Sternsinger der Pfarrei Sankt Michael

Im Einsatz für Kinder in Ghana

Die Sternsinger segnen den Meckenheimer Norden. Dabei gibt es einiges für die Kinder zu erleben - nette Begegnungen meist, manchmal aber auch unerfreuliche. FOTO: ADRIAN ARAB

Die Sternsinger segnen den Meckenheimer Norden. Dabei gibt es einiges für die Kinder zu erleben - nette Begegnungen meist, manchmal aber auch unerfreuliche.

Meckenheim-Merl. Noldestraße Ecke Beethovenstraße. Am Abenteuerspielplatz beginnt das Revier von Anna-Maria und Karina. Die beiden Schülerinnen des Konrad-Adenauer-Gymnasiums leiten die fünfköpfige Gruppe, die dem Meckenheimer Künstlerviertel zwei Ferientage lang von 9 bis 17 Uhr den Segen bringen möchte.

Einzige Unterbrechung: die Mittagspause. "Am Mittag treffen wir uns jeweils bei einem Sternsinger zu Hause, um gemeinsam zu essen", erzählt Anna-Maria Barth und räumt ein: "Meistens bleiben uns dann doch nur ein paar Minuten, denn das Gebiet das, wir ablaufen, ist groß".

Die Gymnasiastin ist zum zweiten Mal bei der Sternsingeraktion dabei, für Karina ist es der elfte Einsatz. Beide Mädchen engagieren sich in der Gemeinde als Messdienerinnen und übernehmen nun mit zwölf weiteren Betreuern die Verantwortung für die jungen Sternsinger. 

Der Haydnweg ist das Ziel von Anna-Marias Gruppe. Vor den Jugendlichen liegt ein Treppenhaus mit fünf Wohnungen, völlig außer Puste stimmen die Sternsinger "Stern über Betlehem" an. Caspar, Melchior und Balthasar - das sind in Merl heute Benni Renner (9), Justin Rings (11) und Lukas Rößler (7). Weder kommen die Grundschüler aus dem fernen Betlehem noch haben sie Weihrauch im Gepäck. Für die Gemeinde Sankt Michael sammeln sie, um Mädchen in Ghana eine grundlegende Schulbildung zu ermöglichen. "Das Geld, das die Bürger spenden, geht in diesem Jahr an unsere Partnergemeinde Sankt Paul in Kumasi", erklärt Karina Schumacher.

"20*C+M+B+16" (Chistus mansionem benedicat - Christus segne dieses Haus)schreibt Benni Renner an eine Hauswand im Schubertweg. Aufgemacht hat dem Schüler niemand, aber das ist egal: "Wenn wir erkennen, dass ein Haus schon im letzten Jahr gesegnet wurde, segnen wir es auch in Abwesenheit der Bewohner", erklärt er.

In den Briefkasten wandert dann ein bunter Brief mitsamt aller Informationen zur Spende. "Oft bekommen wir aber auch von Bewohnern eine Nachricht darüber, wann sie am liebsten besucht werden möchten", ergänzt Justin Rings. Die Extrawünsche berücksichtigen die Sternsinger dann in ihrer Wegführung.

"Weil es eine Menge Spaß macht", fasst Lukas Rößler zusammen, warum er bei den Sternsingern mitmacht. Der Schüler hat sich die Mitglieder seiner Gruppe ausgesucht. "Fast immer freuen sich die Menschen, wenn wir singen und das Haus segnen. Zur Belohnung gibt es dann neben der Spende meistens Süßigkeiten für uns, denn das Geld behalten wir ja nicht", erklärt Lukas. 

Zwei Minuten später weicht die Euphorie einer kurzen Ernüchterung. "Das Geld fließt sowieso nur in den Vatikan", ist die Antwort, mit der eine Bewohnerin die Sternsinger kühl abspeist. Klar ist: Sie spendet nichts - auch keine warmen Worte den jungen Sternsingern, deren erklärtes Ziel nicht die Rechtfertigung der Kirche ist, die aber die Freude an der Erhaltung des Brauchtums eint. "Es gibt immer mal wieder Leute, die sehr unhöflich reagieren, wenn wir klingeln.

Meistens bleibt es dann dabei, dass die Tür zugeschlagen wird. Manchmal werden wir auch beschimpft, aber das ist selten", erzählt Anna-Maria Barth. Ein Ereignis hat die Gruppe in diesem Jahr ganz besonders amüsiert: "Gestern wollte uns jemand nicht glauben, dass wir tatsächlich Sternsinger sind". Zum Glück hatten alle fünf ihren roten Sternsingerausweis dabei - inklusive offiziellem Stempel und Passfoto.

Der Abenteuerspielplatz ist wieder in Reichweite, die Vormittagsrunde fast zuende. Die fünf Sänger haben nicht nur die Hälfte des Weges geschafft, sondern vor allem Hunger. Die Spaghetti, gekocht im Hause Barth, haben sie sich verdient, am Nachmittag geht es dann in Gegenrichtung weiter - um ein letztes Mal für Ghana zu sammeln, die Kreide zu leeren und die Süßigkeitenbox zu füllen.