Gespräch am Wochenende

Hunold von Nordeck: "Bald klappert die Mühle wieder!"

Hofft auf Unterstützung beim Erhalt der alten Oberen Mühle in Meckenheim; Hunold Frhr v. Nordeck an der Hafer-Glattwalze
Pro Obere Mühle Meckenheim e.V.

Hofft auf Unterstützung beim Erhalt der alten Oberen Mühle in Meckenheim; Hunold Frhr v. Nordeck an der Hafer-Glattwalze Pro Obere Mühle Meckenheim e.V.

Meckenheim. Zum Deutschen Mühlentag am kommenden Pfingstmontag öffnet die Obere Mühle in Meckenheim ab 11 Uhr ihre Türen für Besucher. Über die Bedeutung des historischen Kleinods und den derzeitigen Stand der Restaurierung sprach Anita Borhau-Karsten mit dem Pressesprecher und Leiter der Bau-AG des Vereins Pro Obere Mühle Meckenheim e.V., Hunold Freiherr von Nordeck.

Bereits zuvor in einer Bürgerprojektgruppe und dann seit Gründung des Vereins Pro Obere Mühle im April 2003 setzen sich die Mitglieder für den Erhalt des Denkmals ein. Was ist das Besondere an der alten Mühle?

Hunold von Nordeck: Das Besondere ist der Bestand an Maschinen und die Antriebstechnik. Beide repräsentieren den technischen Stand zwischen 1890 und 1908. Auch nach der Aufstockung des Mühlengebäudes im Jahr 1921 ist die Technik trotz des Einbaus einer neuen Haferquetsche nicht modernisiert worden. In anderen Mühlen sind wesentliche Technik-Merkmale ab 1927 verändert worden. In ihrer Komplett-Ausstattung hat die Obere Mühle ein Alleinstellungsmerkmal in der Region.

Wie ist der derzeitige Zustand der Mühle?

von Nordeck: Seit 1972 war die Technik nicht mehr in Betrieb. Sie weist erhebliche Korrosions- und Standschäden auf, die nur im Rahmen einer Grundüberholung restauriert werden können. Das Gebäude selbst ist statisch sicher und grundrenoviert.

Wie soll die Obere Mühle zukünftig genutzt werden?

von Nordeck: Sie soll als museal-touristische Besuchermühle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und Ort für kulturelle Veranstaltungen, zum Beispiel Lesungen und Ausstellungen, sein. Insbesondere die technische Funktionsweise der Mühle soll den Menschen nahegebracht werden. Wir schneidern unsere Mühlenführungen maßgenau auf die Wünsche unserer Besucher zu. Zum Beispiel bieten wir praxisnahe Sonderführungen mit spielerischen Elementen für Kinder unter dem Thema „Wie macht man Korn zu Mehl?“ an.

2015 wurde ein Nutzungsvertrag mit der Stadt Meckenheim geschlossen – wieso war dies so wichtig?

von Nordeck: Es musste eine rechtliche Grundlage geschaffen werden, auf der der Verein ermächtigt wird, bauliche Instandsetzungsmaßnahmen durchzuführen und die Mühle für die Öffentlichkeit zu öffnen. Die Stadt ist Eigentümerin, der Verein ist Nutzer.

Es gibt bereits positive Neuigkeiten im Hinblick auf Fördergelder für die anstehenden Restaurierungsarbeiten – welche?

von Nordeck: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat angekündigt, die Instandsetzung der Maschinen und Antriebstechnik im laufenden Jahr mit 50 000 Euro zu fördern. Wir tun etwa 75 000 Euro Eigenmittel dazu. Die NRW-Stiftung will den Innenausbau mit einem Sockelbetrag von 100 000 Euro fördern und hat eine weitere Förderung bis zu 40 000 Euro in Aussicht gestellt, wenn mindestens der gleiche Betrag an Spenden zusammenkommt. Jeder gesammelte Euro wird also verdoppelt!

Fehlt es außer an weiteren Spenden sonst an etwas?

von Nordeck: Wir brauchen dringend noch mehr Mitglieder, die bereit sind, mit anzupacken, zum Beispiel als Mühlenführer.

Was sind die nächsten Schritte?

von Nordeck: Wir sind dabei, verschiedene vorrangige Baumaßnahmen einzuleiten. Nach derzeitiger Planung können wesentliche Arbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Dazu gehören der Bau von Sanitäranlagen und insbesondere die Instandsetzung der Technik. Dann klappert die Mühle wieder!

Was erwartet die Besucher der Oberen Mühle am Deutschen Mühlentag an Pfingstmontag?

von Nordeck: Zu Beginn um etwa 11.30 Uhr wird der Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde unter Leitung von Margret Toyka zum Mitsingen von Mühlen- und Volksliedern einladen. Ihr Kommen zugesagt haben der Erste Beigeordnete der Stadt Meckenheim, Holger Jung, und der Präsident der NRW-Stiftung, Staatsminister a.D. Harry Voigtsberger, der offiziell den Fördervertrag an unsere Vorsitzende Sibylle Freifrau von Nordeck übergeben will. Das ist ein wichtiger Augenblick für uns, denn ab diesem Moment beginnt die Verdoppelung von Geldspenden. Am Nachmittag um 13.30 Uhr, 15 Uhr und 16.30 Uhr finden Mühlenführungen zu Geschichte und Technik statt. Kindern wird gezeigt, wie man aus Körnern Mehl macht. Natürlich werden gegen eine Spende in die Vereinskasse auch Kaffee, Kuchen und Kaltgetränke angeboten.

Am Pfingstmontag, 16. Mai, findet der 23. Deutsche Mühlentag statt. Er wurde 1994 von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e.V. ins Leben gerufen. Etwa 1800 Mühlen öffnen bundesweit an diesem Tag ihre Türen.