Win-Win für Landwirt und Verbraucher

Gründung Solidarische Landwirtschaft in Meckenheim

Meckenheim-Ersdorf. Obsthof Rönn geht mit der Gründung einer Solidarischen Landwirtschaft neue Wege. Mitglieder beteiligen sich finanziell und können auch mitarbeiten. Im Gegenzug gibt es reichlich Obst.

Zwischen den Apfelbäumen summt und brummt es. Ein Blühstreifen lockt jede Menge Hummeln und Bienen an. Neben der A 61 in Ersdorf pflanzt der Obsthof Rönn auf 0,5 Hektar 13 verschiedene Apfelsorten an – unter ihnen traditionelle und neue Sorten wie Cox Orange und Boskop sowie Santana und Sonnenglanz für Allergiker. Die Ernte werden Michael und Monika Rönn zum ersten Mal in diesem Jahr mit Verbrauchern teilen.

Es ist ein Versuch, bei dem sie herausfinden wollen, ob das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) mit Äpfeln, Birnen, Kirschen und Co. funktioniert. Anfang Juni fand eine erste Informationsveranstaltung mit Interessenten statt. Am 1. Juli soll die Solawi mit einer Bieter- oder Beitragsrunde starten.

Dort werden dann künftige Mitglieder ihre monatlichen Beiträge, die die Kosten des Betriebes für Pacht, Pflanzenmaterial, Dünger, Löhne, Pflege und Ernte decken sollen, festlegen. Dafür erhalten sie alle zwei Wochen 2,5 Kilogramm Äpfel und Birnen und einen Kürbis. Es ist die zweite Innovation, die der Betrieb auf den Weg bringt. Denn seit 2016 stellen Michael und Monika Rönn nach und nach auf ökologischen Anbau um.

20 Jahre Solidarische Landwirtschaft

„Die Solawi ist für uns ein Experiment. Wir möchten Menschen die Landwirtschaft erleben lassen und für uns das Risiko in der Produktion senken. Denn es werden Ernte und Risiko gleichermaßen geteilt“, sagt Monika Rönn, die mit ihrem Mann Michael und 35 Saisonarbeitern auf 30 Hektar nicht nur Äpfel, sondern auch Birnen und Rote Johannisbeeren erntet.

Seit rund 20 Jahren gibt es in Deutschland Solidarische Landwirtschaft, aber „wir sind der einzige Obsthof bundesweit, der dieses Konzept mit Dauerkulturen realisieren möchte“, so Rönn. Als Mitglied im Projekt Stadtfarm NRW, in dem partizipatorische Modelle zur Schaffung von Einkommensmöglichkeiten diskutiert werden, hat sich das Ehepaar mit verschiedenen Beteiligungs- und Vermarktungsmöglichkeiten auseinandergesetzt.

„Wir haben uns letztlich für dieses Konzept entschieden, da wir Kunden und Verbrauchern die Produktion von Obst nahebringen wollen. Nebenbei erleben sie auch eine funktionierende Biodiversität. So sehen sie Schwebefliegen, Hummeln und Bienen wie sie für die Bestäubung sorgen“, erläutert die 40-jährige, die durch die Einbindung von Verbrauchern auf ein breiteres Verständnis für die Landwirtschaft und ihre Produkte hofft.

Partnerschaf zwischen Landwirt und Verbrauchern

Ihr Konzept stößt auf reges Interesse. Bislang haben sich 40 Interessenten gemeldet, die in Ersdorf mitmachen wollen. Dabei ist Mitarbeit in den Obstplantagen zwar gerne gesehen, aber kein Muss. Im Juli und August – wenn die Apfelernte noch nicht begonnen hat – erhält jedes Mitglied seinen Anteil an Sauerkirschen und Johannisbeeren, pflücken muss er dann allerdings selber.

Solidarisch soll nicht nur das Pflanz- und Pflegeerlebnis sein. Zu sechs bis zehn Aktionen wird der Obsthof die Mitglieder einladen, um „die Gemeinschaft zu fördern. Die Solawi ist für Verbraucher und den Betrieb eine Win-Win-Situation. Denn die Kunden erleben Natur und Produktion hautnah mit, wir senken unser Betriebsrisiko und die Kosten durch die monatlichen Beiträge“, so Rönn.

Sie sieht in dieser Form der Genossenschaft eine gute Möglichkeit, das Image der Landwirtschaft zu verbessern. Denn „wir haben es satt, den ständigen Wettkampf um Flächen mitzumachen. Wir wollen genug erwirtschaften, um davon leben zu können und Zeit zum Leben haben.“ Sie freut sich auf den Startschuss am Sonntag, 1. Juli, um 17 Uhr. Dann werden die künftigen Mitglieder mit ihrem Beitrag deutlich machen, wie viel ihnen alternative Landwirtschaft wert ist. Vorab findet für Bonner Interessenten ein Info-Abend am Mittwoch, 27. Juni, 20 Uhr, im Quartiersbüro im Macke-Viertel, Vorgebirgsstraße 43, statt.

Bei der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) handelt es sich um eine Partnerschaft zwischen Landwirt und Verbrauchern. Innovativ ist, dass die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben werden, sondern in einem überschaubaren Wirtschaftskreislauf fließen, den die Verbraucher mitorganisieren und finanzieren. Solawi soll in der Landwirtschaft einen verantwortungsvollen Anbau, der die Existenz der dort arbeitenden Menschen sichert, und zugleich einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten. In Deutschland wurden bisher mehr als hundert Solidarische Landwirtschaften gegründet.