40 Flüchtlingspaten in Meckenheim

Für sie ist es eine persönliche Bereicherung

Rund um die Pfarrgemeinde Sankt Michael Merl besteht enger Kontakt zwischen den Flüchtlingen und deren ehrenamtlichen Paten. FOTO: BORHAU-KARSTEN

Rund um die Pfarrgemeinde Sankt Michael Merl besteht enger Kontakt zwischen den Flüchtlingen und deren ehrenamtlichen Paten.

MECKENHEIM-MERL. Schmuddelige Matratzen ohne Bettwäsche, kein Geschirr - so sehen Flüchtlingsunterkünfte bei der Ankunft ihrer Bewohner aus. Dafür, dass das nicht so bleibt, sorgen in Meckenheim Flüchtlingspaten. Auch die Begleitung bei Arzt- oder Behördenbesuchen haben die ehrenamtlichen Helfer übernommen.

Am von Caritas und Stadtverwaltung initiierten Runden Tisch haben sich Trude Burian und Karl-Heinz Schmidt bereit erklärt, das Patenprojekt und die Sachspenden zu koordinieren. Beide leben in Merl und sind als Katholiken in der Pfarrgemeinde Sankt Michael beheimatet, die wichtiges Standbein der Flüchtlingsarbeit in Meckenheim geworden ist.

Etwa 40 Gemeindemitglieder engagieren sich ehrenamtlich für Flüchtlinge. Zudem habe die Kirchengemeinde bereits im September der Stadtverwaltung den alten Pfarrsaal zur Unterbringung von Flüchtlingen angeboten, berichtet der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Hans Achim Groß. Da der Mietvertrag vom Erzbistum genehmigt werden müsse, werde mit den Verantwortlichen dort über einen günstigen Mietzins verhandelt. Küche und Toiletten seien für die Pfarrgemeinde unentbehrlich, daher solle im Nebenraum des Saals eine zusätzliche Küche eingebaut werden.

Wenn der Saal zur Unterkunft werde, übernehme die Pfarrgemeinde auch Verantwortung für die Flüchtlinge, betont der Vorsitzende des Pfarrgemeindeverbandes Meckenheim, Martin Barth.

Das große ehrenamtliche Engagement geschehe aus christlicher Überzeugung und veranschauliche "das, was uns selbst trägt und hält", erklärt Pfarrer Reinhold Malcherek die Motivation. Dass die Arbeit mit den Flüchtlingen auch eine persönliche Bereicherung darstellt, macht Karl-Heinz Schmidt deutlich: "Es entwickeln sich Freundschaften. Von Mensch zu Mensch erfährt man viel vom Schicksal des anderen." So hat Flüchtlingspate Dieter Sossalla engen Kontakt zu Daniel Gebrezgi. Der 29-Jährige aus Eritrea wohnt mit seiner Familie am Merler Dorfplatz. Beide Kinder sind in Deutschland geboren, das jüngste im September. Zuvor hatte Gebrezgi allein am Siebengebirgsring gewohnt, während Frau und Tochter in Wegberg ausharrten. Sossalla hat die beiden selbst dort abgeholt, um die Familie zusammenzuführen.

Eric Fenger betreut die Flüchtlinge in der Offenen Ganztagsschule. Großes Lob hat er für seine Schützlinge aus Syrien, Youssef Albontras (22) und die beiden Brüder Nazif (26) und Munzir Lababidi (20). Sie seien Vorbilder in Sachen Ordnung und bemühten sich, Deutsch zu lernen. Viel zu bescheiden sei Mehret Tesfalem, berichtet Patin Ulla Fenger. Dass die junge Mutter aus Eritrea Schmerzen beim Gehen habe, habe sie erst nach Monaten erfahren.

Der enge Kontakt zu den Flüchtlingen sei auch ein politisches Signal und wirke Ressentiments entgegen, betont Barth. Auch sei es wichtig, die Bedingungen in den Herkunftsländern zu verbessern. Daher sei die diesjährige Sternsingeraktion von Sankt Michael der Meckenheimer Partnergemeinde Kumasi in Ghana gewidmet.