Hitzeschäden

Hitze wird für Äpfel in Meckenheim zum Problem

Meckenheim. Seit Wochen Hitze, Windstille, die Sonne knallt vom Himmel. Der Supersommer wird auch für die Äpfel zum Problem. Mit Bewässerung fördert der Meckenheimer Obstbauer Felten das Wachstum der Früchte.

Tropische Temperaturen, trockene Böden: das heiße Wetter und der fehlende Regen machen den Landwirten zu schaffen. Die meisten Landwirte haben sich auf das außergewöhnliche Wetter in diesem Jahr mit einer zusätzlichen Bewässerung ihrer Pflanzen eingestellt. So auch der Meckenheimer Obstbauer Manfred Felten vom gleichnamigen Obsthof, der außer Äpfeln auch Erdbeeren, Süßkirschen, Birnen, Pflaumen und Sauerkirschen anbaut.

Die Folgen der tropischen Temperaturen machen sich in der Qualität mancher Früchte bemerkbar. So seien die im Juli geernteten späten Erdbeeren „super süß, aber zu klein gewesen“, hat der 56-jährige Betriebschef festgestellt. Mit dem Ertrag seiner Süßkirschen zeigte sich der Meckenheimer indes zufrieden – die Netzabdichtung bot genügend Schutz vor dem Schädling Kirschfruchtfliege.

Sorgen bereitem ihm allerdings Wachstum und Ernte seiner verschiedenen Apfelsorten. Auf 18 Hektar wachsen in langen Reihen unter anderem die Sorten Delba, Pinova, Elstar, Berlepsch, Boskop und Gala, hier und da ist eine Frucht mit dunklen Stellen zu sehen. In diesem Jahr seien alle Sorten, so Felten, gleichermaßen von einem Sonnenbrand betroffen. Auch die Färbung der Früchte setze durch die Hitze später ein.

Um das Gedeihen der Früchte zu gewährleisten, kühlt der Meckenheimer Obstbauer mit einer Überkronenberegnung die Äpfel auf niedrigere Temperatur herunter. „Wir haben zurzeit ja auch nachts hohe Temperaturen. Dabei brauchen die Früchte in dieser Zeit Temperaturen um die 16 Grad“, erklärt er.

Boden- und Wasserverband will Teiche anlegen

Doch Felten beregnet seine Plantage nicht täglich, denn das kühle Nass teilt er sich mit einigen Kollegen. Der Landwirt ist – wie Kollegen aus dem Obst- und Erdbeeranbau oder der Baumschule Ley – Mitglied im Wasser- und Bodenverband Meckenheim, der in vier Bereichen der Apfelstadt mehrere Brunnen gebaut und diese miteinander durch eine Ringleitung vernetzt hat. So kann für jede Parzelle zu bestimmten Zeiten eine bestimmte Menge des kühlen Nasses abgezapft werden.

Feltens Betrieb gehört zum Bereich Rottweg, in dem fünf Brunnen für die Versorgung der landwirtschaftlich genutzten Flächen angelegt sind. An unterschiedlichen Stellen der Plantagen sind im Boden die Wasserstellen zu sehen, an denen mobile Hydranten mit einer Wasseruhr befestigt werden. Durch Schläuche wird das Wasser zu den einzelnen Baumreihen transportiert. 30 bis 40 Kubikmeter Wasser pro Stunde liefern die Brunnen am Rottweg, 3000 bis 4000 Kubikmeter hat Felten seit Beginn der großen Hitzewelle Mitte Juli bereits für seine Plantage abgerufen. „Das Problem ist, dass die Pflanzen ab 30 Grad nicht mehr wachsen. Bei großer Hitze schließt die Pflanze ihre Spaltöffnung im Blatt, um Wasser zu sparen“, so der Landwirt. Dann verdunsten sie kein Wasser mehr, können aber auch keine Fotosynthese mehr betreiben – ihre Ernährung ist eingeschränkt.

Damit immer genügend Wasser vorhanden ist, will der Boden- und Wasserverband im nächsten Jahr fünf Teiche zur Bevorratung anlegen. Die Planungen sind abgeschlossen und werden demnächst beim Rhein-Sieg-Kreis zur Genehmigung eingereicht.

10.000 Euro Mehrkosten für permanente Bewässerung

Als Konsequenz aus der Frostnacht des vergangenen Jahres (19./20. April), die bei vielen Landwirten Ernteausfälle zur Folge hatte, soll das Teichwasser als Reservoir sowohl für die Frostschutzberegnung als auch bei heißen Sommern für die Trockenberegnung dienen. „Die Frostschutzberegnung im Frühjahr ist wichtig. Denn beim Gefrieren des verteilten Wassers wird auf den Pflanzen Kristallisationswärme freigesetzt, sodass in der Regel Blätter und Blüten vor Schäden bewahrt werden“, erklärt Felten. Nötig sei dabei eine Menge von rund 30 Kubikmetern pro Stunde pro Hektar. Zehn Hektar seiner Apfelplantage will er mit der Frostschutzberegnung vor Temperaturschäden absichern. „Die restlichen acht Hektar sind dann Risiko“, so der Landwirt.

Für seine verschiedenen Kulturen verwendet der Meckenheimer unterschiedliche Bewässerungssysteme. So erhalten die Kirschen eine Unterkronenberegnung – dabei werden nicht die Blüten, sondern der Boden der Anlage benetzt – die Erdbeeren erhalten tropfenweise Wasser.

Das alles kostet. Für die permanente Bewässerung rechnet Felten mit rund 10.000 Euro Mehrkosten. Trotzdem werden sich die Preise für Obst nicht erhöhen.

Wenn Felten durch seine Obstplantage geht und die einzelnen Äpfel kontrolliert, hofft er auf eine gute Ernte. „Für den Verkauf müssen die Äpfel einen Durchmesser von 65 bis 85 Millimeter haben. Ob wir die Größe in diesem Jahr erreichen werden, wissen wir nicht“, so Felten.

Seit 32 Jahren ist der Meckenheimer als selbstständiger Obstbauer tätig, eine solch Hitz- und Trockenperiode hat er noch nicht erlebt. „Wir werden uns künftig auf heiße Zeiten einstellen und mehr bewässern müssen“.