Wohnungen für Flüchtlinge

Flüchtlingen droht Obdachlosigkeit

Meckenheim. Mit der Anerkennung als Asylsuchender kommt das Recht auf eine eigene Wohnung. Doch für Flüchtlinge stellt die Wohnungssuche eine große Herausforderung dar. Bezahlbarer Wohnraum ist rar. Die Stadt Meckenheim hilft den Schutzsuchenden bei der Suche nach einem eigenen Heim.

Ziele hat sich der 26-Jährige in seinem Leben gesteckt – große Ziele. Rechtsanwalt will Mohammed Dalil werden. Doch es kommt ganz anders für den syrischen Jurastudenten: Der Krieg zerstört große Teile des Maschrek-Landes und damit seiner Träume. Ein großes Ziele hat der junge Mann aber erreicht: Er rettet sein Leben, entkommt den Bombennächten von Aleppo, schafft die Flucht über den Libanon, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Österreich nach Deutschland – zu Fuß, mit Booten, mit dem Zug. In Meckenheim findet er in der Fronhofhalle ein provisorisches Dach über dem Kopf. Der Weg zum Ziel, im neuen Gastland eigenes Geld zu verdienen, seine Frau wiederzufinden und mit ihr eine eigene Wohnung zu beziehen, ist steinig, aber Mohammed Dalil schafft auch das.

Die Wohnraumsuche für Flüchtlinge stellt Kommunen wie Meckenheim derzeit vor schier unlösbare Aufgaben. Denn: In einer Metropolregion wie Köln/Bonn ist bezahlbarer Wohnraum rar gesät. Laut Gesetz obliegt es den Asylsuchenden selbst, sich um eine Wohnung zu bemühen, wenn sie ihre Anerkennungsurkunde erhalten haben. Damit die Asylbewerber nicht als obdachlos gelten, unterstützt die Meckenheimer Verwaltung die derzeit 301 Flüchtlinge aus 31 Ländern immer häufiger bei der Wohnungssuche. Denn: Die vielen Hunderttausenden Asylverfahren, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seit Sommer 2015 deutschlandweit zu bearbeiten hat, kommen nun zum Abschluss.

So wie das von Mohammed Dalil. Auf drei Jahre ist seine Anerkennung vorerst befristet. Seit Mai 2016 verdient er sein eigenes Geld: Er veredelt Bäume in der Meckenheimer Baumschule Ley. Das 150 Jahre alte Familienunternehmen ist eines der ersten in der Apfelstadt, das Flüchtlingen eine Perspektive zum Arbeiten gibt. Dalil gilt als „sehr zuverlässig“. „We make the Baum good“, sagt er im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Einen Deutschkursus hat er noch nicht absolvieren können. Er traut sich noch nicht so recht, dass binnen eines Jahres in Meckenheim Gelernte in deutsche Sätze zu fassen. Aber: „Sein Integrationskursus beginnt bald“, berichtet Heiko Leubecher, frischgebackener Integrationshelfer der Stadt Meckenheim.

An der Pater-Müller-Straße in Meckenheim hat Mohammed Dalil eine möblierte Wohnung bekommen – eine von der Stadt angemietete. Hätte er diese nicht erhalten, habe ihm im Wortsinne die Obdachlosigkeit gedroht. „Dann wäre er ein Fall für das Ordnungsamt“, berichtet Holger Jung, Erster Beigeordneter der Stadt Meckenheim. „Wir werden in Zukunft immer mehr solche Fälle haben,“ bekundet Jung – schließlich werden immer mehr Asylverfahren fertig bearbeitet. Und: Wegen der sogenannten Wohnsitzauflage dürfen sich die Flüchtlinge nicht außerhalb der für sie zuständigen Kommune eine Unterkunft suchen.

Bis zu 40 Wohnungen hat die Stadt Meckenheim derzeit angemietet, um Asylbewerber unterzubringen. Ziel sei es, so Jung, dass die anerkannten Flüchtlinge auf direktem Weg einen Vermieter finden.

Sollten vor der Unterschrift unter einen Mietvertrag seitens des Wohnungsgebers Hemmungen, Bedenken oder Sorgen bestehen, stehe die Verwaltung für alle Fragen zur Verfügung. „Es besteht kein Grund zur Sorge, dass Vermieter ihr Geld nicht bekommen“, erklärt Jung. Anerkannte erhalten das Geld zum Leben inklusive Miete vom Jobcenter. „Das Jobcenter unterschreibt aber keine Mietverträge“, so der Erste Beigeordnete.

Seit wenigen Tagen ist Mohammed Dalils Frau Baraa nach Meckenheim nachgekommen, nachdem sie mehr als ein halbes Jahr in der Türkei ausharrte. Gemeinsam beginnen die Eheleute bald den Integrationskursus. Dann suchen sie eine eigene Wohnung – mit eigenen Möbeln. „Ich möchte eine kaufmännische Lehre machen“, so Dalil auf Englisch zu seinen nächsten Zielen. Oder wieder Jura studieren.

Wer bei der Wohnungssuche behilflich sein kann, meldet sich bei Heiko Leubecher, Integrationshelfer der Stadt Meckenheim, 0 22 25/91 71 96 oder E-Mail an: integrationshelfer@meckenheim.de.