Obsternte in der Voreifel

Ernte in der Voreifel startet drei Wochen früher

Meckenheim. Obstbauern rechnen mit höherem Mostanteil wegen der langen Trockenheit und der großen Hitze. Viele Bäume tragen zu kleine Früchte, die zu Saft und Mus verarbeitet werden.

Kleine Traktoren mit Apfelkisten fahren in die Plantagen und kommen randvoll mit saftigen Äpfeln gefüllt zurück. Das ist in einem der größten Obstanbaugebiete Deutschlands nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist nur, dass diese Traktoren schon seit Mitte August unterwegs sind, um die Ernte einzufahren. „Wir liegen mit allen Sorten zwei bis drei Wochen vor der regulären Erntezeit“, sagt Biobauer Lothar Krämer.

Sein Obsthof ist einer von jenen, die in diesem Sommer einen Teil der Plantagen mit Tröpfchenberegnung bewässern konnten. „Mehr Wasser wäre auch in diesem Jahr der Schlüssel gewesen“, erklärt er. Während man im Vorjahr mit den Frösten zu kämpfen und den größten Teil der Ernte verloren hatte, machten den Apfelbauern in der laufenden Saison Hitze und Trockenheit zu schaffen. In beiden Fällen habe genug Wasser einen guten Teil der Ernte gerettet.

„Pfahlwurzler wie Löwenzahn und Sauerampfer überstehen die Trockenheit gut“, erklärt Krämer. Auch ältere und hohe Bäume mit tief reichenden Wurzeln hätten Vorteile gehabt, weil sie die tiefer liegenden Wasserschichten erreichen konnten. Junge Pflanzungen mit entsprechend wenig ausgeprägtem Wurzelwerk hingegen trügen in diesem Jahr oft Früchte, die kaum größer als Walnüsse seien. Wie einige Kollegen erwartet auch er deshalb einen höheren Anteil an Mostobst.

Aufwand scheint unumgänglich

„Die Bäume brauchen bestimmte Temperaturen und auch Ruhezeiten, um zu wachsen, Früchte zu bilden und um sich zu erholen“, erklärte auch Karl Josef Schneider vom Waldhof. Durch die Hitze und den langen Wasserentzug sei in den Pflanzen Stress entstanden, der manchmal zu Folgeschäden am Baum führe. Deshalb müsse man abwarten, ob und wie viele Bäume im nächsten Jahr wieder Blüten bildeten. Es sei nicht auszuschließen, dass schwächere Bäume den Stress nicht überstanden haben und sich nicht mehr erholen. „Die Beregnung ist nicht nur bei der Hitze das effektivste Mittel, Bäume, Blüten und Früchte zu schützen, sondern auch bei Minustemperaturen. Man muss nur rechtzeitig damit anfangen“, so Schneider. „Aber in solchen Nächten schläft sowieso keiner von den Bauern.“ Dann seien sie auf den Feldern unterwegs und kontrollierten die Anlagen, damit die Schäden so gering wie möglich blieben.

In einer Hinsicht sind sich Biobauer Krämer und Karl Josef Schneider einig, auch wenn ihre Anbauweise ansonsten viele Unterschiede aufweist: Der Schlüssel zum Ausgleich, das Wasser, ist die Krux in Meckenheim. Während man im Vorgebirge Grundwasser fast schon mit dem Sandkastenschäufelchen freilegen kann, muss man in Meckenheim teilweise 80 Meter in die Tiefe bohren, um an ausreichende Wasservorräte zu gelangen.

Dieser Aufwand und die Bevorratung des Wassers scheint in der Region aber unumgänglich. Nach den für viele Bauern existenzbedrohenden Ernteausfällen des Vorjahres hatten sich ein gutes Dutzend Landwirte zusammen Gedanken gemacht. Große Becken sollen die Lösung sein. Bis zu einem Hektar in der Fläche und sechs Meter tief sollen sie die umliegenden Felder mit etwa 30 Kubikmetern Wasser pro Stunde je Hektar im Notfall versorgen. Das rettet nicht nur in langen Trockenphasen, sondern auch in frostigen Nächten das Obstwachstum.

Sonnebrand der Äpfel ließe sich verhindern

„Bei einer Beregnung kann man die Temperatur der Blüten bei Frost auf Null Grad regulieren. Das reicht, um die Blüte zu erhalten. Wenn man das Wasser bei Hitze geschickt einsetzt, kann man die Temperatur für die Bäume um bis zu zehn Grad herabsetzen“, schätzt Krämer. Nicht nur die Apfelgröße und die Fruchtfleischqualität profitieren davon. Auch der Sonnenbrand an den Früchten ließe sich so verhindern. „Der Apfel kann halt nicht in den Schatten gehen und sich eincremen, also muss der Bauer etwas tun, um die Temperatur herabzusetzen.“

Geplant sind fünf Becken in verschiedenen Größen. Im Siebenswinkel soll dann auf 5000 Quadratmetern Fläche Wasser bevorratet werden. An anderer Stelle ist ein größeres Becken mit etwa 25 000 Kubikmetern geplant. Krämer hofft, dass die Anlagen zu Beginn der Blüte 2020 einsatzbereit sind. Insgesamt investieren die Bauern etwa eine Million Euro, aus Fördermitteln fließt eine weitere Million. Auch mit den Becken wird nicht jeder alle Flächen bewässern können. Aber wenigstens auf einem existenzsichernden Teil der Anbaufläche werden dann bei extremen Wetterlagen die Schäden minimieren werden können.