Barrierekataster für Meckenheim

Im Kampf gegen Hindernisse

Barriere am Haselweg: Gottfried Dietzel (l.) und Wilhelm Ellinger haben gemeinsam das Barrierekataster Meckenheim entwickelt.

Barriere am Haselweg: Gottfried Dietzel (l.) und Wilhelm Ellinger haben gemeinsam das Barrierekataster Meckenheim entwickelt.

MECKENHEIM. Ein Projekt des ADFC Meckenheim und des Forums Senioren soll kritische Stellen im Wegenetz des Stadtteils Steinbüchel dokumentieren. So sollen beispielsweise Drängelgitter für behinderte und ältere Menschen benutzerfreundlicher gestaltet werden.

Mit Schwung fahren die Radfahrer die Unterführung unter dem Siebengebirgsring in Meckenheim hinab, in den anschließenden, steilen serpentinenartigen Kurven kommen die beiden Fahrer jedoch bedrohlich ins Schwanken, sodass sie fast absteigen müssen. „Die Kurven der Auffahrt von der Unterführung sind viel zu eng. Was mit einem normalen Fahrrad schon schwierig ist, ist mit einem Pedelec kaum zu schaffen“, sagt Gottfried Dietzel.

Er und Wilhelm Ellinger, beide Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), arbeiten gemeinsam an einem Barrierekataster für die Stadt Meckenheim. Dieses Projekt des ADFC Meckenheim und des Forums Senioren soll kritische Stellen im Wegenetz des Stadtteils Steinbüchel dokumentieren. Für die Beurteilung spielen sowohl die „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen 2010“ (ERA) als auch die freiwilligen Normen für barrierefreies Bauen öffentlicher Verkehrswege und Gebäude (DIN 18024), insbesondere für Behinderte und ältere Menschen, eine Rolle.

Im Gespräch erläutern Dietzel und Ellinger gemeinsam mit Dieter Ohm vom ADFC die aktuellen Probleme und das Ziel ihres Katasters. „Es sind an sich gute Ideen für den Fahrrad- und Autoverkehr, die man jedoch benutzerfreundlicher regeln muss“, so Dietzel. „Neben den aktuellen Themen in der Stadt wie Finanzen und Flüchtlingen scheinen kleine Dinge wie Drängelgitter aus dem Fokus zu geraten. Man kann Barrieren indes nicht am Schreibtisch entwickeln, sondern muss auf Erfahrungen zurückgreifen, die andere gemacht haben.“ Ellinger bestätigt dies: „Wenn der Bauhof den Auftrag bekommt, Barrieren zu bauen, wird geguckt, was auf dem Lager ist und gesagt 'passt schon', was dann jedoch häufig nicht der Fall ist“.

Bei der Bebauung in den 70er Jahren hätten die Baumaßnahmen dem damaligen Bedarf entsprochen, erläutert Ohm die schwierige Situation. Zu dieser Zeit kam dem Fahrrad kaum Bedeutung zu. Heute sieht es jedoch anders aus: Fahrräder mit Anhängern für Kleinkinder und Transporte sowie Pedelecs bestimmen das Bild. Die Elektrofahrräder sind erheblich schwerer als normale Räder und entsprechend schwerer zu manövrieren. Für Menschen mit Gehhilfe oder Behinderte stellen steile Wege, Treppen und Schranken eine kaum überwindbare Herausforderung dar. Viele Drängelgitter entsprächen nicht mehr den Empfehlungen und müssten an den demografischen Wandel angepasst werden.

Dennoch macht Ohm deutlich, dass zumindest die Umlaufsperren ihre Berechtigung haben: Sie dienen der Ausbremsung von Fahrradfahrern an gefährlichen und unübersichtlichen Kreuzungen und verlangsamen sie. Zwar gäbe es eine Tendenz in anderen Städten, Sperren zu entfernen, Ohm stellt aber klar: „An gefährlichen Stellen sollte die Stadt die Gitter stehen lassen – aber an die ERA anpassen.“

Auf einer anschließenden kurzen Radtour durch Steinbüchel zeigen Dietzel und Ellinger mehrere problematische Stellen und machen die Schwierigkeiten für Fahrradfahrer, ältere Menschen und Menschen mit Handicap deutlich. Am letzten Gitter an der Querung Haselweg zum Holunderweg kommt es dabei zu einer Diskussion mit einem Anwohner. Als Dietzel und Ellinger ihre Ablehnung für das Gitter formulieren, erzählt der Steinbücheler, dass dieses Gitter sinnvoll platziert sei. Er müsse Kinder immer wieder darauf hinweisen, dass an dieser Stelle Autos mit hoher Geschwindigkeit vorbeifahren und die Fahrer die Kinder nicht sehen können. Die Umlaufsperre zwinge die Kinder dazu, abzusteigen und nach dem Verkehr zu sehen.

Auf Anfrage des GA erläutert Marion Lübbehüsen, Pressesprecherin der Stadt Meckenheim, dass die Probleme und Schwierigkeiten bekannt seien und diese im Arbeitskreis für behindertengerechte Infrastruktur diskutiert und besprochen werden. Die Einwände nimmt der Arbeitskreis Radverkehr, in dem sowohl die Stadt als auch der ADFC sitzen, dann auf und sprecht darüber. Dennoch stellt sie klar „wo ganz besonders schwierige Punkte sind, da gehen wir heran, jedoch aufgrund des kompakten Stadtgebiets (Steinbüchel) ist es schwierig, alles in Kürze zu erledigen.“ Sie weist darauf hin, dass Steinbüchel in den 60er Jahren in seiner kompakten Form mit Gassen, Straßen und Treppen gebaut worden ist und „man nicht von heute auf morgen alles ändern und alles herausreißen kann.“ Indes fände regelmäßig ein sehr reger Austausch zwischen der Stadt und dem ADFC statt.

Interessierte Radfahrer können unter www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-bonn/ortsgruppen/meckenheim/ueber-uns/verkehrspolitische-arbeit den momentanen Stand des Katasters einsehen. Wer selbst gefährliche Stellen in Meckenheim kennt kann diese bei Dieter Ohm unter 0 22 25/91 07 77 oder per E-Mail an mailto:dieter.ohm@adfc-meckenheim.de.