. Und sie hören zu, sie nehmen alle ernst und versuchen, den 16 Mädchen und Jungen der Rap-AG an der Offenen Ganztagsschule der Katholischen Grundschule Meckenheim das nötige Selbstbewusstsein auf eine etwas andere Art mitzugeben.

Marco (9), Jerome (9) und Marcel (10) gehören zu den ersten, die die Aula der Grundschule um 15.30 Uhr stürmen, um ja nichts von ihrer freiwilligen AG zu verpassen. "Wir machen Musik, tanzen und üben einen Song über die Schule", erzählen sie mit viel Vorfreude auf die bevorstehende Stunde mit den beiden Bonner Rappern.

Keines der elf anwesenden Kinder zappelt rum oder stört, als es darum geht, möglichst passende und gute Reime für den Schulsong zu finden. Die Vorschläge sprudeln, aber die richtigen Worte zu finden ist auch für angehende Rapper manchmal schwieriger als gedacht. Alle schreiben eifrig mit, wenn eine Textstelle für gut befunden wurde.

Warum bei Ndong und Möbius die Kids konzentrierter bei der Sache sind als in mancher Unterrichtsstunde, liegt sicher auch an einem anderen Ansatz, den die beiden nutzen. "Die Kinder sehen uns eher als große Brüder", sagt Ndong. Und dazu mischt sich eine Menge Bewunderung für die Künstler in den Lerneifer der Dritt- und Viertklässler.

Auch OGS-Leiterin Heike Rabe ist begeistert, dass vor allem auch Kinder, die sonst sehr schwer zu fassen seien, mit Feuereifer nach passenden Reimen suchen. Die Entscheidung, eine Rap-AG in der OGS anzubieten sei ganz spontan gefasst worden. Eines der Kinder von Ndong habe auch die Schule besucht, so sei der Kontakt entstanden.

Für die beiden Bonner Künstler steckt viel Herzblut in ihrem Projekt mit dem Namen "Do Something" (Tu was). Sie wissen nicht nur, was es bedeutet, arm in Deutschland zu sein und wie schnell man in ein kriminelles Milieu abrutschen kann. Sie wissen auch, dass man viele Dinge, die man als junger Mensch ganz toll findet, später bedauern kann.

Möbius (32) aus Bonn hat am eigenen Leib erlebt, wie seine Familie zerbrochen ist, wie Freunde gestorben sind und wie das Leben in Armut und in kriminellem Umfeld die Menschen kaputt mache, sagt er. "So bin ich zum Schreiben gekommen, habe mein Tonmeisterdiplom gemacht und ein eigenes Tonstudio eingerichtet."

Zur Rapper-Szene in Bonn gehört auch Ndong. Er hatte eine schwere Kindheit im Senegal. Der heute 37-Jährige kam 1996 nach Bonn. Dort hat er eine Gruppe gegründet und 2002 sein erstes Album herausgebracht. Er ist auch der stellvertretende Vorsitzende von "brothers keepers", einem Projekt mit Xavier Naidoo und Samy Deluxe.

"Das Projekt wurde gegründet, als Adriano in Dessau von Rechtsradikalen totgeprügelt wurde", erzählt er. Auch der Song, den sie daraufhin komponierten, ist nach dem jungen Mann mit afrikanischen Wurzeln "Adriano" benannt. Ganz oben steht jedoch für die beiden Rapper die Arbeit mit den Kindern.

"Wir kämpfen für unser Projekt, denn wir wollen Jugendlichen in ähnlichen Situationen ein Ventil geben", erklärt Möbius. Und noch etwas ist ihnen wichtig: "Auch wenn man Rap macht, muss man nicht im Gefängnis gewesen sein", sagt Ndong, der stolz darauf ist, keinerlei Einträge in seinem polizeilichen Führungszeugnis zu haben. "Ich wollte meine Mutter nicht weinen sehen", sagt er, das habe ihn davon abgehalten, kriminell zu werden.

Den Kindern vermitteln die beiden immer wieder: "Ihr seid die Zukunft!" Und auch, dass die Schule wichtig sei, um Ziele zu erreichen, denn auch Rapper brauchten Worte und Grammatik, um gute Texte zu schreiben. Wozu sie zur Schule gehen, das versuchen die Kinder der Katholischen Grundschule auch in ihrem Song zu vermitteln. Den tragen sie demnächst in der Schule vor - und dann sehen nicht nur die Klassenkameraden, sondern auch Eltern und Lehrer, wie Rap den Kindern eine Stimme geben kann.